Archiv der Kategorie: Zum Gedenken

Zum Gedenken

In den letzten Wochen sind vier langjährige und tatkräftige Mitglieder der Gemeinde
Johannisthal verstorben, die wesentlichen Einfluss auf das Gemeindeleben
hatten.

Reinhard Winkelmann

Musik und Gottesdienst – beides gehörte für Reinhard Winkelmann immer fest zusammen. Besonders den Sängerinnen und Sängern der Johannisthaler Chöre wird er in Erinnerung bleiben: als Mitsänger, Vertretungskantor und ausgewiesener Experte für Aussprache und Betonung, insbesondere der lateinischen Sprache in der Kirchenmusik. Er erwarb und pflegte diese Kenntnisse in den Gregorianischen Wochen der Kirchlichen Arbeit Alpirsbach, die er in den späten 1970iger und den 1980iger Jahren in der DDR maßgeblich prägte. Auch jüngere Chormitglieder werden ihn lebhaft in Erinnerung behalten: als witzigen und hintergründigen Geschichtenerzähler. Sein Beitrag gehörte neben dem Männerchor zu den heiß ersehnten Höhepunkten der Sommerfeste der Musikgruppen der Gemeinde Johannisthal. Reinhard Winkelmann starb am 12. Juli 2020 im Alter von 93 Jahren.

Jürgen Struckmeyer

Wo immer es etwas zu bauen oder reparieren gab, war er einsatzbereit. Als langjähriges Mitglied im GKR war er u.a. zuständig für das Baugeschehen. Auch gestaltete er mit seiner Spielgruppe viele Weihnachtsgottesdienste aktiv mit. Die Älteren von uns erinnern sich sicher noch an seine Aufführungen der Weihnachtsgeschichte, die er mit vielen jungen und alten Spielfreudigen engagiert einstudiert hat. Gartengestaltung – das war eine weitere Leidenschaft, und bei der Arbeit auf dem Johannisthaler Kirchengelände war er dabei, so lange es seine Krankheit zuließ. Er starb am 4. August 2020 im Alter von 76 Jahren.

Dr. Ulrich Scheidereiter

Er war von 2010 bis 2016 Mitglied im GKR und hat in dieser Funktion wesentlich den Umbau unseres Kirchsaales und der Nebenräume mit verantwortet. Manche Entscheidung hat er hinterfragt und gründlich durchdacht, um zur bestmöglichen Lösung zu kommen. Ganz besonders aber hatte es ihm die Musik angetan. Wer erinnert sich nicht an die großen Konzerte in unserem Kirchsaal mit seinem Orchester, der Cappella academica, dem Studentenorchester der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort hat er mit Leidenschaft Kontrabass gespielt. Auch viele Konzerte der Kantorei Johannisthal hat er am Kontrabass begleitet. Diese Liebe zur Musik brachte er auch bei der Organisation und Durchführung der Konzerte des Fördervereins der Gemeinde Johannisthal ein, dessen Mitglied er war. Dr. Scheidereiter verstarb am 1. September 2020 im Alter von 73 Jahren.

Christa Baukhage

Die Kirchengemeinde war ihre Familie. Das zeigte sich in den vielen Aktivitäten, die sie nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1984 in der Gemeinde übernommen hat. Jedem bekannt ist sie durch den Büchertisch. Frau Baukhage hatte die Gabe, Bücher „diagonal“ lesen zu können. So konnte sie für jeden Anlass die perfekte Buchempfehlung geben. Viele Jahre führte sie gewissenhaft das Gemeindebüro. Auch das Archiv legte Frau Baukhage an. Im Arbeitskreis Swasiland arbeitete sie einige Jahre intensiv mit. Eine Reise in das kleine Land im Süden Afrikas war ihre größte. Sie hielt im Anschluss beeindruckende Vorträge darüber. Ganz wichtig waren ihr auch die Jahre im Posaunenchor. Diese Stunden brachten viel Freude in ihr Leben und haben ihr durch manche Krise hindurch geholfen. Sie verstarb am 13. September 2020 im Alter von 79 Jahren.

Verabschiedung von Charlotte Haese, geb. Kühne

Viele Johannisthaler Gemeindeglieder kannten Sie gut!

Charlotte Haese, geb. Kühne.

Carla wurde sie von ihren Bekannten
genannt.

Als ich mit meiner Familie 1977 nach Johannisthal zog, war sie schon vier Jahre lang im Gemeindebüro tätig, also gut eingearbeitet, und das merkte man.

