Gedanken zum Monatsspruch – Mai 2014

„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

Brief an die Galater 3, 28

Neulich war eine Gruppe unserer Gemeinde ein Wochenende zusammen. Da sagte einer: „Ich freue mich, wie verschieden wir sind. Das gibt anregende Diskussionen.“

Manchen ist es eher anstrengend als anregend, unter Leuten zu sein: „Wenn da ständig eine Frau redet, was ich gar nicht hören will, und eine andere nur mit >ja< oder >nein< antwortet; wenn einer über Musik redet, die ich nicht kenne, und ein anderer sich über Politiker aufregt, was ich ungerecht finde. – Ich weiß nicht, warum einer so oft sagt: „Das sehen wir hier alle so.“

Die ersten Christen waren sehr verschieden: Sie waren von unterschiedlichen Religionen geprägt und von unterschiedlichen Kulturen, kamen aus verschiedenen Völkern, waren arm oder reich, Freie oder Sklaven. Ja, sogar dass Frauen und Männer zusammenkamen, war ungewöhnlich. Für manche war diese Vielfalt außerordentlich interessant; andere stieß so manches ab, was sie erlebten. Viele überlegten schon: „Ach, es reicht doch, wenn ich den Glauben zwischen Gott und mir allein ausmache“; oder „wir könnten doch eine eigene Gemeinde aufmachen“.

Da schreibt Paulus:
Ihr seid verschieden, aber ihr seid auf denselben Menschen Gottes getauft, Christus Jesus.
Ihr seid eingetaucht in seinen Lebensstrom. Darin seid ihr Verschiedenen eins.
Auch wenn eure Kulturen unterschiedlich sind und ihr nicht in allem eines Sinnes seid und ihr euch nicht eins fühlt – seht es mal so: Von Jesus Christus her sind sie Menschen wie ihr.

Ändert das etwas? –
Es ist den Versuch wert. –
Paulus fordert mich und uns auf: Spürt hinter den Unterschieden Verbindungen auf, die dennoch vorhanden sind!

Paulus war gastfreundlich: Wer sich neu für die Kirche interessiert, soll die Chance haben zu verstehen, was dort gesprochen wird; und das Abendmahl soll so ablaufen, dass Gegensätze mal keine Rolle spielen. Eher, dass wir darauf hin gehen, bei Gott an einem Tisch zu sitzen.

Gehen wir da mit? –
Ältere brauchen was anderes als Kinder, Frauen manchmal was anderes als Männer, Ausländer brauchen zum Teil etwas anderes als Einheimische …. Es ist in Ordnung, wenn sie darauf achten, was sie besonders brauchen.
Zugleich sollten alle in den Anderen zuallererst Menschen sehen.
Selbst wenn sie anders als wir an Gott glauben: Sie sind ebenfalls Menschen. Das anzuerkennen gebietet uns gerade unser Glauben an Gott.
Wenn uns sonst nichts miteinander verbindet, aber Gott knüpft ein Netz?

Wer kann das so realisieren? –
Alle, die aus verschiedenen Völkern getauft sind, sind ausdrücklich mit Gott verbunden.
Und wenn dazu eine Gruppe gehört, die uns fremd ist:

  • Bringen wir, was wir an ihnen anstrengend finden, mal vor den gemeinsamen Herrn Jesus Christus!
  • Versuchen wir’s mal wieder so: „Wie die … sind, ist nicht meins, aber sie sollen es nicht weniger gut haben als wir. Weil doch Gott uns – auf seine Weise – miteinander verwandt gemacht hat.“

Dann werden wir uns immer noch mal zurückziehen dahin, wo wir uns heimisch und zuhause fühlen.

Vielleicht gelingt es uns durch diese Taufe eher, dass wir uns wieder öffnen:

Willkommen, ihr Fremden!
Uns ist gesagt, wir gehören in Gottes Geschichte zusammen.
Wenn wir da eingetaucht sind, dann …

Ich grüße Sie
Reinhard Kähler