Benefizkonzert des Kammermusikensembles „MEMORIAL“ (Sankt-Petersburg) für die Opfer des Stalinismus (2. Februar 2013)

am Sonnabend, dem 02.02.13 um 17.00 Uhr
in der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Johannisthal, Sterndamm 94

Natalia Polewaja – Geige
Deniza Akchurina – Cello
Fjodor Abasa – Klavier

spielen u.a. Werke von Bach, Mozart, Rachmaninow, Schostakowitsch, Murawlei, Ravel und Saint Saëns

Das Kammermusikensemble Memorial, gegründet 1990, setzt sich aus Studenten und Absolventen des Petersburger Konservatoriums zusammen. Es rekrutiert sich immer wieder neu unter den begabtesten Musikern. Dank ihres hohen musikalischen Anspruchs und ihrer jugendlichen Frische gewinnen sie die Zuhörer für sich. Dabei verzichten sie auf ihre Gage zu Gunsten der sozialen Arbeit von Memorial in St. Petersburg.

Memorial ist die größte, vielfach international ausgezeichnete Menschenrechts-organisation in Russland. Sie wurde von ehemaligen Gulaghäftlingen und Dissidenten 1987 gegründet, um die geschehenen Verbrechen ins öffentliche Bewusstsein zu bringen und neues Unrecht zu verhindern. So treten die aktiven Mitglieder von Memorial öfter unter Einsatz ihres Lebens gegen Menschen­rechtsverletzungen auf. Des Weiteren erstellen sie Archive und publizieren Zeitzeugenberichte, damit die Vergangenheit aufgearbeitet werden kann.

Der immer mehr nach dem Muster sowjetischer Machterhaltung agierende und ein heroisches Geschichtsbild propagierende Staat behindert sie dabei nach Kräften – mit Steuergesetzen, schikanösen Kontrollen und öffentlicher Diffamierung. Memorial muss mit aufwendigen Gerichtsverfahren dagegen vorgehen. So auch gegen den neuen Schachzug der Regierung, mit dem die vom Ausland unterstützten Menschenrechtsorganisationen als ausländische Agenten diskriminiert werden. Tatsächlich gibt es keine russischen Spender, da diese Nachteile befürchten müssen.

Memorial St. Petersburg, die Selbsthilfeorganisation ehemaliger Gulaghäftlinge und ihrer als Volksfeinde diskriminierten Kinder, leistet im Besonderen ihren Mitgliedern sozialen, materiellen und psychischen Beistand.

Ein Netz von 150 ehrenamtlichen Koordinatoren hält telefonischen Kontakt mit den zur Zeit 1.500 Mitgliedern, hält sie über Veranstaltungen auf dem Laufenden und organisiert im Notfall Hilfe. Im Memorialbüro erhalten die Mitglieder (die Durchschnittsrente beträgt umgerechnet 250 Euro) auf Rezept kostenlose Medi­kamente und finanzielle Unterstützung für Heilbehandlungen, Gehhilfen, Hörgeräte, dringende Reparaturen, Beerdigungen und anderes. Auf Grund der immer knappen Mittel entscheidet eine Kommission über die dringlichsten Anträge. Jeweils zwei deutsche Freiwillige der Aktion Sühnezeichen betreuen sehr gebrechliche Mitglieder in ihren Wohnungen.

Gefragt ist auch die kompetente juristische Beratung. Eine hilfreiche geistig seelische Unterstützung stellt die anspruchsvolle Kulturarbeit dar. In den bescheidenen Räumen des Memorialbüros werden – zum großen Teil  von Mitgliedern –  Vorträge über Kunst, Literatur und Geschichte gehalten, Konzerte gegeben, Bastel- und Handarbeitskurse durchgeführt. Im Anschluss findet man sich zu Gesprächen zusammen, wie unter Freunden, die das unter sowjetischem Terror Erlebte verbindet. Memorial bietet so ein zweites Zuhause. Wöchentliche Exkursionen und kostenlose Theater- und Konzertbesuche helfen des Weiteren den schweren Alltag zu verdrängen. In der Bibliothek können sich die Leser über die neueste Literatur informieren und sie ausleihen. Die engagierten aktiven Mitarbeiter arbeiten für sehr wenig Geld.

Finanziert wird Memorial durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, Memorial Deutschland, die Mitgliedsbeiträge und nicht zuletzt durch die Spendeneinnahmen in den Konzerten des Kammermusikensembles Memorial.