Das hören
Viele in unserer Gemeinde mit Wehmut. Ich auch. Er gehörte zu
meinem Weg. Gerade in Johannisthal ist er manchen von Ihnen bekannt und
geschätzt durch seine Gottesdienste. Und hier hat er die
Seminarreihe „Gespräche über den
Glauben“ ins Leben gerufen …
Ich
kann ihn an dieser Stelle nicht angemessen würdigen. Aber das
möchte ich hier sagen: Als Mensch, als Theologe und als einer,
der Verantwortung für die Kirche übernahm, bewegte
ihn, dass wir nicht mehr wie selbstverständlich mit
christlichen Ritualen leben: wir müssen es einüben,
in Kontakt mit Gott zu leben Und dieses Leben in Kontakt mit Gott soll
etwas zu tun haben damit, wie wir überhaupt leben. Also
müssen wir darüber reden. Gespräche
über den Glauben, um für sich persönlich
etwas zu klären und mit anderen etwas zu lernen. Denn da geht
es nicht nur um mehr oder weniger große Wissensstoffe. Es
sind immer wieder neue Herausforderungen, wo wir mit Anderen darum
ringen: Was heißt denn das in der Perspektive der Geschichte
von Jesus Christus? Antworten stehen nicht fest, sie müssen
erwandert werden. Bibeltexte müssen befragt werden, und unsere
Gedanken zu den Texten müssen sich befragen lassen:
„verstehst du auch, was du da liest?“ Und weil
diese Fragen mitgehen in dem, was wir erleben, reichen einmal gefundene
Antworten oft nicht aus und müssen wir immer weiter lernen.
Darum sind für Albrecht Schönherr Seminare mit
Gesprächen über den Glauben eine Endlos-Geschichte.
Albrecht
Schönherr wollte christliches Leben nicht als eine Kultur, die
sich abgrenzt, profilieren, er wollte den Schatz der christlichen
Tradition in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auch nicht im
Gestus der Überlegenheit und der Belehrung einbringen, sondern
wie in einer Lerngemeinschaft – partnerschaftlich. Er
kämpfte für den Spielraum der Kirche nicht, um sich
als Gegen-Über in der Gesellschaft stark zu machen, sondern um
die Freiheit der Botschaft von Gott in ihrer sozialethischen Bedeutung
zu erfassen. Auch wenn das Selbstverständnis der herrschenden
Partei in der DDR atheistisch war und diese sich durch eine
Religionsgemeinschaft als solche in Frage gestellt sah, wollte
Schönherr verhindern, dass die Kirche im Umkehrschluss einfach
die Rolle der Fundamentalopposition übernimmt.
Unermüdlich rang er darum, dass Christen übersetzen,
was wir aus christlicher Tradition positiv in jede Gesellschaft
einzubringen haben, anstatt das Christen aus der Gesellschaft
(innerlich) auswandern. Die Formel „Kirche im
Sozialismus“ sagte, wo hier die Energie des Evangeliums
hinkommt. Das war für Albrecht Schönherr gerade nicht
schlechte Anpassung, sondern Zeichen, welche Stärke der Geist
Gottes haben kann: Er ist nicht abhängig von bestimmten
gesellschaftlichen Formen und kann darum konkret das Beste des
Gemeinwesens suchen kritisch unterscheidend, wo Christen in den
gesellschaftlichen Aufgaben (z.B. Erziehung zum Frieden, für
Schwache eintreten, Bewahrung der Schöpfung) Anderen
widersprechend und wo sie mit Anderen unterstützend zusammen
arbeiten.
Wer Albrecht
Schönherr begegnet ist, wird seine einfühlsame
wohlwollende Art in Erinnerung behalten.
Reinhard
Kähler
23. April – 19.00 Uhr
Winterkirche
Niederschöneweide, Britzer Str.
Albrecht Schönherr und der Weg der Kirche
Bischof i.R. Dr. Ch. Demke wird dazu Informationen
geben
und zum Gespräch einladen.