Archiv der Kategorie: Andacht

Gedanken zum Weihnachtsfest

Es weihnachtet sehr um unsere Wohnungen herum,
bis in sonst dunkle Ecken von Baumschulenweg und Johannisthal hinein.
Ein frommer Wunsch?
Ich halt für möglich, dass wir doch durch Nacht-Zeit
geweiht da herauskommen,
möchte das Heiligende entdecken hinter den Geschäften mit Weihnachten,
hinter den Abschlüssen des Jahres, hinter den Plänen zu besuchen, zu erholen,
wo Nächte zu geweihten Nächten werden.
Wir machen es uns schön
und gemütlich und lassen es uns gut gehen – mehr noch – ahnen wir:
Was unsere Nächte endlich doch heilsam werden lässt,
das wird uns geschenkt, da steht EINER für uns ein,
der leuchtet wie ein Stern über unseren Häusern, über unseren Ländern,
dieser eine Stern fällt in unsere Seele,
das Gotteskind kommt zur Welt.
Diese Weihe müssen wir uns nicht selber geben.
Diese Pause gibt uns DIESER EINE über allem.
Lässt uns tief aufatmen, gibt die Ruhe zur Nacht.
Heilt uns für die neuen Tage und was auf uns wartet. –
Ach, dass wir ihn kommen lassen,
wie er uns vom Himmel fällt!
Dazu klinken wir uns aus aus unserer Arbeitszeit, lassen in unsere Familien- oder Freizeit herein kommen die besondere Zeit für Gottes Geburt
zur Weih-nacht.
… gehen an den anderen Ort in unserem Kiez, die Kirche.
Auf dass wir auch bei uns entdecken:
Allem Müll und allem Furchtbaren zum Trotz –
Gott zupft menschliche Saiten in uns an.
So gehen wir
von Gott gewürdigt
ins Neue Jahr.
Noch dann, wenn die Weihnachtsbäume schon am Straßenrand liegen,
leuchte Ihnen dieser heilsame Stern weiter –

das wünsche ich Ihnen

Ihr Reinhard Kähler

Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier und siehe,
wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.

Paul Gerhardt

Gedanken zum Monatsspruch – Februar 2015

Paulus schrieb:
„Ich schäme mich des Evangeliums nicht. Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt.“ (Brief an die Gemeinde in Rom 1, 16)

PaulusWir leben in einer Gesellschaft, in der es „jedem seine“ persönliche Sache ist, was er glaubt und hofft. Das gehört zur geschützten Privatsphäre.

Wer in Familie lebt, muss das mit seiner Familie klären, ob das Leben in einem bestimmten religiösen Glauben da Gestalt bekommt, und wenn ja: Welchen Raum das da bekommt: Beten, singen, Bilder im Flur, zum Gottesdienst gehen …

Wie oft fühlen Sie sich als Christ in Baumschulenweg oder in Johannisthal herausgefordert, öffentlich zu machen, was Sie glauben? –

  • Vielleicht, wenn Kinder zum Religionsunterricht oder zum Kiki-Treff gehen: Dann ist die Frage, ob das den Mitschülern egal ist. Ich habe nicht gehört, dass sich da welche an den Schulen in unserem Kiez lustig drüber machen.
  • Oder wenn jemand im Krankenhaus nach einem Seelsorger fragt:
    Ist das peinlich gegenüber den Zimmernachbarn?

Gott sei Dank ist das Verständnis der Mehrheitsgesellschaft: Das sollte gegenseitig respektiert werden.
Aber wie ist es mit dem, was wir glauben und was wir von „dem Evangelium“ verstehen?
Was heißt „sich nicht des Evangeliums zu schämen“ – positiv formuliert: Zum Evangelium zu stehen? –

Da glauben Christen-Menschen: Gott entfaltet seine Kraft unter uns durch den Menschen Jesus Christus. Das ist das Evangelium, zu Deutsch: Die gute Botschaft. Da hören wir: „Ihr Menschen habt euch letztlich vor Gott zu verantworten. Aber zuerst hört mal: Ihr seid für Gott von Anfang an liebenswürdig; mit seinem gütigen Blick schaut er auf euer ganzes Leben“. Wirksame Botschaft wird diese gute Botschaft bei denen, die dem trauen. Ja, wer darauf vertraut, lebt aus diesem Vertrauen.
Ist es aber nicht naiv, darauf zu vertrauen und darauf zu setzen?

Muss man nicht auf die starken Pferde setzen und vor allem auf Kapital – darauf, wieviel Geld eingesetzt wird?

Wen bestimmt da die Geschichte von Jesus Christus? –
Okay, Sie und ich finden da wohl eine starke Geschichte von Liebe und Einsatz. Aber – was bewegt Sie?

Wer wagt, gleichwohl dabei zu bleiben: Zu hoffen und darauf zu setzen, Gott rette gerade durch diese schwache Geschichte seine Menschenwelt?
Wirkt das nicht peinlich bescheiden? Uninteressant im Vergleich zu den Sendungen, die hohe Einschaltquoten haben; uncool im Vergleich zu dem, was man alles mit einem Smartphone kommunizieren und machen kann?

