Der
Osterfestkreis
Bei
PLUS,
REAL oder KAISERs beginnt ein Feldzug für Ostern schon ein
paar
Wochen vorher. – Auf andere Weise gehen Christen nach alter
Sitte
schon ein paar Wochen lang bewusst auf Ostern zu: in einer
längeren Fastenzeit.
Lassen
Sie uns einen Blick in die Geschichte dieser Sitte werfen.
Die
ersten Christen übernahmen das Passahfest der
Juden.
Das
Passahfest erinnerte alle Jahre an den Auszug aus Ägypten, das
heißt: an die Befreiung aus einer Sklaverei. Diese
Urgeschichte
des Volkes Israels ist zugleich die Basis-Geschichte seines
Gottes-Verhältnisses. Mit diesem Erinnerungsfest wurde Jahr um
Jahr eingeholt, von der Befreiung aus unterdrückenden
Verhältnissen zu leben. Besonders reizvoll erschien dabei die
Geschichte, in der erzählt wird: In der Nacht vor der
Befreiung
drang Gott in die Häuser ein und entkräftete die
Unterdrücker; an denen, die er herausholen wollte, aber ging
er
vorüber. (Das hebräische Wort pessach bedeutet
wörtlich „vorüberschreiten“,
„verschonen“.)
Die
Christen sagten nach der Kreuzigung von Jesus Christus:
„Wenn
dieser Mann Gottes hingerichtet wurde, dann wäre eigentlich
Gottes
Zornesgericht zu erwarten. Wenn zu Ostern etwas ganz anderes passierte,
dann hat Gott die Menschen gnädig verschont. - Gott hat uns
verschont, obwohl wir seinen Zorn verdient hätten, denn wir
waren
auch daran beteiligt, gerechtes Leben zu unterdrücken. Wenn
wir im
Geist von Jesus Christus mitziehen, dann erleben wir es, aus
unterdrückenden Verhältnissen befreit zu
werden.“
Christen
fingen an zu „Passah“ zu feiern, dass sie
so durch
die Geschichte von Jesus Christus befreit wurden. Als sie so die
Geschichte von Jesus Christus aufnahmen, schob sich noch eine weitere
Deutung hinein: Sie sahen nach dieser Geschichte Jesus als
„Passah-Lamm“ an, das
„hingeschlachtet“ wurde,
und dieses Opfer bewirkt – nach einem uralten Glauben
–,
dass Gott die Menschen verschont, an deren Türpfosten das Blut
dieses Lammes gestrichen wird.
Diese
Befreiung feierten Christen wohl ab dem 2. Jahrhundert mit einem
Gottesdienst. Der dauerte die Nacht hindurch, bis die Sonne aufging.Von
daher erklären sich die heute gebräuchlichen Namen
für dieses Fest:
- In
den meisten Sprachen im christlichen Kulturkreis ist der Name
übernommen worden: italienisch pasqua, spanisch pascua,
französisch pâques,
griechisch pas'cha,
schwedisch påskdagen,
niederländisch pasen.
- In
den meisten slawischen Sprachen ‚Große Nacht
(Nächte)’ − beispielsweise polnisch wielkanoc,
tschechisch velikonoce.
- Im
Deutschen Ostern,
im Englischen eastern.
Denn von Osten geht die Sonne des neuen Tages auf. Das ist zugleich
Symbol der Auferstehung.
Bald
bildeten sich im Umkreis dieses nächtlichen Gottesdienstes
bestimmte Gewohnheiten der gottesdienstlichen Begehung heraus: So
begann man zu fasten. Das dauerte ein bis sechs Tage und endete mit der
Mahlfeier zum Schluss des nächtlichen Gottesdienstes. Das
Fasten
stand im Zeichen der Trauer über das Leiden und den Tod von
Jesus.
Dieses Passa-Fasten wurde zum Ansatzpunkt für die
spätere
Fastenzeit. Diese Fastenzeit wird von daher in der katholischen Kirche
„vorösterliche Buß- und
Fasten-Zeit“ genannt, in
der protestantischen Kirche „Passions-Zeit“.
Das Datum des
Osterfestkreises
Das
Passahfest steht im Jahreskreis an der Stelle, wo nach dem Ruhen der
Erde im Winter neue Fruchtbarkeit keimt: Das Passah-Fest beginnt am
Abend des ersten Frühlingsvollmondes. Das Passahfest wird in
den
Familien mit dem erinnernden abendlichen Mahl gefeiert. Zur Zeit von
Jesus war es auch ein Pilgerfest: man zog nach Jerusalem, um beim
Tempel ein Passahlamm zu schlachten.
