Andacht zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

von Carsten Unbehaun

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Abgesagt (Corona-Litanei)

Abgesagt
Haydn, Mozart und Schubert
dirigiert von Marek Janowski
Nicht abgesagt
das Cello im 3. Stock
das Lied der Amsel

Abgesagt
die Lesung des Literaten
Nicht abgesagt
das Lesen
des abendlichen Gedichts

Abgesagt
die Tagung zum 40. Jahrestag
der Ermordung von Bischof Oscar Romero
Nicht abgesagt
die Erinnerung
der Widerstand

Abgesagt
der Traum von den Malediven
Nicht abgesagt
das Träumen von
der neuen Erde
dem neuen Himmel

Abgesagt
der Gottesdienst
Nicht abgesagt
das Flüstern
mit Gott

Abgesagt
der Blumenstrauss
auf dem Küchentisch
Nicht abgesagt
das Blühen und Bersten
das Keimen und Knospen

Abgesagt
die Hochzeit
Nicht abgesagt
die Liebe

Abgesagt
die Abdankung
Nicht abgesagt
die Auferstehung

Jacqueline Keune, Luzern (CH), 26.3.2020, in: https://www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/corona-litanei

LIED: „Die ganze Welt, Herr Jesus Christ“ EG 110

1) Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,
Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist.            (Urständ = Auferstehung)
Halleluja, Halleluja.

2) Das himmlisch Heer im Himmel singt,
Halleluja, Halleluja,
die Christenheit auf Erden klingt.
Halleluja, Halleluja.

3) Jetzt grünet, was nur grünen kann,
Halleluja, Halleluja,
die Bäum zu blühen fangen an.
Halleluja, Halleluja.

4) Es singen jetzt die Vögel all,
Halleluja, Halleluja,
jetzt singt und klingt die Nachtigall.
Halleluja, Halleluja.

5) Der Sonnenschein jetzt kommt herein,
Halleluja, Halleluja,
und gibt der Welt ein neuen Schein.
Halleluja, Halleluja.

6) Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,
Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist.
Halleluja, Halleluja.

Text: Friedrich Spee von Langenfeld (1623) Melodie: Köln (1623)

Eine der vorgeschlagenen Lesungen für den Gottesdienst am Sonntag Jubilate ist der Beginn der Bibel: „Am Anfang …“. Im 1. Buch Mose wird in den ersten beiden Kapiteln die Erschaffung der Welt durch Gott erzählt (1. Mose 1.2,1-4a). Ich habe Ihnen einen Auszug aus diesem langen Gedicht ausgewählt. Es kommt vor: der erste, dritte, fünfte, sechste und siebte Tag. 

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (…)

Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist auf der Erde. Und es geschah so. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.
Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag. (…)

Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. Und Gott schuf große Seeungeheuer und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden.
Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. (…)

Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.
Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn;
und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.

Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie geschaffen wurden.

1. Mose 1.2,1-4a

Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde. Vom Großen und Ganzen. Und wie es wurde. Und wie es wird … und wird … und weiter wird …

Vielleicht mögen Sie sich ans Fenster stellen und rausschauen. Was sehen Sie? Sehen Sie den Mai? Oder vielleicht können Sie raus gehen auf den Balkon oder in den Garten? Riechen Sie es? Hören Sie es? Das Wachsen. Grünen. Blühen. Fruchtbar und sich mehren …

Ein Vorschlag: Sprechen Sie das Gedicht vom Anfang, von Himmel und Erde und wie Gott sie schuf, sprechen Sie es laut vor sich hin. Lesen Sie es hinein in das, was Sie sehen und hören und riechen … (Muss gar nicht laut sein, murmeln reicht. Aber hörbar für Ihre eigenen Ohren sollte es sein.)

Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde … und wie Gott alles begann. Ein Werkstück in sechs Teilstücken. Nein: sieben sind es. Denn die Krone der Schöpfung ist die Ruhe.

Und am Ende wird gefeiert! Luther sagt „Gott ruht“. Gott feiert am siebten Tag, so übersetzen Martin Buber und Franz Rosenzweig. Luther und Buber/Rosenzweig haben recht. In den Sabbat passt alles, was gut tut und was uns verbindet mit dem Großen und Ganzen. Sabbat nach sechs Tagen harter Arbeit ist Ruhe, Ausruhen, Betrachten – „… und siehe: es war sehr gut!“ -, die Gemeinschaft spüren und pflegen und feiern: die Verbundenheit mit den Liebsten. Mit allen Menschen. Mit allen Geschöpfen. Mit der ganzen Erde. Und dem Himmel. Mit Gott.

Vielleicht ist Ihnen nicht zum Feiern zu Mute. Alles, was da wimmelt und sich vermehrt. … ein jedes nach seiner Art. Immer wieder diese Worte: Ein jedes nach seiner Art. Von Meeresungeheuern ist da die Rede. Das war bestimmt nicht putzig und niedlich gemeint. Von Viren ist nicht die Rede. Aber die gehören auch dazu. Zum Leben und Weben. Wieder Buber: Alles Gerege, das sich regt auf Erden. Alles Gerege und Gevire gehört auch zum Großen und Ganzen. Sind auch Gottes Geschöpfe. Alles gut? Das sind heute nicht meine Worte dazu. Ich höre: Gott schaut sich alles an, ganz genau. Sieht – und sagt: „Es ist gut!“ Ich höre, dass Gott das sagt. Ich kann heute nicht einfach zustimmen. Ich lasse es mir sagen. Ich weiß im Moment nicht, wie weit mein Vertrauen in Gottes Wort trägt. Ich lasse es mir sagen … zusagen: „Es ist gut.“

Unsere Erde, in diesem Augenblick: blühend und fruchtbar. Und gleichzeitig: unsichtbar verheert und krank, von Kontaktsperre und Annäherungsverbot durchzogen. Die Zärtlichkeit Gottes hat keine Konkretion, können wir uns nur vorstellen, daran glauben, darauf vertrauen. Aber siehe den Anfang: wüst und leer und finster war die Erde. Und mitten darin war: der Geist Gottes. Nie war die Welt gottverlassen. Nie ist unsere Welt gottverlassen. Und es blüht … wächst … Das tut gut. Das ist gut. Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsre Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

LIED: „Gott gab uns Atem“ EG 432

Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

Text: Eckart Bücken (1982) / Melodie: Fritz Baltruweit (1982)

Seligpreisung

Selig, die mit den Augen des anderen sehen können
und seine Nöte mittragen,
denn sie werden Frieden schaffen.

Selig, die willig sind, den ersten Schritt zu tun,
denn sie werden mehr Offenheit finden
als sie für möglich halten.

Selig, die dem Nächsten zuhören können,
auch wenn er anderer Meinung ist,
denn sie werden Kompromisse fördern.

Selig, die Kranke, Alte und Behinderte besuchen,
denn sie werden niemals einsam sein.

Selig, die mit der Heiligung am Frühstückstisch beginnen,
denn sie werden Sinn im Alltag finden.

Selig, die ihre Vorurteile überwinden,
denn sie werden die Entfeindung erleben.

Selig, die auf ihr Prestige verzichten,
denn an Freunden wird es ihnen nicht mangeln.

Selig, die Niederlagen verkraften können,
denn sie werden Menschenbrücken bauen.

Selig, die zuerst mit sich selbst zu Gericht gehen,
bevor sie andere richten,
denn sie dürfen auf Gottes Segen hoffen.

Guido Hügen OSB, Frankfurter Seligpreisungen,
in: https://www.pfarrbriefservice.de/file/frankfurter-seligpreisungen

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen