Gedanken zum Monatsspruch – März 2014

Jesus Christus sagt: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

Evangelium nach Johannes (13, 35)

„Was habt ihr zu bieten?“ – das ist die Frage an jeden Verein.
„Wo habt ihr das her? Wo habt ihr das gelernt?“ – wen interessiert das? –
Oder doch: Wenn mir die Fischsuppe geschmeckt hat und ich sie gerne mal kochen möchte, frage ich nach dem Rezept; wenn mir die Geschichte gefiel, die vorgelesen wurde, frage ich „kann ich mir das Buch mal ausleihen?“ …
Was könnte derart interessant sein an uns? … an denen, die Jesus anspricht? –
Dazu heißt es im Johannesevangelium: Wenn ihr einander liebt, merken alle: „die sind ja göttlich!“
Na gut, sie sagen es selten so „die sind ja göttlich!“ Aber wenn ihr einander liebt, merken sie, wie Gott wirkt. So sagt das Johannesevangelium.
Ja, sagt da Jesus: „Wenn ich gegangen bin, bin ich euch entzogen, aber ihr verströmt meinen Geist, wenn ihr einander liebt.“
Wenn ihr einander liebt: Wie geht das? –
Zwei Vorbemerkungen:

  1. Wenn Johannes sagt, liebt einander, setzt er voraus: ihr wurdet geliebt; ihr habt gespürt, wie ihr geliebt wurdet.
  2. Es heißt, es werde uns geboten, wir sollen einander lieben. Dabei geht es darum: Lasst weiter fließen, dass ihr geliebt wurdet bzw. werdet. Deswegen versuche ich zu beschreiben, was es heißt, einander zu lieben, und nicht zu fordern.

Einander lieben: So nahe sind wir doch den wenigsten Menschen. Vielleicht Einigen in der Verwandtschaft und einigen Freunden. Aber unter Christen? Oder sonstigen Menschen? Lieben? Das ist doch etwas Intimes. –
Mit der Bibel denken wir einer Kultur nach, die zwischen Menschen Einzug hält. Wenn es davon heißt „sie lieben einander“, ist das natürlich noch mal etwas anderes als eine Partner-Liebe.
Was Liebe eigentlich ist? – Es heißt, dass Gott die Liebe ist.
„Die Liebe, die Liebe / Ist eine Himmelsmacht!“, singt die Nachtigall im „Zigeunerbaron“. Warum „Himmelsmacht“? Weil man, wenn man liebt, sich fühlt, als hätte Gott einen persönlich aus seiner Wolke heraus geküsst und gesagt: „Nun frag nicht, ob du das recht erarbeitet hast!“

Du musst auch nicht sicher sein, ob du lieben kannst. Gott ist vollkommen, unser Lieben findet schöne Momente, und weniger gelungene.
Liebe bewegt sich durch die Zeiten – mal Hefe voller Genuss, mal sehnlich vermisst.
Liebe widersteht allem, was der Tod will. Liebende geben die todbedrohten Geliebten nicht auf; beim Schmerz des Verlustes leiden sie.
In Liebe sind wir hellwach, uns mitzufreuen. In Liebe können wir uns alle misstrauische Wachsamkeit sparen.
Zu lieben ist anstrengend – nicht zu vergleichen mit dem Ausführen eines Hundes oder dem Genießen der bewegten Bilder auf dem Bildschirm. Aber wer liebt, hat den ganzen inneren Leib voller Leben.
Der geliebte Mensch ist nicht nur sein Heute, wenn die Liebe vielleicht gerade müde ist. Wir leben mit dem Gestern, als die Liebe groß war, und der Hoffnung auf das Morgen, da die Liebe wieder stark wird.

Reinhard Kähler