Der Jahreslauf der Natur
hat in Kulturen, die von der Landwirtschaft geprägt sind, eine
ökonomische und soziale Bedeutung. Die
Übergänge der
verschiedenen Phasen wurden seit den frühen Kulturen aber auch
religiös begangen. So die Sonnenwenden und die Tag- und
Nachtgleichen; Aussaat sowie Anfang und Ende der Ernte. Man feierte
aber auch die Geburt, den Tod und die Auferstehung eines Gottes, in
dessen Schicksal die Vorgänge in der Natur beschlossen waren.
Die
religiösen Feiern verbinden mit der göttlichen
Wirkung
Saat, Wachstum und Ernte.
So geht der Anfang des Jahresfestkreises, wie er in christlicher Kultur
– von der nördlichen Erdhalbkugel her
geprägt –
gestaltet wur-de, auf die Wintersonnenwende zu.
In der jüdischen Kultur trat in den Jahrhunderten vor Jesus
Christus immer stärker noch etwas Anderes hervor: Wichtige
Ereignisse der gemeinsamen Geschichte
wurden einmal im Jahr festlich begangen. So blieben sie im kulturellen
Gedächtnis.
Die christliche Kultur übernahm viel von der
jüdischen
Kultur. Ganz auffällig: Sie übernahm die
Siebentagewoche, und
sie über-nahm die Feier einer Befreiungsgeschichte:
jüdisch Passa,
christlich Ostern.
In seinen ersten Jahrhunderten übernahm das Christentum aus
dem
Umfeld der griechischen Kultur Feste, die die Erscheinung des Sohnes
Gottes als Mensch feiern.
Die Festsetzung des Beginns des Jahreskreislaufes war lange Zeit
umstritten. Unser bürgerliches Neujahrs-Datum, 1. Januar, geht
auf
Julius Cäsar zurück: Er führte im Jahr 45 v.
Chr. den
Julianischen Kalender ein. Der hat sich erst nach und nach
durchgesetzt.
Die Sitte, am ersten Adventssonntag in das religiöse
Feier-Jahr
einzusteigen, ist eine Folge der Idee, mit der Vorbereitung auf die
Geburt von Jesus Christus zu beginnen. Demnach endet das Kirchen-jahr
vor dem Advent: Mit dem drittletzten Sonntag im Kirchenjahr ging man
seit alter Zeit in die Zielkurve des Kirchenjahres. An diesem sowie an
dem vorletzten und dem letzten Sonntag im Kirchenjahr wird besonders
bedacht und begangen, wohin Jesus Christus uns mit unserem Leben am
Ende bringt.
Wie
kennen Sie den letzten Sonntag vor dem ersten Advent?
–
Viele gehen da zu den Gräbern und gedenken der Verwandten oder
Bekannten, die verstorben sind.
Das passt, wenn man daran denkt, zu dieser Zeit die Gräber
für den Winter „abzudecken“ und zu
schmücken. Das
genau zu die-sem Sonntag zu tun, ist eine Sitte, die vor knapp
zweihundert Jahren in protestantischen Ländern Einzug hielt.
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen bestimmte
durch
Kabinettsorder vom 17. 11. 1816 den letzten Sonntag des Kirchenjahres
zum „allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die
Verstorbenen”. Bei dieser Festlegung spielte das
Gedächtnis
der in den Befreiungskriegen Gefallenen (Feier am 4. 7. 1816), aber
auch die Trauer um die 1810 verstorbene und fast wie eine
Märtyrerin verehrte Königin Luise eine Rolle. Dieses
„Totenfest” zum Abschluss des Kirchenjahres wurde
rasch
auch von anderen Landeskirchen übernommen.
So ein besonderer Sonntag für die Toten fehlte den
evangelischen
Christen noch, nachdem die Reformation den Gedenktag
„Allerseelen“ für
überflüssig erklärt
hatte.
Allerseelen
ist im Festjahr der römisch-katholischen Kirche der Tag, der
dazu
gedacht ist, durch Gebet, Almosen und Fürbitte die Leiden der
armen Seelen (der Verstorbenen im Fegefeuer) zu erleichtern. Das Fest
wurde im 9. Jahrhundert zum offiziellen Feiertag erhoben und der heute
auch zum Gedächtnis der Verstorbenen dient.
Allerseelen folgt
am zweiten November auf den Festtag Allerheiligen am
ersten November.
Mit
Ende der landwirtschaftlichen Tätigkeiten wandten die Menschen
sich mehr häuslichen Fragen zu; und man kümmerte sich
auch
wieder mehr um die Frage, wo die Verstorbenen bleiben.
In
der katholischen Kirche heißt der letzte Sonntag vor dem
ersten Advent seit 40 Jahren „Christkönigsfest“
(voller
Titel: Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des
Weltalls). 1925 wurde dieses Fest eingeführt, um zu
signalisieren:
Auch wenn sich Gesellschaften säkularisieren sollten, bleibt
doch
Jesus Christus in seiner Weise Herr der Kirche und in der Welt.
Später wurde dieser Gedenktag von Ende Oktober auf den letzten
Sonntag vor dem ersten Advent gelegt.
Gottesdienste
zum letzten Sonntag im Kirchenjahr
… können nun zwei Akzente haben:
1.
Es wird der Verstorbenen des letzten Jahres gedacht. Da bekommt die
Trauer Raum. Und es wird eingespielt, welche Aussicht hoffen
lässt: Gott nimmt das Leben der Verstorbenen bei sich auf. -
Titel: „Totensonntag“.
2.
Leitender Gedanke ist: Denke daran, Jesus Christus, der dich an das
Ziel deines Lebens bringt, kann jederzeit zur Hoch-Zeit deines Lebens
kommen. Sei wach dafür. Also: „Bitte Gott
für die
Verstorbenen, aber stelle dich mit deinem gegenwärtigen Leben
darauf ein, was dich als Schluss deines Lebens erwartet,
nämlich:
sei wach für Jesus Christus, der dich holt und dich nicht dem
Tod
überlässt.“ –
Titel: „Ewigkeitssonntag“.