Die
Evangelien erzählen: Jesus hielt sein letztes Mahl mit seinen
Leuten am Abend des ersten Tages „der Ungesäuerten
Brote“ (als Erinnerung an die Flucht aus der
Unterdrückung)
bzw. am Abend „des Passahfestes“. Am
nächsten Tag
wurde Jesus hingerichtet, das war ein Tag vor dem Sabbat. Die
Geschichte von der neuen Begegnung mit dem Gekreuzigten wird vom Morgen
des ersten Tages der Woche erzählt.
Wir
nennen
den ersten Tag der Woche „Sonntag“, eben auch in
Anspielung
auf die österliche Sonne, die da aufging.So feiern wir Ostern
an einem beweglichen Datum: Immer am ersten Sonntag nach dem ersten
Vollmond im Frühjahr.
Die Fastenzeit
Die
Länge der vorhergehenden Fastenzeit wechselte in den ersten
Jahrhunderten. Dann kristallisierte sich eine Zeitspanne von 40
Fastentagen heraus. Da davon die Sonntage und Gründonnerstag
ausgenommen wurden, kam man schließlich auf die Zeit von
Aschermittwoch bis Karsamstag.
Vom
Mittelalter an bis ins 20. Jahrhundert wurde dieser Fastenzeit eine
„Vorfastenzeit“ vorangestellt. Sie beginnt nach der
Epiphaniaszeit, neun Wochen (63 Tage) vor Ostern. (Die Sonntage werden
demnach 3. Sonntag vor der Passionszeit, 2. Sonntag vor der
Passionszeit und Sonntag vor der Passionszeit genannt.)
Der Sinn der
Fastenzeit
Die
40
Tage des Fastens beziehen sich auf die 40 Jahre, die Israel durch die
Wüste wanderte, um in das Land des Lebens zu kommen. Und sie
beziehen sich auf die 40 Tage, die Jesus in der Wüste
verbrachte
und sich über bedrohliche Versuchungen klar wurde. So sind die
40
Fastentage gedacht als Tage, sich zu läutern und etwas leerer
zu
werden und sich so auf die spirituellen Möglichkeiten seines
Lebens zu besinnen. – Anstatt von allen möglichen
Aufgaben
ganz besetzt zu sein, und anstatt davon abgefüllt zu sein, was
man
alles an Bildern und Filmen mitnehmen kann: … fasten und
freier
zu werden für das, was von Gott kommt und was ich wirklich
brauche.
In
der protestantischen Kirche wurde dieser Akzent etwas verschoben: von der Besinnung auf sich und
sein Leben auf die Besinnung auf Jesus und sein Leiden.
Wenn
diese
Zeit Passionszeit genannt wird, dann wird da in der Regel angespielt
auf das griechische Wort für Leiden – pas-chein -,
in
Erinnerung an das Leiden und Sterben von Jesus. Solche Prägung
war ursprünglich auf die Karwoche beschränkt.
Die
Bezeichnung „Kar-woche“ für die letzte
Woche vor
Ostern kommt aus dem althochdeutschen kara: Klage, Kummer, Trauer. Das
ist die traditionelle deutsche Bezeichnung. In anderen Sprachen
heißt sie „Große Woche“,
„Stille
Woche“ oder abgeleitet von der traditionell lateinischen
Bezeichnung auch „Heilige Woche“.
Der
Sinn der Karwoche hat sich aus dem Osterfest
entwickelt: Ursprünglich wurde in der Osternacht die
ganze Bedeutung der Hingabe des Lebens von Jesus Christus gefeiert.
Erst
im 4. Jahrhundert begann die Tendenz, die Akte der Hingabe von Jesus
und der Auferweckung Jesu durch Gott nacheinander zu feiern. Da erst
wurden „die heiligen drei Tage“ ausgegliedert:
Karfreitag
als Tag des Leidens und Sterbens von Jesus; Karsamstag als Tag der
Grabesruhe von Jesus; Ostern als Tag seiner Auferweckung.
Später
wurde diese Zeit des Gedenkens mit dem
„Palmsonntag“
begonnen. Der stand im Zeichen des Einzugs von Jesus in Jerusalems, dem
Ort seines Leidens und Sterbens.
Gründonnerstag
Der
Name
kommt vom mittelhochdeutschen „gronan“ = weinen,
greinen.
Denn die, die sich auf sich besonnen haben, weinen darüber,
wie
sie Leben verfehlt haben.Der Gottesdienst am Abend vor dem Tag des
Gedenkens an die Kreuzigung Jesu feiert besonders das Gedächtnis,
das Jesus gestiftet hat, indem er mit seinen Leuten zusammen Mahl
feierte.
