Gedanken zum Monatsspruch – Februar 2015

Paulus schrieb:
„Ich schäme mich des Evangeliums nicht. Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt.“ (Brief an die Gemeinde in Rom 1, 16)

PaulusWir leben in einer Gesellschaft, in der es „jedem seine“ persönliche Sache ist, was er glaubt und hofft. Das gehört zur geschützten Privatsphäre.

Wer in Familie lebt, muss das mit seiner Familie klären, ob das Leben in einem bestimmten religiösen Glauben da Gestalt bekommt, und wenn ja: Welchen Raum das da bekommt: Beten, singen, Bilder im Flur, zum Gottesdienst gehen …

Wie oft fühlen Sie sich als Christ in Baumschulenweg oder in Johannisthal herausgefordert, öffentlich zu machen, was Sie glauben? –

  • Vielleicht, wenn Kinder zum Religionsunterricht oder zum Kiki-Treff gehen: Dann ist die Frage, ob das den Mitschülern egal ist. Ich habe nicht gehört, dass sich da welche an den Schulen in unserem Kiez lustig drüber machen.
  • Oder wenn jemand im Krankenhaus nach einem Seelsorger fragt:
    Ist das peinlich gegenüber den Zimmernachbarn?

Gott sei Dank ist das Verständnis der Mehrheitsgesellschaft: Das sollte gegenseitig respektiert werden.
Aber wie ist es mit dem, was wir glauben und was wir von „dem Evangelium“ verstehen?
Was heißt „sich nicht des Evangeliums zu schämen“ – positiv formuliert: Zum Evangelium zu stehen? –

Da glauben Christen-Menschen: Gott entfaltet seine Kraft unter uns durch den Menschen Jesus Christus. Das ist das Evangelium, zu Deutsch: Die gute Botschaft. Da hören wir: „Ihr Menschen habt euch letztlich vor Gott zu verantworten. Aber zuerst hört mal: Ihr seid für Gott von Anfang an liebenswürdig; mit seinem gütigen Blick schaut er auf euer ganzes Leben“. Wirksame Botschaft wird diese gute Botschaft bei denen, die dem trauen. Ja, wer darauf vertraut, lebt aus diesem Vertrauen.
Ist es aber nicht naiv, darauf zu vertrauen und darauf zu setzen?

Muss man nicht auf die starken Pferde setzen und vor allem auf Kapital – darauf, wieviel Geld eingesetzt wird?

Wen bestimmt da die Geschichte von Jesus Christus? –
Okay, Sie und ich finden da wohl eine starke Geschichte von Liebe und Einsatz. Aber – was bewegt Sie?

Wer wagt, gleichwohl dabei zu bleiben: Zu hoffen und darauf zu setzen, Gott rette gerade durch diese schwache Geschichte seine Menschenwelt?
Wirkt das nicht peinlich bescheiden? Uninteressant im Vergleich zu den Sendungen, die hohe Einschaltquoten haben; uncool im Vergleich zu dem, was man alles mit einem Smartphone kommunizieren und machen kann?

Wer glaubt dennoch daran: Gott fängt einfach so menschlich mit uns an? Wer von uns setzt weiter darauf?

Ich wünsche uns: Doch einige gute Erfahrungen, wenn wir Gottes guter Botschaft trauen.

Reinhard Kähler