Charlotte Kieckeben erzählt
Visionen
Ist
das nicht Charlotte Kieckeben dort? Wir haben uns lange nicht gesehen.
Freudig war unsere Begrüßung. Nach dem herzlichen „Wie
geht’s? Wie steht’s?“ sagte Charlotte: „Ich
muss dir unbedingt etwas erzählen!“
„Manchmal
ist das Fernsehen sogar interessant. Ich sah neulich einen Bericht
über einen Pfarrer, der hatte eine Idee, sagen wir ruhig eine
Vision. Die kleine Dorfkirche, in der er predigte, war ziemlich
ramponiert. Es regnete durch das marode Dach und der Putz viel von den
Wänden. In den Bankreihen unter der bemalten Kassettendecke
saßen im Gottesdienst 3-5 Gemeindeglieder. Es war trostlos. Was
tun? Von Abriss war die Rede, die drei Leute können ja ins
nächste Dorf gehen. Der Pfarrer stützte seinen Kopf in beide
Hände und seine Gedanken wirbelten wie in einem brodelnden
Kochtopf durcheinander. Eine Gemeinde braucht ein Haus, in dem sie sich
wohl fühlt, mit dem sie sich identifizieren kann. Wie kann ich die
Dorfbewohner, die sagen, nichts mit der Kirche am Hut zu haben,
dafür begeistern, mitzuhelfen das historische Gebäude im
Mittelpunkt ihres Dorfes zu erhalten, zu sanieren und anzunehmen?
Ein paar
wenige Mitstreiter konnte der Pfarrer um sich versammeln. Und so
begannen sie mit ihren Händen zuerst den Schutt wegzuräumen.
Die Vision von einer wunderschönen Dorfkirche, die auch Touristen
anziehen könnte, wurde im Dorf und der Umgebung verbreitet. Die
Bewohner guckten neugierig, kamen näher und nahmen die Ehre an,
mitmachen zu dürfen.
Es fanden
sich Handwerker ein, es wurden Spenden gesammelt, jeder wurde
angenommen und konnte sich mit seinen Fähigkeiten beteiligen. Der
gegründete Verein koordinierte die Aktivitäten. Alle
Mitmacher einte bald ein Gefühl des Zusammenklangs im
Verwirklichen eines gemeinsamen Zieles. - Und eines Tages war es
geschafft. Das Dach war neu gedeckt. Kein Regen konnte der 350 Jahre
alten Kassettendecke mehr schaden. Da wurde ein Fest gefeiert, an dem
alle Dorfbewohner beteiligt waren. Und bei dem Dankgottesdienst war die
Kirche überfüllt.
Seitdem
sind einige Jahre vergangen. Heute sind fünf Dorfkirchen saniert.
Jugendliche haben sich historisches Wissen angeeignet, begeistert
zeigen sie Touristen, was erhalten wurde und was neu entstanden ist
– eine große christliche Gemeinde.“
„Was meinst du“, fragt Charlotte, „ob wir auch so eine große Gemeinde werden können?“
Regina Burow