Archiv der Kategorie: Kirchenjahr

Gedanken zum Ewigkeitssonntag

1610_ewigkeitssonntag_1Ehepaar Prietsch stellte uns u.a. dieses Foto, das sie gemacht haben, zur Verfügung:

Eine Sonnenuhr an der Außenwand der gotischen Dorfkirche Groß Zicker auf der Rügischen Halbinsel Mönchgut zeigt nicht nur uns Lebenden ganz praktisch die Zeit, sie gemahnt auch an die Vergänglichkeit.

 

An einer hochstehenden Gruftanlage auf dem Friedhof der romanischen, oft unbekannten Wipertikirche am Rande Quedlinburgs hat ein später Verstorbener voller liebender Vorsorge und Vorempfindung mit dem zurückbleibenden Ehepartner folgende Tafel anbringen lassen:

1610_ewigkeitssonntag_2

1610_ewigkeitssonntag_3Beeindruckend fanden wir den auf einer alten, vom Zahn der Zeit schon angegriffenen Marmortafel angebrachten Spruch auf der Friedhofsmauer in Groß Bardau

„Totensonntag“ – Ewigkeitssonntag

totensonntag_2am 20. November
der Tag, an dem der Toten gedacht wird:

um 11:00 Uhr
Gottesdienst in der Kirche in Johannisthal
da gedenken wir namentlich der Verstorbenen,
beten für sie und zünden eine Kerze für sie an,

… um 14:00 Uhr 
Gedenken mit der Evangelischen Kirche
auf dem Friedhof Baumschulenweg vor dem Krematorium.

Es spielt der Bläserchor.

Wie leben wir mit denen, die zu uns gehören und gestorben sind?

Vielleicht gehen Sie an dem Tag auf den Friedhof –
zu dem Park, auf dem die Verstorbenen Frieden finden sollen?

Kommen Sie, dass wir an diesem Ort
Gott um Frieden für die Toten bitten.

Pfingsten

Warren Richardson gewann mit diesem Foto. Es zeigt einen Flüchtling mit einem Kind an der serbisch-ungarischen Grenze Foto: dpa

„Hoffnung auf ein neues Leben“ betitelte der Fotograf Warren Richardson dieses Foto.

Ein dunkles Bild. Viel schwarz.
Ein Nachtbild.
Ohne künstliche Aufhellung aufgenommen.
Wie nehmen wir es auf?
Wer übernimmt
das Menschenkind?
Wo es herkommt,
steht keine Wiege mehr,
fließt keine Milch mehr,
alles zerbombt
von entfremdeten Menschen hier.
Es zerreißt einem das Herz, daran zu denken.

Menschen nahmen das zarte Leben beherzt in die Hände,
trugen es durch alle Gefahren, Leidenswege,
reichen es durch den ausgerollten
Stacheldrahtzaun:
Rettet es
hindurch!
Die OSTER-HOFFNUNG leuchtet:
Es gehe mehr auf –
mehr als das fahle Mondlicht.
Gott lasse wieder Bäume blühen,
… lasst spüren
die Wohltaten dessen, der euch berufen hat,
von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.

„Totensonntag“ – Ewigkeitssonntag (am 22. November 2015)

der Tag, an dem der Toten gedacht wird:
am 22. November 2015

um 11:00 Uhr

Gottesdienst in der Kirche in Johannisthal

Da gedenken wir namentlich der Verstorbenen, beten für sie und zünden eine Kerze für sie an,

Totensonntag

… um 14:00 Uhr

Gedenken mit der Evangelischen Kirche auf dem Friedhof Baumschulenweg vor dem Krematorium.

Es spielt der Bläserchor.
Wie leben wir mit denen, die zu uns gehören und gestorben sind?

Vielleicht gehen Sie an dem Tag auf den Friedhof –
zu dem Park, auf dem die Verstorbenen Frieden finden sollen?
Kommen Sie, dass wir an diesem Ort
Gott um Frieden für die Toten bitten.

Ostern

Im Dunkel wartet ein Engel auf dich.
Und Trauernde trifft ein tröstendes Wort.
Einer sagt: Die Toten sind ausgeflogen,
ihre Höhlen bleiben für immer leer.

