Archiv der Kategorie: Berichte

Danke für Alles, Pfarrer Dr. Reinhard Kähler

– für das Verborgene und für das Sichtbare –

Die Kirche ist gut gefüllt an diesem Sonntag, dem 23. Juli. In den Bankreihen sitzen eng beieinander Familien, Alleinstehende, ältere und junge Menschen, Weggefährten. Sie sind gekommen, um Reinhard Kähler zu verabschieden, der nach 11 Jahren als Pfarrer in den Gemeinden Baumschulenweg und Johannisthal in den Ruhestand geht.

Der Gottesdienst beginnt wie üblich, Reinhard begrüßt und kündigt das erste Lied an, „Wecke Atem, locke Töne“. Es wird überhaupt viel gesungen werden in diesem Gottesdienst. Lieder, die in Gottesdiensten oder Wochenendfahrten über all die Jahre mit Reinhard immer wieder erklangen, „Geh aus mein Herz“, „Danke für jeden guten Morgen“, „Suchet zuerst Gottes Reich“. Und schnell wird klar, dies ist ein besonderer Gottesdienst. Auch weil die Predigt eine Weggefährtin von Reinhard hält, Dr. Hanna Kasparick. Sie arbeitete lange mit ihm am Predigerseminar zusammen. Ihre Predigt nimmt den Passus aus Matthäus 28 auf, wo es heißt: „Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Ein Kernsatz des Neuen Testaments – ein Leitgedanke, der die Jünger Jesu führen sollte und der heute die Christen auffordert, nicht zu ruhen, sondern in Bewegung zu bleiben, offen zu bleiben. Aber auch Zweifel zuzulassen. Sie gehören zum Glauben, sagt Hanna Kasparick. Denn auch sie halten ihn in Bewegung, mit Fragen und gesunder Skepsis. Ohne sie wäre es nicht möglich, Schein und Verblendungen aufzudecken.

Bewegung, Fragen, Hinterfragen, Zweifel, offen sein, neue Wege ausprobieren – all dies macht auch Reinhard Kähler aus und prägte seine Zeit in Baumschulenweg und Johannisthal. Er hat vieles bewegt, nach innen und nach außen, bilanziert H. Kasparick. In Glaubensgesprächen, thematischen Wochenendfahrten für Jung und Alt und Gesprächskreisen zog er die Menschen an und gewann im Laufe der Zeit neue Gemeindemitglieder hinzu. „Die Kirche war im Kiez wahrnehmbar“, bringt es H. Kasparick auf den Punkt. Einen großen Anteil daran hat auch Reinhards Frau Kristin, die mit Theateraufführungen und Chorangeboten auf die Kirche aufmerksam machte und aktiv mitwirkte. Auch ihr dankt Hanna Kasparick, nicht zuletzt im Namen der Gemeinden, ausdrücklich.

Natürlich lässt sich es Reinhard Kähler nicht nehmen, selbst ein paar Worte an die Gottesdienstbesucher zu richten. „Es war eine erfüllte Zeit“, beginnt er. Dankbar sei er für die vielen Begegnungen mit so unterschiedlichen Menschen in den letzten Jahren. Oft waren es intensive Gespräche, manchmal nur ein kurzer Wortwechsel auf der Straße. Aber jedes Zusammentreffen habe ihn reicher gemacht. Reinhard bittet aber auch um Nachsicht dort, wo er etwas schuldig geblieben ist.

Im Anschluss gibt Reinhard das Abendmahl aus. Die Gemeindeglieder stehen bis zur Eingangstür der Kirche, jeder möchte vom Pfarrer noch einmal das Sakrament empfangen. Manchen stehen Tränen in den Augen. Den Satz, den die Gemeinden danach aussprechen sollen, dass sie damit einverstanden sind, Reinhard Kähler aus dem aktiven Dienst der Kirche zu entlassen, dürfte deshalb einigen nicht leichtgefallen sein. Die Dankesbekundungen nach dem Gottesdienst kennen dann auch keine Grenzen. Bei einem kleinen Empfang verabschieden sich viele persönlich, überreichen kleine Geschenke, wechseln einige Worte. Wer möchte, kann seine Gedanken und Wünsche zu Papier bringen. Die Vorsitzenden der Gemeindekirchenräte, Michael Aust und Thomas Menn richten sich noch einmal persönlich an Reinhard Kähler ebenso wie Pfarrer Paulus Hecker. Es wird deutlich, die Zeit mit Reinhard, die Arbeit mit ihm war intensiv, freundschaftlich, aber auch fordernd.

