Pfingsten
Zum Pfingstfest gehört die Geschichte, die Lukas erzählt hat: „Apostelgeschichte“ Kap. 2, 1-18.
Da wird erzählt, wie etwas besonders in Bewegung kam:
- „plötzlich kam ein Rauschen vom Himmel her auf wie von einem gewaltig wehenden Wind …“
- „es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, die saßen auf einem jeden von ihnen“
- wer den
Sinn der Geschichte annimmt, die mit dem Namen von Jesus Christus
verbunden ist, und von dessen Geist erfüllt ist, lässt sich
taufen, Apg 2, 38. 41, wird also in dieses Wasser getaucht.
- Das geschieht für alle möglichen Gegenden der Erde, die so je ihre Sprache sprechen, ihre Kultur haben.
Da sind alle Elemente ins Spiel gebracht: Luft, Feuer, Wasser, Erde.
a) „Wind vom Himmel”
Das
meint es, wenn gesagt wird, „sie wurden von Gottes Geist“
erfüllt. „Geist“ heißt in der Bibel: Wind und
Atem. Dabei ist an die Kraft gedacht, die im Wind- und Atemstoß
begegnen. Darum auch: Antriebskraft, Energie, Dynamik, Vitalität.
Dieser Wind schafft Raum, setzt in Bewegung, führt aus der Enge in
die Weite und macht so lebendig. Das ist beim erleichterten Aufatmen zu
beobachten. Das Woher und Wohin dieser Kraft ist rätselhaft.
Der Wind ist in Bewegung und bringt anderes in Bewegung. Für den Menschen ist der Wind nicht greifbar, flüchtig.
Bei Atem
ist ursprünglich an dessen dynamische Vitalität gedacht. Wie
bei sexueller Erregung oder wenn beim Gebären hörbar gekeucht
wird und nach gelungener Entbindung erleichtert Luft geschöpft
wird.
Die
geheimnisvolle im Wind und Atem wirksame Kraft als wird Kraft von Gott
geglaubt. Sie kann als „Atem Gottes“ oder als Mittel bzw.
Begleiterscheinung des Wirkens Gottes verstanden werden.
Nehmen
Sie die Urgeschichte von der Welt: Durch Gottes Sprechen wird der
schwebende Wind, der aus sich selbst heraus entsteht, gezielter Atem
(1. Mose 1, 2). Es ist Gottes Atem, der die Lebewesen belebt hat (1.
Mose 2, 7). Der Rhythmus des Lebens von Mensch und Tier folgt dem
Rhythmus des Ein- und Ausatmens Gottes ... (Psalm 104, 29f.).
Gott ist aber
auch bei denen, denen man die Luft zum Atmen nimmt (Jesaja 57, 15;
Matthäus 5, 3), die eng an Atem sind (denen die Kehle
eingeschnürt ist), denen der Atem zerbrochen ist.
Durch Gottes
Wind wird Jesus in der Taufe zu Gottes Akteur. In der Geschichte von
Pfingsten wird das allen Völkern eröffnet.
Der Wind vom Himmel bringt in eine neue Lebensaussicht und gibt neuen Schwung fürs Leben. Menschen, die von diesem Gott begeistert
werden, werden von Liebe bewegt; sie leben nicht nur so dahin. Diesem
Geist der Liebe Gottes wird sogar zugetraut, dass er hier und da
Mächte überwindet, die Leben unterdrücken und Leben
kaputt machen.
Im
sozialen Zusammenhang wurde noch etwas anderes gesehen: Gott legt seine
Lebensenergie auf besonders erwählte Menschen, die für ihn
wirken oder ihn repräsentieren. Dann aber: Neben die Vorstellung
von der Geistbegabung eines erwählten Einzelnen tritt die
Vorstellung von der Verleihung des Geistes an das ganze erwählte
Volk.