Über den Gräbern schimmert schon Hoffnung:
Gott hebt uns auf, wenn der Tod uns fällt.
Er ruft unsere Namen in neues Leben
und empfängt uns in einem Haus aus Licht.

(Tina Willms)

1504_Ostern1

… so etwa sah es kurz nach der Auferstehung aus.
Die Vögel wollten nicht schweigen.
Ihr Geschrei weckte die Berge.
Von jetzt an ist niemand mehr sicher vor göttlicher Gegenwart –
jedes Gesicht und jeder Fels kann sie tragen.

1504_Ostern2

Die Ostertage in den Kirchen Baumschulenweg und Johannisthal

Wir gehen den Lösungs-Weg Gottes nach –
jeder Gottesdienst hat seinen eigenen Charakter:

Gründonnerstag Abend

Wie Jesus mit seinen Freunden setzen wir uns im Gemeindesaal zusammen. Wir stärken uns für das, was bevorsteht.

Karfreitag

Ein Gottesdienst in Stille. In ganz alter Tradition an diesem Tag ohne Musikinstrument. Am Ende erlöschen die Kerzen, wird der Altar leer – lassen wir auf uns wirken.

Ostern zur Hahnenzeit

Feiern wir die Zeit, in der Gott die Sonne aufgehen lässt, die Finsternis weicht! Wir tauchen ein und lassen uns von dem neuen Licht mitnehmen.
Anschließend genießen wir zusammen das Osterfrühstück.
Wer mag, bringt etwas mit fürs Frühstück

Auf dem Friedhof

Mit dem Posaunenchor klingen die Osterlieder über die Gräber

Festgottesdienst

Der Tod ist leer, sinnlos. Wir feiern Gottes ABER: das begrenzte Leben hier von Gott geschätzt, bei Gott ewig in Liebe aufgenommen.

Ostermontag mit Chormusik

Ostern erklingt mehrstimmig

Baumschulenweger Turmspitzen

Wenn Sie die Türme der Baumschulenweger Kirche hochschauen, sehen Sie, was deren Hauben aufgesetzt ist: Kreuz und Hahn.
Hoch über unsern Blicken, beachte ich sie nur, wenn ich extra hochschaue.
Eigenartige Symbole. Zwiespältige Symbole.
Zwischen Himmel und Erde.
Was zeigen sie an? –

Das Kreuz
Zeichen, was uns miteinander und zwischen Gott und Menschen verbindet. –

Vielleicht haben viele von uns das Gefühl, gut mit der Welt vernetzt zu sein – durch die Arbeit, durch Film und Fernsehen oder eingeschaltet in das weltweite Netz. In anderer Hinsicht müssen wir auf uns und die Unsren achten, sonst wird alles zu viel.

Das Kreuz funkt uns die Frage:
Wie verbunden lebt ihr mit dem, der euch ins Leben rief und der am Ende euer Leben einsammeln will?
Der unser Leben will und unser Leben einbirgt: Wir rufen ihn „Gott“.
Der hat sich selbst auch mal mitten auf den Platz gestellt, wo es zwischen Menschen verquer und überkreuz läuft. Da wird Lebenskraft entzogen, da geißeln und verhöhnen sich Menschen, verraten oder verderben sich. Jesus Christus hat das alles auf sich gezogen. Und dann hat Gott gesagt:

„Ich will solche Lebensgifte alle von euch abziehen. Ich verurteile sie mit der Kreuzigung von Jesus: sie seien nichtig!“
Dafür steht das Kreuz.

Geh ich in die Baumschulenweger Kirche rein, sehe ich geradewegs auf ein Bild von Menschen, die am Kreuz hängen.
Wenn ich weiß, dass das Jesus trifft, dann sag ich mir: Ausgerechnet ihn! Warum gerade so einen liebevollen, liebenswürdigen Menschen? Was sind das für verrückte Menschen, die so was anrichten! – Und ich denke mir: der hat wirklich auch alles erlebt. Der kennt all den Kummer. Mehr noch: Was der abkriegt, das schreit doch nach Vergeltung! Aber der steckt das weg. Auch wenn er ächzt und schreit. Ja, es ist ein Schrei nach Gott: Versöhne du, womit wir Menschen uns nicht aussöhnen können.