Einen Dank an Reinhard kommt an diesem Sonntag aber nicht nur von kirchlicher Seite, nein, auch von weltlicher. Bezirksbürgermeister Oliver Igel hat es sich nicht nehmen lassen, persönlich zu erscheinen und Reinhard Kähler zu danken. Die Arbeit der Kirche im Bezirk sei wichtig. Weil es um die Arbeit mit Menschen geht und das konnte Pfarrer Kähler.

Was er nun vorhabe und ob man ihn wiedersehen werde, wird Reinhard Kähler oft an diesem Tag gefragt. Mit einem verschmitzten Lächeln antwortet der frischgebackene Ruheständler, erstens er wisse es noch nicht und zweitens er gebe keine Versprechungen ab…

So bleibt denn (vorerst) nur zu sagen, wie es Hanna Kasparick treffend formulierte: Danke Reinhard, für alles Verborgene und für alles Sichtbare!


Gummihuhngolftunier mit Jugendgottesdienst

Am Samstag den 9.9. fand das erste Gummmihuhngolftunier unseres Kirchenkreises in Johannisthal statt. Die neue Trendsportart, die inzwischen in vielen JGs in Deutschland gespielt wird, ist auch bei uns angekommen.

Beim Gummihuhngolf wird ein Gummihuhn mit Besenstielen durch einen Hindernisparcours aus HoolaHoopReifen, Seilen und Gartentonnen befördert.Trotz leichtem Regen hatten wir viel Spaß und nicht nur die Hühner (mit Namen wie Bruthilde und Eiborg) fanden es zum Quietschen schön.

Die Siegerehrung fand im Rahmen des Jugendgottesdienstes mit neuer Jugendband statt. Der erste Platz ging an das Team der Friedrichshagener JG mit ihrem Huhn “Martin McFly“ Herzlichen Glückwunsch!

Eure Anke Suckau

Was war denn im Jugendzentrum los? 5. WG-Woche der Jungen Gemeinde.

Wenn im Jugendzentrum schon morgens um sechs Uhr viele Leute sitzen und die Kirche voller Schlafsäcke ist, dann ist mal wieder WG-Woche.

Wie in jedem Jahr wohnten die alteingesessenen und die frischkonfirmierten JGler eine Woche während der Schulzeit zusammen im Jugendzentrum.

Wir kochten, diskutierten, beteten, spielten, lernten, tanzten, putzten, feierten gemeinsam Gottesdienste und haben uns in dieser Woche noch besser kennengelernt.

Wer zwischen 14 und 18 Jahren alt ist und Lust hat uns kennen zu lernen, ist herzlich eingeladen dienstags Abend vorbei zukommen.

 

Wir sind eine Gruppe von 15 bis 20 Jugendlichen, die sich immer dienstags (außer in den Ferien) von 19- 22 Uhr trifft.

KiKi- Fahrt 2017

Wie jedes Jahr fuhren wir zu Beginn der Ferien mit den Kindern aus unserer Region eine Woche auf Freizeit.

Doch in diesem Jahr war es etwas ganz Besonderes. Wir waren insgesamt 46 Kinder, sieben jugendliche Teamer und zwei Erwachsene und haben uns in Schönwalde-Glien im Schullandheim auf die Suche nach dem Geheimnis der Freundschaft zwischen David und Jonathan gemacht.

Freundschaft, das war die gesamten sechs Tage das zentrale Thema. Und nicht nur die morgendlichen thematischen Bibeleinheiten, sondern auch das nachmittägliche Bastel- und Spielprogramm schweißte uns eng zusammen. Auch das Wetter (2 Tage Dauerregen) und die räumliche Beengtheit der Unterkunft taten da unserer guten Laune keinen Abbruch.