Jesus
feierte zum letzten Mal mit seinen zwölf Freunden den
Seder-Abend,
mit dem das siebentägige Passafest beginnt
(„Seder“
heißt „Ordnung“, weil zu diesem
Gedächtnis-Mahl
eine festgelegte Speisefolge gehört).
Der Beginn der Fastenzeit -
Aschermittwoch
Das
kommt
natürlich daher, dass sich die Menschen bewusst wurden, was
sie
– nach dem, was Gott von ihnen erwarten konnte –
verfehlt
haben, und sich deshalb Asche aufs Haupt streuten. Oder: Dass sie sich
Asche aufs Haupt streuten, um auf diese Weise anzufangen
darüber
nachzudenken, was bei ihnen – angesichts dessen, was Gott
ihnen
angeboten hatte – fehl gelaufen ist.
Zweiter
Teil des Osterfestkreises
Mit
der Osternacht beginnt der zweite Teil des Osterfestkreises. Christus
ist ins Leben auferstanden! Das zu glauben löst anhaltende
Freude aus.
Der
Zeitraum von 50 Tagen war vorgebildet im jüdischen Wochenfest
(es
erinnert an die zehn Gebote und ist Erntedankfest): es dauert sieben
Wochen oder 50 Tage nach dem Passafest. Dieser Zeitraum endet mit Pfingsten.
Besondere
Bedeutung hat die erste Woche nach Ostern:
- Eine
Woche lang hörte man gar nicht auf zu feiern, dass der Tod
Jesus Christus nicht gefangen halten konnte.
- Da
hinein gehörte es zu feiern, dass Gott Jesus Christus als
seinen
Sohn in seine herrliche Stellung erhöht hatte. Seit dem 4.
Jahrhundert begann man allerdings sich an der Erzählung im
Lukas-Evangelium zu orientieren und die Erhöhung von Jesus
Christus in den Himmel Gottes am 40. Tag nach Ostern zu feiern.
- Wer
getauft werden wollte, wurde in der Osternacht getauft. In den
täglichen Gottesdiensten der Osterwoche wurden die neu
Getauften
ganz intensiv hineingenommen in das neue Leben mit Jesus Christus.
Die
in der Osternacht Getauften nahmen in ihren weißen
Taufkleidern an den Gottesdiensten teil. Erst
im Gottesdienst am Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti - Wie
neugeborene Kinder) legten sie ihre Taufkleider ab – sie
waren
entbunden, wie neu
geborene Kinder (dazu der Leittext dieses Sonntags: 1.
Brief des Petrus 2, 1-5; vgl. auch: 1, 3-9).
Mit
Jesus Christus überholt Gott unsere Todesgeschichte!
– Die traditionellen Themen der nächsten
Sonntage im Osterfestkreis beleuchten Aspekte davon, was dieser Glaube
heißt:
2.
Sonntag nach Ostern (Miserikordias Domini - Die Barmherzigkeit Gottes):
Gott erbarmt sich unser und geht uns wie ein guter Hirte nach, dass
unser Leben an keiner Gefahr verloren gehe.
3.
Sonntag nach Ostern (Jubilate - Jubiliert): Gott gibt uns die Chance,
dass wir uns nicht nur an den Folgen unseres bisherigen Lebens
abarbeiten, sondern auch mit neuen Tagen – wie neu geschaffen
– leben können. Das ist Grund, sich laut zu freuen
und Gott
zuzujubeln.
4.
Sonntag nach Ostern (Kantate - Singt): Finden wir bei dem Gott, der
Jesus Christus ins Leben weckt, wie unsere Seele wieder ausgefaltet
wird, dann brauchen wir nicht das immer gleiche alte Lied singen. Da
werden Knoten gelöst, dass wir aufatmen und ihm ein neues Lied
singen können.
5.
Sonntag nach Ostern (Rogate - Betet): Es ist Zeit, dass – um
des
Lebens willen – auch für die ausgesäten
Pflanzen
gebetet wird: dass sie wachsen und Früchte bringen. Hier nun:
Bittet Gott, wie ihr euch durch Jesus Christus ermutigt findet!
6.
Sonntag nach Ostern (Exaudi - Erhöre uns): Jesus Christus ist
uns
vorausgegangen. Wir aber erleben noch viele zerstörerische
Kräfte. Aus solchen Situationen heraus rufen wir, dass Gott
uns
höre und nicht – mit Jesus Christus –
schon zu weit
weg sei.