Wer glaubt dennoch daran: Gott fängt einfach so menschlich mit uns an? Wer von uns setzt weiter darauf?

Ich wünsche uns: Doch einige gute Erfahrungen, wenn wir Gottes guter Botschaft trauen.

Reinhard Kähler

Gedanken zum Monatsspruch – Januar 2015

Das Fest hat seine Zeit.
Die Vorbereitungen brauchen ihre Zeit. Das Aufräumen danach braucht seine Zeit.
Das Fest hat seine Zeit.
Das Fest der Weihnacht kommt, weil uns noch etwas geweiht ist. Die Christgeburt verspricht:
Was ihr alle Tage schafft, oder nicht mehr schafft, oder noch nie geschafft habt, – das ist nicht alles; was in der Küche bereitet und bereinigt wird, was in der Küche besprochen und gebrochen wird, – das ist nicht alles. –
Gott „ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm und in dem Himmel mache reich“.
Das ist die Zeit, „da vor Freud alle Engel singen“.
Und wir? Lassen wir das Christkind bei uns geboren werden? Können wir „Herz und Sinnen zu ihm kehren“?
Werden wir froh daran?
Es wäre schon schön. Wieder einmal.
Freilich: Ungebrochene Freude, die mag im Himmel sein. Wo wir jetzt so leben, da kommt gerade bei diesem Fest dazu: wir denken an die, die nicht mit am Tisch sitzen, mit denen wir gern auch zum Fest zusammen wären; wir denken vielleicht daran, wie es früher war zum Fest.
„Dunkel muss nicht kommen drein“. Wünschen wir.

Und was kommt?
In welchem Licht sehen wir dem entgegen?
Für uns? Für unsere Angehörigen?
Na ja, Weihnachten ist ja was für unsere ganze Lebenswelt.
„Welt ging verloren, Christ ist geboren“.
Die schöne Welt, in der Lieder gesungen werden.
Die schöne Welt, in der Blumen aufblühen.
Die schöne Welt, die so viele zu reisen lockt.
… aber ging verloren, dass alle von Milch und Korn gerecht miteinander teilen.
… ging verloren, dass alle friedlich beieinander wohnen.
… blieb eine Welt, in der Reichtum Weniger schuld ist am Hunger Vieler: Der Wohlstand des besser gestellten Teils treibt ganze Länder in die Dürre und setzt  Küsten unter Wasser, Wachstumsprogramme nehmen auf Bedürftige keine Rücksicht.
Was auch immer ich davon verstehe – da kann ich nur noch hoffen und flehen.
Und ich höre Gott sagen:

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören
Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
1.Mose 8, 22

Gottes Wunsch.
Trotz des Raubbaus an Land und Energie, trotz der Müllschwemme und obwohl unsere Generation schon auf Pump bei kommenden Generationen lebt:
Wenn‘s nach Gott geht, soll auch in kommenden Zeiten weiter gehen, was Leben gibt.
Dass es sich lohnt zu säen und dass Zeit gelassen wird, bis geerntet wird.
Dass wir Frost und Hitze als anregende Wechsel erfahren und sie nicht unbegrenzt werden und Leben vernichten.
Dass auch die Erde ihre Zeit habe zu geben und auszuruhen.
Und ebenso wir: dass wir wechseln können zwischen Mühen und Ruhen, Acht-Geben und Ab-Geben an Gott.
Was unserem Leben auch in den kommenden Jahreszeiten gut tut, soll nach Gottes Willen sein.
So bedrohlich uns manches vor Augen steht: Gott resigniert nicht.

Lassen Sie uns das gerade da, wo wir sind, mitnehmen:

Wenn‘s nach Gott geht,
sollen für uns und unsere Nachfahren nicht aufhören
Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Gottes Wunsch für das neue Jahr.

Verbunden mit diesem Wunsch grüße ich Sie zum neuen Jahr

 Ihr Reinhard Kähler

Gedanken zum Monatsspruch – Dezember 2014

Es wird Advent.

Wir gehen auf ein Fest zu. Kalender zählen die Tage ab, bis es so weit ist.
In der Adventszeit laufen wir auf das Fest zu, zu dem wir besucht werden oder besuchen, … zu dem wir noch Geschenke suchen oder Geschenke erwarten.
Mancher beschenkt sich in der Zeit bis zum Fest schon mal – mit Gebäck und Gemütlichkeit, mit dem Besuch eines Weihnachtsmarktes oder eines Weihnachtskonzertes.
Die Prospekte aus dem Briefkasten versprechen Glück und Wonne … Preiswert, klar. Geh nur hinaus in die Kaufhäuser: Da glitzert und klingelt es schon.
Das Prospekt des Propheten Jesaja verspricht:

„Die Wüste und Einöde wird frohlocken,
und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.“

(Jesaja 35,1)