Wir haben unser Geschick beim Bogenschießen und Speerwerfen getestet, wir haben T-Shirts designt und wir waren sogar einmal baden. Wir haben gesungen, am Lagerfeuer Stockbrot gegrillt, getanzt, eine Nachtwanderung gemacht und eine Schatzsuche und als Highlight sind wir sogar ein paar Runden geritten. Fussball, Volleyball und Rumtoben gehörten natürlich auch zum Tagesprogramm.

Nun bleiben uns die schönen Erinnerungen an diese tolle Woche und die Vorfreude auf die nächste KiKi- Fahrt. Die findet vom 08.- 13.07. 18 statt, wenn ihr sie euch schon mal vormerken wollt.

Mandy Endter
Gemeindepädagogin

Das Treffen mit einer Schönen vom Lande

Wenn Sie, lieber Leser,

ein Instrument spielen können und überdies noch jemanden wissen, der dies auch kann, dann wenden Sie sich doch als Duo (es dürfen natürlich auch noch mehr Mitspieler dabei sein) an Herrn Prietsch, und Sie werden wunderschöne Kirchen in Berlin und Brandenburg kennen lernen.


Denn Herr Prietsch reist in jedem Jahr mit einem wohlvorbereiteten Programm mit eigenen Gedichten und eben musikalischem Rahmen durch beide Länder. Unser Johannisthaler Flötenkreis war am 23. Juli diesen Jahres bereits das fünfte Mal mit ihm unterwegs. Wir hatten einen Ort vorgesehen, der im S-Bahnbereich liegen sollte, damit wir mit den „Öffentlichen“ anreisen können. Herr Prietsch hatte sich daraufhin in Strausberg kundig gemacht und eine Zusage für unseren gemeinsamen Auftritt in der dortigen St. Marienkirche erhalten.

Dass es dann doch nicht mit den „Öffentlichen“ dorthin ging, sondern mit drei Autos, lag an den umfangreichen Bauarbeiten bei S- und Straßenbahn.

Bei schönstem Sonnenschein ging es, vorbei an Feldern und Wiesen und durch herrliche Alleen, unserem Ziel entgegen. Und da standen wir dann vor einer der vielen Schönen vom Lande. Erstaunt waren wir, eine große frühgotische Feldsteinkirche vorzufinden. Erbaut ab ca. 1240 ist sie heute das älteste Gebäude in Strausberg. Innen wie außen ein Schmuckstück, beeindrucken besonders die wunderschönen Deckenmalereien.

Anfangs hatten wir dafür allerdings keinen Blick, mussten wir uns doch erst einmal im Kirchenschiff positionieren (Altartisch und großer Leuchter wurden umgestellt) und, nachdem wir unsere Plätze schließlich gefunden hatten, einspielen. In der Gemeinde gibt es ein reges musikalisches Leben. Im Sommer werden zweiwöchentlich sonntags Musiken mit hochkarätigen Akteuren angeboten.

Es wird sogar ein Eintrittsgeld erhoben (10 €). Da hatten wir schon ein mulmiges Gefühl, als Laienensemble den vielleicht hohen Ansprüchen der Zuhörer gerecht zu werden. Aber da mussten wir nun durch. Herr Prietsch las also wieder eine Auswahl seiner Gedichte, passend natürlich zur Sommerzeit, dazu eine Episode zum Schmunzeln und eine anrührende Kurzgeschichte über einen Hund, der ihn und seine Frau bei einer Wanderung begleitete und ebenso schnell wieder verschwand, wie er aufgetaucht war. Und wir – als musikalische Beigabe – steuerten Flötenmusik aus Renaissance, Barock, Klassik wie auch ein modernes Stück bei. Ein herzlicher Applaus und sogar der Ruf nach einer Zugabe machten uns bewusst, dass wir uns umsonst gesorgt hatten. Nach dem Konzert wird traditionsgemäß stets neben der Kirche gegrillt. Nun, da das Lampenfieber verflogen war, schmeckten die Würste doppelt gut. Wenn Sie, lieber Leser, nun leider kein Instrument beherrschen, aber trotzdem die Schönen vom Lande entdecken möchten, dann schauen Sie doch im nächsten Jahr wieder in den Gemeindebrief und erhalten vielleicht eine Anregung.