Ja, das denk ich so, wenn ich ihn da gekreuzigt sehe.
Und dann seh ich das Kreuz ohne den Jesus dran.
Dann denk ich: Du hast‘s geschafft. Da war wohl Gott im Spiel. Ja, so glaub und hoffe ich: am Ende triumphieren nicht die Todesmächte, die Leben zerstören; am Ende kommt doch Gott und holt uns in sein Licht! – Und jetzt gehst Du in mir mit und in meiner Nachbarin. Und du sagst uns:

„Ich lebe in dir. Lebe damit. Am Ende holt dich doch Gott in seinen Himmel.“

Der Hahn
Vielleicht denken Sie an Hahnenkämpfe. An Männer, die auf einem Hühnerhof sich als Hahn im Korb aufführen, – stolz und bissig – rangeln.

Aus der Geschichte von Jesus kam ein anderer Hahn in die Kirchen: Da hat Jesus – seinen Tod vor Augen – einen seiner Freunde noch mal ins Gebet genommen. Der hatte geschworen, er werde für Jesus, den größten aller Propheten, zum Schwert greifen. Jesus sagte ruhig: lass sein; noch bevor der Hahn kräht, wirst du verraten haben, wofür ich mit Hingabe lebe; aber ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. So kam es: Petrus versuchte sich durchzuwurschteln und tat so, als habe er nichts mit diesem sanftmütigen hingebungsvollen Jesus zu tun. Hinterher schämte er sich: „jetzt habe ich mir alles verbaut“. Aber Jesus gab ihm eine neue Chance, nicht immer bestraft von dem alten Fehler. Wenn nun der Hahn krähte, dann weckt er zum Tag wie zu einem Geschenk.
Wenn unser Vertrauen zur Liebe Gottes wieder kommt, dann ist Ostern. Dann atmen wir auf. Weil wir glauben: Gott nagelt uns nicht darauf fest, wo wir versagten.
Aber seid wach, wie vom Hahn geweckt:
Nehmt wach wahr, wo ihr für jemanden was tun könnt, der euch braucht.
Nehmt wach wahr, was für einen Tag Gott euch mit dem Morgen schenkt.
Und wenn alles mit dem Tod hier zu Ende ist – Gott hält noch ein ganz anderes Morgen für uns bereit!
Der Hahn kündet den neuen Tag. Er kündet: es wird Licht, das Dunkel wird überwunden.
Auf dem Kirchturm steht der Hahn auch dafür: Jesus Christus kündet uns noch eine andere Zeit – gute Zeit von Gott.
Der Hahn dreht sich mit dem Wind. Seinen Kopf richtet er dem Wind entgegen. Der Hahn auf einer Kirche: In der Reformationszeit setzten Bauern ihren Unterdrückern einen roten Hahn aufs Dach, als Protest.

Wann ist dieses Jahr Ostern? Wie lange geht Ostern?

Wann ist dieses Jahr Ostern?
Ostern feiern wir jedes Jahr zu einem anderen Datum: Immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühjahrsbeginn.
Warum Ostern so eingetaktet ist? –
Frühjahr: Da bricht die Winterkruste auf, die Erde sprießt neu auf.
Vollmond: Der Mond wandert aus seiner Gegenstellung zur Sonne heraus.
Damit knüpft schon das Datum des Osterfestes an alte Bedeutungen an:

  • Am Anfang steht das Staunen, welche Kraft Gott in die Erde legte.
  • Die Christen knüpften an den jüdischen Festkreis an, den auch Jesus Christus beging: Danach gilt der Monat, in dem der Tag länger wird als die Nacht, als der Monat der Erlösung. In der Mitte dieses Monats (jeder Monat beginnt mit Neumond) wird gefeiert, dass Gott das Volk aus der Sklaverei befreit hat (Pessachfest). Zur Zeit dieses Festes wurde Jesus hingerichtet.

Am dritten Tag nach seiner Hinrichtung hat Gott den Gekreuzigten dem Leben wiedergebracht; das war an einem ersten Tag einer neuen Woche (in der jüdischen Kultur sollte im 7-Tage-Zyklus der 7. Tag dem Ausruhen gewidmet sein, genannt Sabbat). Wir nennen ihn Sonntag. So könnte jeder Sonntag daran erinnern, dass wir an einem Sonntag Ostern feiern.