Dieses alte Versprechen – ist es nicht schon wirklich geworden? –

  • Ja, höre ich sagen: „Uns geht es gut, wir könn‘ nicht klagen.“ Man glaubt es kaum, wenn man noch mal Bilder sieht, wie es bis vor 25 Jahren in diesem Land aussah, – so grau! Das Leben ist bunt geworden. Wir jubeln, wie beim ersten Grenzübertritt, Gänsehaut. Wer da nicht mitgeht, ist selber schuld. Wer da noch unzufrieden redet, bleibt bei den Stachelgewächsen der Wüste und sieht nicht die Lilien.
  • Und noch einmal – „ja“ – höre ich andere sagen: Es ist ein Ros‘ entsprungen. „Ich hörte Mitte November den >Messias<; der ist ja gekommen.“ Dieses Kind, in der Weihnacht geboren, das vertreibt die Finsternis. Da steckt Gott dahinter. Ach, so kann unser Leben doch gut werden!

Advent.
Nicht so schnell.
Gott kommt vom Himmelszelt nicht allein zu mir. „O wohl dem Land, o wohl der Stadt …“ –

Wir genießen die Familie und die Freunde; die Kekse und den Kaffee, die Lichterfahrt und das Halleluja. Mehr ist uns versprochen noch. Blühende Landschaften. Mehr noch als wachsende Wirtschaft, mehr als gute Umsätze der Waren, mehr noch als eine gute medizinische Betreuung. –
Dieser Messias  – oh Wunder-Rat – kommt nicht mit Panzerfäusten, er kommt als Kind. Dieser Friede-Fürst stärkt Recht und Gerechtigkeit. – Ja, was gibt es nicht noch alles für Verhältnisse, in denen Menschen wie Sklaven arbeiten, in denen Menschen kein Recht bekommen, als Menschen gleich zu leben! – Gottes Mensch, der uns geboren wird, löst davon. Er spannt auch uns für Gerechtigkeit ein. Dass wir nicht wieder Wüsten und Einöden schaffen. Über Freiheit zu jubeln, ohne nach der Gerechtigkeit zu trachten, wäre nicht seins.

Er scheint wohl nicht wie der Scheinwerfer durchs Brandenburger Tor zum 9. November. Eher wie eine flackernde Kerze. Die leucht‘ wohl mitten in der Nacht, ja uns zu Lichtes Kindern macht. Das wünsche ich uns.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit,
Ihr Reinhard Kähler

Gedanken zum Monatsspruch – November 2014

Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht!
Helft den Unterdrückten!
Verschafft den Waisen Recht,
tretet ein für die Witwen.
Jesaja 1,17

Wer sind die „Waisen und Witwen“? Bei Jesaja gehören die Waisen und Witwen zu den schwächsten der Gesellschaft. Ohne Männer, ohne Eltern, häufig erwerbslos, aber auch schutz- und/ oder obdachlos war es leicht, sie um ihre Rechte zu bringen oder ihnen ihre Rechte gar zu versagen.

Und heute? Scheinen die Waisen und Witwen doch wohlversorgt und umfassend geschützt in ihrem rechtlichen Status zu sein. Müsste man heute, ca. 2700 Jahre nach der Abfassung des Textes, also vielmehr von Flüchtlingen und Obdachlosen reden? Denn den Waisen und Witwen sei bereits Gutes getan, sei bereits Recht verschafft?

Ich höre von Sebastian, der nicht mit zur Klassenfahrt kann, weil seine Halbwaisenrente dafür nicht ausreicht und von seiner Mutter, die sich weder darum noch um ihn kümmert, weil sie um ihren Mann trauert, der sich vor eine U-Bahn geworfen hat. Verlassen von der Welt, allein gelassen in Schmerz und Trauer. Abgespeist mit einer Halbwaisenrente bis zur Vollendung der schulischen Ausbildung; doch der Vater fehlt ein Leben lang. Sie, Jahre später, von der Seite schief angeschaut, weil sie als „Frau in den besten Jahren“ noch immer keinen neuen Mann für sich gefunden hat. Niemand sieht die Wunde, die immer noch an ihrer Seite klafft.

Ich höre von Isabella, die zu früh ihre Mutter verloren hat, weil die Operation am Herzen schief ging. Ihr Studium schafft sie nun nicht mehr in der vorgegebenen Regelstudienzeit, weil sie sich Zeit nimmt, zu trauern. Sich diese Zeit nehmen muss. Die Frau von der Studienberatung drängt sie: so kann das nicht weitergehen. Sie müsse doch an ihre Zukunft denken, ihr Studium durchziehen. Sie denkt an ihre Zukunft – das nächste, übernächste und alle Weihnachtsfeste ohne ihre Mutter. Sie denkt an ihre Zukunft – an ihre einstigen Kinder, die ihre Großmutter nicht kennenlernen werden.

Wird ihre Trauer akzeptiert? Wird ihr Verlust angemessen respektiert? Wird ihnen die Zeit und der Ort zugestanden, die es braucht, um den Schlag zu verarbeiten?

Ihr Recht behalten sie; finanziell ist für sie (ausreichend?) gesorgt. Ist das Gute schon getan?

Alina Erdem, Vikarin