Für dieses Jahr empfiehlt Ihnen jedenfalls einen Besuch von St. Marien wie auch der hübschen Altstadt von Strausberg

Ihr Bernd Wulff

Gemeindefahrt nach Havelberg

Endlich war es wieder so weit. Am 31. Mai starteten Gemeindeglieder aus Baumschulenweg und Johannisthal zur erlebnisreichen Busfahrt in die wunderschöne Stadt Havelberg in der Prignitz. Zunächst etwas schleppend, später sehr zügig, fuhren wir in Richtung Staaken. Dabei ging es an den zerfallenen, unter Denkmalschutz stehenden Unterkünften des Olympischen Dorfes von 1936 vorbei , an Ribbeck mit der Erinnerung an Herrn von Ribbeck und seinem Birnbaum und an Stölln, dem Ort, an dem Otto Lilienthal 1896 bei einem Flugversuch abstürzte und an seinen Verletzungen starb. Piloten setzten mit einer IL62 1990 ihrem „Kollegen“ an der Absturzstelle ein bleibendes Denkmal. Herr Kähler erzählte uns von dem nahe gelegenen Naturschutzgebiet am Gülper See, ein Paradies für Vogelkundler. Das biologische Institut Potsdam hat dort eine Dauerbeobachtungsstelle.

Die wunderschöne Landschaft Brandenburgs mit ihren Alleen begleiteten uns bis nach Havelberg. Schon von weitem begrüßte uns der alles überragende Dom und weckte unser Interesse.

Auf dem Vorplatz des Domes begrüßten uns überraschenderweise zwei Herren der Geschichte; Zar Peter I und der Soldatenkönig Fr. Wilhelm I, ein Hinweis auf ein diplomatisches Treffen von 1716. In der Probstei am Dom verhandelten beide Monarchen mit anderen Bündnispartnern im Zusammenhang mit dem Nordischen Krieg. Gastgeschenke waren im Austausch die langen Kerls und das Bernsteinzimmer. Der Zar nutzte auch den Aufenthalt in Havelberg, um seine Schiffbaukenntnisse zu erweitern.

Vor dem Dom erhielten wir kurze Informationen über die Stadt. Havelberg besteht aus drei Teilen der Altstadt auf der Havelinsel, dem hoch gelegenen Domgebiet und den Berggemeinden. Die Altstadt ist durch drei Brücken mit dem umgebenen Land verbunden. In früheren Zeiten gehörte die Insel brandenburgischen Landesherren. Das Domgebiet und die Berggemeinden waren dem Bischof unterstellt. 1876 erfolgte die Vereinigung der Gebiete.

Schon ca. 980 wurden die Burg, ein Burgort und eine Kirche erwähnt. Später, ca. 1100, entstanden um den Dom Klostergebäude, Häuser für Handwerker und Menschen, die der Kirche dienten. Da Havelberg von der Havel umflossen ist, nutzten schon in vorigen Jahrhunderten die Menschen Schifffahrtswege für den Frachtverkehr. Es entstanden Werften, auch die Fischerei wurde zum ergiebigen Wirtschaftszweig. Mehr über die Stadt zu erfahren war aus zeitlichen Gründen nicht möglich.

Nun ging es in den Dom, ein würdiger Ort für eine kurze Andacht. Der Dom wurde von 1150 bis 1170 als romanische Basilika erbaut. Nach dem Brand von 1279 erhielt sie eine gotische Apsis. Auf den schönen langgezogenen Fenstern ist der Lebensweg Jesu bildhaft dargestellt. Im südlichen Teil wurde die Klosteranlage errichtet, die aus drei Flügeln mit Kreuzgängen besteht. Verschiedene Epochen haben ihre Handschrift hinterlassen. So gibt es einen Renaissance-Taufstein und eine barocke Kanzel. Bemerkenswert ist der Lettner mit zwei seitlichen Chorschranken, die den für die Geistlichen bestimmten Chorraum vom Gemeinderaum abtrennten. Noch heute gehören die Klosteranlagen zu den wenigen vollständig erhaltenen Anlagen des Mittelalters in Norddeutschland.

Nach einem schmackhaften Mittagessen erwartete uns der nächste Höhepunkt des Tages, eine Fahrt auf der Havel.

