Gedanken zum Monatsspruch – Juni 2014

Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit,
Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung. (Galater 5, 22-23)

Als ich ein Kind war und der Streitereien viele, heftige, die aber letztlich harmlose waren, sagte ich zu mir selbst: das wird sich ändern. Wenn die anderen und ich erst groß sind, dann werden wir das auch regeln wie „Erwachsene“. Für mich als Kind der Inbegriff von Weisheit, Besonnenheit, ja von – um mit Paulus zu sprechen:

Geduld – wer sonst könnte Weihnachten so lang auf die Bescherung warten? -,
Freundlichkeit – Höflichkeit, „Bitte“ und „Danke“ hatten sie sich antrainiert -,
Güte – stets hilfsbereit einem hilflosen Kind gegenüber -,
Treue – denn das Gegenteil war mir als Kind einfach fremd -,
Rücksichtnahme – stets wurde die Mittagsruhe eingehalten – und
Selbstbeherrschung – wer sonst könnte an der Supermarktkasse an den Süßigkeiten vorbei gehen?

Als ich erwachsen wurde, stellte ich jedoch fest: das wird nicht besser. Die Streitereien wurden nicht weniger, sie wurden auch nicht weniger schlimm, dafür wohl nachtragender und tiefschürfender. Noch warte ich auf die Früchte des Geistes, wie sie der Apostel Paulus verheißt. Für mich seien sie eher ein „Katalog der Sehnsüchte“ zu nennen.

Aber – er nennt sie eben „Früchte“.

Geduld:

Wenn der Baum geboren wird, ist er nicht sofort groß.
Wenn er groß ist, blüht er nicht sofort.
Wenn er blüht, bringt er nicht sofort Früchte hervor.
Wenn er Früchte hervorbringt, sind sie nicht sofort reif.
Wenn sie reif sind, werden sie nicht sofort gegessen.

Und vielleicht, wenn wir es schaffen so viel Geduld aufzubringen diese Früchte reifen zu lassen, dann können wir – vielleicht – auch Liebe, Freude und Friede ernten. Die wohl größten und saftigsten und daher die ersten Früchte, die Paulus aufzählt.

Alina Erdim