Andacht

Liebe Leserinnen und Leser,

wo wohnt Gott? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Gruppe Jugendlicher. Zuerst wird eine Geschichte erzählt, „Geschwisterlich“ ist sie überschrieben:

Zwei Schwestern wohnten dicht beieinander. Die Jüngere war verheiratet und hatte Kinder, die Ältere war unverheiratet. Die beiden arbeiteten zusammen und bestellten gemeinsam ihr Feld. Zur Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleich große Stöße, für jede einen.

Als es Nacht wurde, konnte die Ältere keine Ruhe finden: Meine Schwester hat eine Familie, ich bin allein und ohne Kinder, sie braucht mehr Korn als ich. Also stand sie auf und wollte heimlich ein paar von ihren Garben zu denen ihrer Schwester legen.

Auch die Jüngere konnte nicht einschlafen. Meine Schwester ist allein und hat keine Kinder. Wer wird in ihren alten Tagen für sie sorgen? Und sie stand auf, um von ihren Garben ein paar zum Stoß der Älteren zu tragen.

Auf halbem Weg, mitten auf dem Feld, trafen sie einander. Da erkannte jede, wie gut es die andere mit ihr meinte. Sie ließen ihre Garben fallen und umarmten einander. Seither wird gesagt, dieser Ort ist heilig, hier wohnt Gott.

Wo wohnt Gott? Die Jugendlichen diskutieren miteinander. Sie hatten die Geschichte gehört, suchten nach einer eigenen Antwort und sagen: Da wohnt Gott, wo Menschen sich in den anderen hineinfinden, hineindenken und dann für ihn da sind. Da ist Gott. So wohnt er unter uns.

Dann spielen sie drei Szenen: Mütter und Väter, Großeltern, die sich mit großer Geduld auf ihre jugendlichen Kinder einstellen, die sie freigeben und gehen lassen und doch auch da sind, wann immer sie gebraucht werden. Eine Szene in der S-Bahn: Eine junge Mutter, die ihr Smartphone nicht aus den Augen lässt, dabei ihr kleines Kind im Wagen vergisst. Einer aus der Gruppe erzählt, er hätte all seine Courage zusammengenommen und die Frau angesprochen.

Ein Beispiel aus dem Schulalltag: Eine Mitschülerin, die den Mut hatte, sich gegen den größten Teil der Klasse vor eine andere zu stellen, sie zu schützen, vor den Beschimpfungen und den kleinen Stichen, die nicht aufhören wollten.

Da wohnt Gott, wo Menschen sich in den anderen hineinfinden, hineindenken und dann für ihn da sind. Da ist Gott. So wohnt er unter uns.

Grüße von Annette Schwer.