Auf dem Weg zur Anlegestelle konnten wir einen Blick in die Laurentiuskirche, eine gotische Hallenkirche, werfen. Sie ist trotz vieler Brände in der Stadt aus dem Mittelalter erhalten geblieben.

Auf dem Schiff erwartete uns ein gedeckter Kaffeetisch. Aber der Sonnenschein lockte uns bald auf das Deck, von dem aus wir die reiche Flora und Fauna am Ufer bewunderten, z.B. Fischadler, Graugänse, Störche, Roter und Schwarzer Milan, Flussseeschwalben, Graureiher….Weiden und Erlen säumten das Ufer.

Viel zu schnell verging die Zeit. Doch wir mussten zurück; denn es erwartete uns der Pfarrer der Dorfkirche in Berlitt, ein kleiner Ort in der Prignitz, bekannt bei Pilgern, die auf ihrem Weg dort Station machen. Schon im Mittelalter führte der Pilgerweg über Havelberg nach Bad Wilsnack. Von den Erlösen, die die Pilger entrichteten, wurde der schon erwähnte Lettner im Havelberger Dom gebaut. 170 Jahre florierte das Geschäft mit den Pilgern, die u.a. von Flandern, Tschechien, Sachsen, Polen und selbst aus Skandinavien kamen.

Die Dorfkirche ist eine 500 Jahre alte Feldsteinkirche. Zwischen 1690 und 1700 wurden Elemente des Barock eingefügt: das heute noch erhaltene Gestühl und der Kanzelaltar. Bei Sanierungsarbeiten 2002 wurden überraschenderweise unter den baufälligen Deckenbalken 12 kreisrunde Medaillons entdeckt und bis 2012 restauriert. Heute können wir das barocke Engelorchester dort oben als besonderen Schmuck dieser Kirche bewundern. Vielleicht musiziert das Orchester für den Christus, der in einem weiteren Medaillon unmittelbar über dem Altar dargestellt ist. Diese kleine Feldsteinkirche bildete einen würdigen Rahmen für die Verabschiedung von Herrn Klötzsch, unserem langjährigen Hausmeister in Baumschulenweg.


Erfüllt mit vielen schönen und interessanten Erlebnissen traten wir unsere Heimreise an. Unsere Freude über diesen Tag kam in den Liedern zum Ausdruck, die wir gemeinsam sangen.

Wir danken allen, die uns diesen schönen Tag bereiteten, insbesondere unserem Pfarrer Kähler, Herrn Michael Wesseli, Herrn Wilfried Bauer und dem Busfahrer Werner.

Margrit Rudolph und Ingrid Schultz

Bericht: Ein Wochenende in Güstrow (vom 10. – 12. Februar 2017)

Ich bin skeptisch: Eine Einladung im Gemeindebrief zu einem besinnlichen Wochenende in Güstrow und dazu das Thema: „Mein weitläufiger Glaube“. Mein Glaube, das ist doch sehr persönlich! Will ich überhaupt mit jemandem darüber reden!? Kann ich das, was ich glaube, wie ich glaube, im Glauben handle, rede, denke, meine Zweifel, Ängste, Fragen mit anderen besprechen, darüber diskutieren?

Aber Güstrow lockt, ich bin neugierig, weil ich diese relativ kleine Stadt mit ihren 28.000 Einwohnern im Landkreis Rostock noch nicht kenne und eigentlich nur weiß, dass es die Barlach-Stadt ist. Ein Grund mehr mitzufahren.

Ja, und dann bin ich überrascht. Ein frohes „Hallo“ beim Treffen auf dem Bahnsteig (einige Gesichter kenne ich ja schon) nimmt die Fremdheit hinweg und schließt „Neue“ gleich in die Gemeinschaft ein. Das Haus der Kirche in Güstrow sorgt mit seinen warmen, hellen und sauberen Räumen sowie gutem Essen für Wohlfühlatmosphäre.

Vom ersten Beisammensein bis zum Schluss schafft es Pfarrer Dr. Kähler mit bewundernswerter Methodenvielfalt und Feingefühl, unser eigenes Leben, unseren Glauben, wie er uns geprägt hat und wo wir jetzt stehen, in den Blick zu nehmen. Mit Spielen, Bildbetrachtungen, Texten, Fragestellungen und Gesprächsrunden sind wir sofort beim Thema. Wir werden unsere Fragen los, erfahren Neues und Wissenswertes, werden zum Nach- und Überdenken angeregt. Fröhlicher Gesang, Gebete und Andachten begleiten uns.