Das Brausen des Atems Gottes erfasst zu Pfingsten die versammelten Menschen.
b) Ihnen erscheinen Feuerflammen
– nicht eines einsamen Leuchtfeuers, sondern die Flammen sitzen
auf jedem von ihnen: Die so Begeisterten lässt das nicht kalt, sie
werden Feuer und Flamme …
c)
Der erhöhte Jesus Christus hat Gottes Geist empfangen, um ihn an
seine Gesellen weiterzugeben (Apg 2, 32f.); er wirkt in einem Kraftfeld
auf seine Gemeinde. Er ist der Anbruch der neuen Verbindung, die Gott
„in dieser Person” mit den Menschen eingeht. Leben Menschen
ihrerseits aus dieser Verbindung, leben sie aus Gottes Geist und nicht
nur nach äußerlicher Vorschrift. Dazu lassen sie sich mit
seinem Wasser waschen, lassen
sich da ein-tauchen, taufen. Von daher suchen sie immer wieder, wie sie
dem Atem des Lebens Antwort geben …
Das Ur-Modell sagt: Die so von Gottes Geist erfüllt sind, fangen an, entsprechend zu reden (Apg 2, 4).
d)
Der Geist gibt es ihnen, sich den Verschiedenen verständlich zu
machen (Apg 2, 4-11). So geht in Erfüllung, was seit dem Propheten
Joel (Kap. 3, 1f.) erwartet wurde: „Gottes Geist wird auf alles Fleisch ausgegossen“, das heißt, die Verschiedenen werden so begabt, dass es keine Privilegien mehr gibt (Apg 2, 17f.).
So ist die Erzählung von Pfingsten die Geschichte von der „Geburt” der Kirche.
Das Pfingstfest
Die
Gründungsgeschichte von Pfingsten bezieht sich auf einen
bestimmten Tag: Den Fünfzigsten, das heißt im Griechischen „pentekoste“;
daraus ist das deutsche Wort „Pfingsten“ hervorgegangen.
Das meinte damals im griechischen Sprachraum unter den Juden das
„Wochenfest“; das „Wochenfest“ wurde
nämlich am fünfzigsten Tag nach dem Passahfest gefeiert.
Das
„Fest der Wochen“ (Schawuot) weist mit seinem Namen
auf die mit dem fünfzigsten Tag vollendeten sieben Wochen nach dem
Passahfest hin. Es gehört zu den Hauptfesten des Judentums.
Gefeiert wird die Offenbarung der Tora an das Volk Israel. Es ist
gleichzeitig ein Erntedankfest, da es den Abschluss der mit Passah
beginnenden Weizenernte markiert.
Die
Christen schlossen am „fünfzigsten Tag“ die Osterzeit
festlich ab. Seit dem Ende des 4. Jahrhunderts gewinnt „der
fünfzigste Tag“ (Pfingsten) mehr und mehr den Charakter
eines eigenständigen Festes bei den Christen.
Die gottesdienstliche Farbe zu Pfingsten ist rot:
Rot ist die Farbe des Feuers des Geistes Gottes, der Liebe. Weil dieser
Geist Menschen bewegt, die sich auf Jesus Christus besinnen und von ihm
her ihr Leben beginnen lassen wollen, ist >rot< zugleich die
Farbe, mit der sich die Kirche feiert, genauer: mit der sie ein
Dankfest feiert für alles, was sie durch Gottes Geist erntet.
Der Wind Gottes kann nicht angeeignet werden. Darum erbitten wir ihn immer wieder: Komm, heiliger Geist! (vgl. Ev. Gesangbuch 125, 126, 130, 133, 134, 136, 137)
Ein schöner Kanon (steht nicht im Gesangbuch) singt:
Geh wie ein Windhauch über die Deinen,
Geist uns’res Gottes,
mache uns neu!
Wo Mauern sperren und wo Zäune uns mindern,
gib uns den Mut, die Saat des Lebens zu streu’n!
In Deiner Kirche, in unsern Häusern,
wirke und weh’ mit deiner Kraft.
Mach uns frei!