Im Gemeindebüro war mitunter reger Betrieb, weil damals nicht nur das Kirchgeld der Rentner, sondern auch die Kirchensteuer und Spenden ins Büro bar gebracht und quittiert wurden. Frau Haese führte die Gemeindekartei, trug dort die Daten der Gemeindeglieder ein, die sie in Gesprächen mit den Menschen erfuhr und natürlich auch die Amtshandlungen in die Kirchbücher. Sie kannte die Menschen und ihre Schicksale und hatte ein beneidenswertes Namensgedächtnis. Sie überprüfte die Finanzen einschließlich der Kollekten, verbuchte sie und leitete sie weiter.

Zu unserem damaligen Hausmeister Günther Lehmann hatte das Ehepaar Haese einen besonderen Kontakt.

In ihrem Geburtsort Magdeburg sang die junge Carla bald im Domchor mit, später in Berlin in der Heinersdorfer Kantorei und schließlich bei Frau Oettel in unserem Kirchenchor. Auch das Spielen ihrer (sehr kostbaren) Flöte bereitete ihr große Freude. Später sah ich dieses Instrument als Schmuckstück in ihrem Wohnzimmer hängen. Es dauerte seine Zeit, bis sie sich von ihm trennen konnte. Schließlich schenkte sie vor etlichen Jahren Herrn Fehlandt das gute Stück.

Die Büroarbeit machte ihr so viel Freude, dass sie diese Tätigkeit mit dem Eintritt in das Rentenalter nicht aufgab, sondern mehr als 20 Jahre lang noch ehrenamtlich weiterführte.

Zu ihrem 80. Geburtstag hatte ihr Herr Fehlandt einen Kanon komponiert mit den Noten, die ihren Namen ergaben: H A E eS E. Was hatte sie sich gefreut, als wir ihr den vorgesungen haben!

Nun ist sie im Alter von 85 Jahren verstorben und wurde am 8. November auf dem Domfriedhof in Berlin-Mitte beigesetzt. Herr Fehlandt spielte in der Friedhofshalle auf der Flöte die uns allen bekannte Melodie des Paul-Gerhard-Liedes (EG 361) – eine Erinnerung an das Psalmwort, das die Trauerfeier für ihren lieben Mann Eberhard Haese vor 27 Jahren bestimmte:

„Befiehl dem Herrn deine Wege und
hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen.“

Eberhard Iskraut

Günter Lehmann

23. Juli 1939 – 18. Mai 2014

Gott, du kennst, was ich alles begehre,
und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.
Psalm 38, 10

Wer in Johannisthal zur Evangelischen Kirche geht, kommt auf ein kleines Parkgelände und an das breite Haus mit Sälen, dem Gemeindezentrum. Ein lebendiger Dreh- und Angelpunkt in diesem Zentrum war in den letzten Jahrzehnten – Herr Lehmann.
Kaum einer der Älteren von uns kann sich erinnern, wie es war, als Herr Lehmann noch nicht da war.
Nun ist er kurz vor Vollendung seines 75. Lebensjahres gestorben. Und niemand, der ihn in unserer Gemeinde kennenlernte, kann sich vorstellen, wie es nun sein wird, wo er nicht mehr da ist.
Wie werden die Türen und Fenster aussehen, aus denen nicht mehr – Herr Lehmann mit seinen gütigen Augen schaut?
Was hat Günter Lehmann nicht alles in den Jahrzehnten in der Gemeinde mit-erlebt! Wach miterlebt und sich gemerkt. Konnte Geschichten dieser Kirchengemeinde erzählen wie kein anderer, die lebendige Gemeindechronik. Bis zuletzt war er aber auch immer bereit zuzuhören; und er fragte, wenn er etwas verstehen wollte.
Über 40 Jahre lang hat er mit seiner Tatkraft, mit seinem Verständnis für die Belange der Kirchengemeinde, mit seinen handwerklichen Fähigkeiten und seinem Einsatzwillen für diesen Ort des Kirchgemeinde-Geschehens gesorgt!
Die bewegliche Einrichtung so einer Kirchengemeinde – Günter Lehmann hat sie unermüdlich an ihre wechselnden Plätze bewegt: Stühle gestellt für Chor-proben, Tische gestellt für Feiern, die Liednummern angesteckt, den Altartisch gedeckt …
Und drumherum: … Laub geharkt, den Rasen gewässert und gemäht, Schnee gefegt, Kompost umgesetzt und vieles mehr: Unzählige Karren hat er für die Gemeinde geschoben!
Günter Lehmann war ein gutes Stück vom Leben an diesem Ort der Gemeinde. Wie er wohl auch selbst sich immer wieder erfreute, wenn Leben in unser Gemeindezentrum kam.

So seufzen wir vor Gott, wo uns dieser einzigartige Mensch, Günter Lehmann, fehlt.
Wir trösten uns dessen, dass wir Gott vertrauen: er wird ihn nun in sein ewiges Zuhause aufnehmen.

Für die Gemeinde

Dietlind Hinz Reinhard Kähler Martin Fehlandt

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