Wie schön, dass wir auch Zeit haben, diese hübsche Kleinstadt zu erkunden. Dom, Schloss, Markt, Marktkirche – alles fußläufig zu erreichen – ganz ungewohnt, aber angenehm für uns Großstädter.

In der Gertrudenkapelle bleiben wir bewundernd vor Ernst Barlachs Holz- und Bronzeplastiken stehen.

Aber die große Erkenntnis kommt für mich erst danach, als wir in unserer Runde über einige seiner Kunstwerke sprechen. Wir betrachten sie genauer und mit dem Hintergrund seines Lebens, Glaubens und Wirkens ergeben sich viele Deutungen. Wir sind erstaunt, was uns diese Kunstwerke jetzt alles erzählen, was sie uns spüren und empfinden lassen.

Dass der berühmte „Schwebende Engel“ Barlachs (mit seiner traurigen Geschichte) im Gottesdienst über uns im Dom schwebt, ist der krönende Abschluss unseres Wochenendes. Ich wünsche mir, dass er Sinnbild dafür ist, dass der Segen Gottes uns hier auf der Erde erreicht und unser Glaube ein sicheres Fundament für unser Leben bleibt.

Ein Wochenende, das in mir nachklingt – was will ich mehr? Danke allen, die es möglich machten!

Elke Hirthe

Rückblick: Gemeindefahrt nach Lindow/Mark und Rheinsberg

160607_01Nach langer Vorfreude und großer Nachfrage starteten wir am 7. Juni bei strahlendem Sonnenschein gegen acht Uhr in Baumschulenweg. Auf der Stadtautobahn war viel Betrieb; es ging manchmal nur im Schneckentempo voran. Erst als wir das Land Brandenburg erreichten, verlief die Fahrt zügiger. Herr Pfarrer Kähler informierte uns unterwegs über vieles, was es auf der Strecke zu sehen gab. Er verband dabei historische Daten mit Schilderungen der Landschaft, der Dörfer und Kirchen. Eine Reise quasi auf den Spuren Fontanes.

Gegen zehn Uhr erreichten wir unser erstes Ziel Lindow, wo Herr Pfarrer Kähler aufgewachsen ist. Zunächst besuchten wir die anheimelnde Barockkirche (1751 erbaut).

160607_02Als wir in diese Kirche hinein gingen, standen wir gleich vor dem Altar. Das ist eine Besonderheit dieser Kirche: Sie ist gebaut als quer stehendes Rechteck. Die Lindower wollten: Die Gemeinde solle sich um Gottes Wort versammeln und nicht wie in den meisten Kirchen, die wir kennen, auf den Thron Gottes zugehen. Rechts und links die Bankreihen und in der Mitte der Altar.

160607_03Über dem Altar die Kanzel mit einem massigen Kanzelkorb. Platz ist auch auf den Emporen: auf drei Seiten zwei übereinander. Alle mit Goldstreifen. Im Stile eines großen Opernhauses. Wir sangen einige Lieder, die freundlicherweise von Frau Ingrid Schultz auf der Querflöte begleitet wurden, und lasen aus Psalm 16. Anschließend ging es zum Gelände des ehemaligen Klosters in Lindow. Um 1200 schenkte Albrecht der Bär, den Grafen von Lindow-Ruppin viel Land. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte die Gründung eines ZisterzienserNonnenklosters am Wutz-See mit Namen Lindow. 35 Nonnen lebten hier.

Um das Kloster herum entstand der Ort Lindow; Handwerker aller Gewerke und Bauern siedelten sich an. 30 Dörfer, neun Wassermühlen und viele Seen gehörten zum Kloster. 1542 fand hier die Reformation statt. 1638 wurde das Kloster im 30-jährigen Krieg niedergebrannt. Mit den verbliebenen Gebäuden wurde ein Evangelisches Stift für adlige unversorgte Damen weiter geführt.

