Benefizkonzert des Kammermusikensembles “Memorial” (Sankt Petersburg) – Für die Opfer des Stalinismus

am Sonnabend, dem 01.02.2014 um 17:00 Uhr
in der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Johannisthal
Sterndamm 94

Fedor Abaza- Klavier
Elizaveta Starceva- Bratsche
Diana Zaviryukha- Geige

spielen

W.A. Mozart                              Trio Es-dur, K.498
Tschaikowski                        Walzer-Scherzo  Klavier
Brahms                                 Trio op.40
J.S. Bach                                     Sonate für Geige Nr.2
Rachmaninoff                     Musikalischer Moment

Die aktuelle Lage der Bürgerrechtsorganisation Memorial St. Petersburg

Der seit dem Regierungsantritt Putins einsetzende, bald stärkere, bald schwächere Druck auf Memorial hat 2013 mit der Durchsetzung des sogenannten Agentengesetzes einen Höhepunkt erreicht. Danach müssen sich alle nichtstaatlichen Gesellschaften, die Geld vom Ausland erhalten, als ausländische Agenten registrieren lassen, sofern sie politisch tätig sind. (Was politisch ist, wird willkürlich bestimmt). Im Unterlassungsfall drohen harte Strafen, die bis zum Verbot gehen.

Nach zermürbenden Überprüfungen, der Ungewissheit danach und Verleumdungen im öffentlichen Fernsehen ist zur Zeit für Memorial St. Petersburg eine Atempause eingetreten. Das Büro bleibt weiter für die etwa 1.500 Mitglieder, Opfer der politischen Repression, geöffnet. drei Hauptamtliche Verantwortliche sorgen neben den Ehrenamtlichen für die soziale und seelische Betreuung der bedürftigen Mitglieder.

Mit einem telefonischen Netzwerk halten 110 Koordinatoren jeweils zu zehn bis 15 Mitgliedern Kontakt, hören zu, organisieren Hilfe und informieren über aktuelle Veranstaltungen. Im Büro finden Hilfesuchende Rat bei seelischen, medizinischen oder juristischen Problemen und in dringenden Fällen auch finanzielle Unterstützung. (Die Renten liegen oft unter dem Existenzminimum). Das sind z.B. Zuschüsse für Reparaturen, Rollstühle, Hörhilfen und Beerdigungen. Der größte Posten ist die Erstattung der Kosten für Medikamente.

Freiwillige der Aktion Sühnezeichen, die zu Memorial entsandt werden, leisten den Bedürftigsten in deren Wohnungen Hilfe: Oft ein menschlicher Gewinn für beide Seiten.

Der psychologischen Unterstützung dient die anspruchsvolle Kulturarbeit. Ehrenamtliche Mitglieder halten 2-3 mal wöchentlich Vorträge, auch mit Lichtbildern über Geschichte, Literatur, Kunstgeschichte und Aktuelles, es gibt Konzerte, Ausstellungen und Filmvorführungen, geselliges Teetrinken und Diskussionen. Wöchentliche Exkursionen führen zu kleineren wenig bekannten Museen, Herrenhäusern in Petersburg und dem Umland. Alles dies hilft, den schwierigen Alltag zu vergessen.

Die Benefizkonzerte des Kammermusikensembles Memorial tragen wesentlich zur Finanzierung dieser sozialen Arbeit bei.

M. Cram