Wie lange geht Ostern?

Hierzulande sind Karfreitag und Ostermontage staatlich geschützte Feiertage. Das zeigt: Ostern hat in christlicher Tradition eine außerordentlich große Bedeutung.
Wer sich an den Schulferien orientiert, hat vielleicht zwei Wochen Ostern im Gefühl.
Alte christliche Traditionen bieten an: Eure Gedanken können noch länger um das Osterfest kreisen. Ostern zog immer weitere Kreise; das hat sich so entwickelt:

a) Zeit auf Ostern zu

  • Begeht die Tage rund um den Tod von Jesus: den Donnerstagabend, an dem er ein letztes Mal mit den Seinen zusammen eine Mahlzeit hielt; den Freitag, an dem er gekreuzigt wurde; den Samstag, an dem er zu Grabe lag.
  • Haltet dafür eine ganze Woche inne (wie auch Juden sieben Tage lang Pessach feiern).
  • Es braucht 40 Tage, um sich zu besinnen: Was ist gar nicht nötig in unserem Leben? Wovon können wir uns lösen, wenn wir bedenken, worunter Jesus in dieser Menschenwelt gelitten hat? … damit wir davon endlich mal Abstand bekommen. Darum stellten sich Christen auf 40 Tage Fasten ein. Sofern die Idee dabei leitend ist, wie uns die Leiden von Jesus Christus zur Besinnung bringen, werden diese 40 Tage auch „Passionszeit“ genannt (sowohl vom lateinischen Wort für „leiden, dulden, ertragen“ her als auch in Anspielung auf das Pessach-Gedenken).

b) Zeit von Ostern her

  • Sieben Tage lang sollten wir intensiv – mit täglichem Gottesdienst – begehen, wie Jesus Christus in unser Leben hinein aufersteht. Dann sind wir am ersten Sonntag nach Ostern gleichsam wie neugeboren.
  • 40 Tage lang versuchen wir loszukommen von weniger hilfreichen Angewohnheiten. Nun aber können wir 40 Tage lang dessen eingedenk sein, dass sich Jesus Christus uns anbietet. Dann ist er auch wieder entzogen (Tag der „Himmelfahrt Christi“).
  • Sieben mal sieben Tage lassen wir Zeit, dass Ostern sich entfaltet. Dann feiern wir – Pfingsten -, welche Früchte das trägt.

Ein Gruß zur Osterzeit

Frohe Ostern,

das wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser. Gott sei Dank, gibt es Grund zu hoffen. Obwohl viel kaputt gemacht wird. Zu Ostern feiern wir den geheimnisvollen, aber schönen Grund zu hoffen.

Wie tief verankert Ostern ist – das feiern wir zusammen in den Gottesdiensten – rund um Ostern. – Sehn Sie sich die Zeiten an.

Es gibt viele Ideen, was wir in unserer Kirchengemeinde machen könnten. Wenn Sie mitmachen würden, geben Sie Zeichen. Was schon alles in den nächsten Wochen in unserer Gemeinde in Johannisthal im Angebot ist, das finden Sie in diesem Heft.

Herzliche Grüße

Ihr Reinhard Kähler, Pfarrer in der Gemeinde Johannisthal

Pfingsten

Erschein, du Heilger Geist, die Liebe Gottes selbst,
gibst Leben zum Geschenk, die große Gnade auch.
Und wenn es dunkel wird, wend ich zu Dir mich hin.
Denn du wirst mich geleiten allezeit.

Dir gebe ich zum Lob die schönsten Melodien.
Du bist die Herrlichkeit des Guten klarer Quell.
Die Hoffnung schenke mir, die Liebe, Glauben auch,
dass ich sie weitergebe allezeit.

Die Treue halt ich dir in Freude, Leid. und Not.
Verkünden will ich stets, dass du den Frieden bringst.
Dein Namen sei gelobt vom Morgen bis zur Nacht.
Die Liebe bleibt bestehen allezeit.

Aus “Singt Jubilate“ Nr. 28