Wir besichtigten das Klostergelände. Dazu gehört der alte Friedhof mit einigen neuen Gräbern. Die adligen Stiftsdamen haben hoch aufgemauerte Grabstätten, die mit dicken Platten abgedeckt sind, auf denen die Namen und Inschriften stehen. Es besteht eine gewisse Rangordnung, denn die Bediensteten und Gäste des Klosters stehen an anderen Stellen und haben Steinkreuze.

Allmählich mussten wir ans Mittagessen denken. Dazu fuhren wir zur Ausflugsgaststätte „Gutenmorgen“, die am Rand von  Dorf Zechlin liegt. Wir wurden freundlich empfangen und bekamen unser Wahlgericht nach kurzer Zeit serviert. Gut gesättigt fuhren wir zum Rheinsberger Schlosspark. Hier erwartete uns Hans-Norbert Gast, der uns durch einen Teil der gepflegten Park- und Gartenanlagen führte. Dabei schien die Sonne. Uns beeindruckten die herrlichen Sichtachsen …

160607_04Das Schloss ist eindrucksvoll restauriert worden. Mit einem Blick über den Grienerick-See auf den in der Ferne stehenden Obelisken verabschiedeten wir uns vom Schloss.

In einem netten Restaurant verzehrten wir köstlichen Obst-Streuselkuchen und krönten mit dem Besuch der St. Laurentius-Kirche unsere Fahrt.

Zur großen Überraschung fanden wir hier unseren Schlossparkführer Hans-Norbert Gast als „Leierkasten-Hans“ verkleidet vor, der uns auf der Drehorgel einige Musikstücke und Lieder spielte. Außerdem gab es Informationen zur Baugeschichte und Inneneinrichtung der Kirche.

160607_05Von hier gingen wir mit Gebet und Segen zum Bus. Sehr zufrieden mit dem Verlauf des Tages fuhren wir nach Hause. Wir bedanken uns sehr bei den Organisatoren Herrn Pfarrer Dr. Kähler und Dr. Bauer, und hoffen auf ein neues schönes Erlebnis im nächsten Jahr.

Lieselotte Simmer Inge Werner

Literatur und Flötenmusik: Waren Sie schon einmal in Klein Glienicke?

Man kann schon von einer Tradition sprechen, wenn Herr Wolfgang Prietsch aus Baumschulenweg und der Flötenkreis aus Johannisthal unter dem Dirigat von Herrn Fehlandt in die nähere Umgebung von Berlin aufbrechen und mit LitFloetMusin Gemeinden auftreten. Diesmal machten wir uns am Pfingstmontag 2016 auf den Weg. Begonnen hatte alles mit einer ersten Veranstaltung in Johannisthal im April 2012. Diese kam gut an, und Herr Prietsch war so begeistert von dem guten Miteinander, dass er den Vorschlag machte, mit gleichartigen Programmen auf Reisen zu gehen.

1605_LitFloetSo waren wir seither jedes Jahr an einem anderen Ort – in der Reihenfolge Petkus, Motzen, Frankfurt/Oder. Die Organisation der Fahrten meistert stets souverän Herr Prietsch.

In diesem Jahr führte uns der Weg nach Klein Glienicke. Dort existiert eine wunderschöne Kapelle. Einst als Winterkirche durch den Schlossbaumeister Reinhold Persius erbaut und 1881 eingeweiht, war sie schon von Anfang an ein Ort der Musen.

Nach dem Mauerbau 1961 lag sie aber direkt an der Grenze zu Westberlin, und nach zwei erfolgreichen Fluchtversuchen durch einen Dachdecker und einen Orgelbauer wurden die dringend erforderlichen Instandhaltungsarbeiten an dem Gebäude auf Geheiß der DDR-Behörden eingestellt. Das Gebäude verfiel. Dank eines Fördervereins wurde nach der Wiedervereinigung für 2,5 Mio. DM die Kapelle wieder hergestellt.

Es ist ein echtes Kleinod geworden und durchaus einen Besuch wert, nicht zuletzt bei einer der vielen dort stattfindenden Veranstaltungen. Herr Prietsch trug wieder aus seinem reichen Fundus – der Jahreszeit entsprechend – eigene Frühlingsgedichte sowie kleine Geschichten, u.a. zu unserem Umgang mit der Umwelt, vor, der Flötenkreis bot Musik aus Renaissance- und Barockzeit. Freundlicher Applaus belohnte uns, und da der Erlös des Nachmittags der weiteren Pflege des Kirchleins dient, hoffen wir natürlich, dass ein erkleckliches Sümmchen eingekommen ist. Wohin uns Herr Prietsch im nächsten Jahr wohl führt, fragt sich an dieser Stelle

Bernd Wulff.

Reisebericht von Martin Fehlandt: Meine Zeit in Äthiopien

Vom Berliner Missionswerk bin ich angefragt worden, einen Lehrauftrag an der „Schule für Jazz und Medien“ der Mekane – Jesu – Kirche in Äthiopien, zusammen mit einer Kollegin aus Norddeutschland in Addis Abeba zu übernehmen. Nach reiflicher Überlegung (ich wusste nicht, was dort auf mich zukommt), nahm ich die Bitte an, wurde von der Gemeinde freigestellt und so als Lehrbeauftragter für Chorleitung dorthin entsandt.

Da die Hauptstadt ca. 2600 ü.M. liegt, war schon der Weg von meiner Wohnung zum Seminargelände ziemlich anstrengend. Es begann mit einer Chorprobe für die ersten drei Studienjahre. Das war zunächst sehr anstrengend, da die Studenten mit unserer Art zu musizieren, große Schwierigkeiten hatten. So müssen sie zunächst unser Notensystem lernen, auch lernen, danach zu singen. Welcher Text gehört zu welcher Stimme, wie werden verschiedene „Melodien“ zur 3-bzw. 4-Stimmigkeit… Die Studenten kommen von der arabischen Musik her, einer uns völlig fremden Musik. Genauso fremd ist denen unsere europäische Musik. Umso erstaunlicher, mit welcher Willensstärke, Begeisterung, Lernbereitschaft und Freude sie bei der Sache waren. So war das Schlusskonzert ein „Gänsehauterlebnis“. Solch eine Begeisterung und Power, mit der die relativ einfachen Stücke („Go down, Moses“, „Swing low“, „Irischer Segen“…) gesungen wurden, habe ich selten erlebt.

Die nächste Unterrichtseinheit war der Chorleitung gewidmet. Neun Studenten des fünften Studienjahres lernten, wie ein Chor angeleitet wird, mit Schlagtechnik, Einatmen, Dynamik, Tempowechsel usw. Auch hier erstaunlich, welche Entwicklung die Studenten nahmen. Als Abschluß mussten sie eine Prüfung ablegen, die dann in die Gesamtwertung des Examens einfliesst.

Addis Abeba ist keine schöne Stadt, groß, laut, dreckig, unübersichtlich. China investiert sehr viel in diese Stadt. So entstehen Hochhäuser, eine Hochbahn wird mitten durch bewohntes Gebiet gebaut, der meist die Armenviertel weichen müssen. Armut sieht man auf Schritt und Tritt. Und es werden immer mehr. Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Erde und nimmt jedes Jahr etwa 2-3 Millionen!!! Flüchtlinge auf. Um das Land herum sind überall Krisenherde: Eritrea, Somalia, Sudan… Was soll werden aus einem Land, dessen Bevölkerungswachstum explodiert, das aber durch Dürre und Hungersnot die Menschen nicht ernähren kann?

Noch drei Tage privater Urlaub: in Lalibela. Bekannt ist der Ort im Hochland durch seine ca. 1500 Jahre alten Felsenkirchen, die ähnlich Petra in Jordanien, per Hand in die Felsen geschlagen wurden. Da sich das heute keiner vorstellen kann, wie das jemals möglich war, ist man in Äthiopien der Meinung, das seien Engel gewesen. Keine Kirche ist nur Museum, jede Kirche „arbeitet“. Priester und Mönche überall. Auch Wanderprediger, wie in biblischen Zeiten. Eine völlig andere Welt, eine völlig andere Zeit! Begeisternd!

Es war eine anstrengende aber erfüllte Zeit, für die ich sehr dankbar bin!
Mit ganz herzlichen Grüßen, Martin Fehlandt

(C) Martin Fehland

(c) Martin Fehland