Gedanken zum Monatsspruch – Oktober 2014

Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen.

Sirach 35, 10

Sie gehen einkaufen, gehen zum Arzt, machen sich Ihre Kartoffeln und Ihr Brot, genießen den Kaffee und den Kuchen, lassen sich die Fernsehsendung gefallen (auch wenn Sie sich an ein paar Stellen ärgern), wollen Ihre Ruhe, freuen sich am Ausflug, freuen sich auf den Besuch der alten Freunde.

Gut.

Was noch?

Sorgen: Kann ich mir den Ausflug leisten? Was kostet mich schon wieder diese Hilfe zu kaufen? Ich mache mir Gedanken wegen der Mieterhöhung. Wie soll ich mir mal einen Pflegeplatz leisten können?

Noch was?

Die Bronchitis macht zu schaffen. Bin froh, wenn ich wieder ohne Beschwerden laufen kann. Wenn man so sieht, wie woanders Kriege toben – Gott sei Dank, können wir jetzt mal hier in Frieden leben.

Gott sei Dank?

Ach, das war so eine Redensart.

Oder doch mehr?

Wir haben genug zu tun. Bei der Telecom anrufen, weil das Telefon nicht funktioniert; die Fettflecken wegwischen; die Wintersachen vorkramen; an den Geburtstag der Nichte denken; kochen und den Rest einfrieren, ausfrieren, Kuchen back ich nicht mehr; immer im Garten zu tun, aber den Garten geb‘ ich ab, das war meine Welt.

Keine Spur von Gott.

Oder hast du sie nur noch nicht bemerkt?

Ich höre weiter:

„Was sollte ich an Gott denken?

Die Welt ist, wie sie ist. Ich tue, was ich kann. Für Gott kann man sich nichts kaufen, egal.“

An Gott denken – in der Not passiert es schon mal.

Zu merken, dass wir Gott auch einiges zu ver-danken haben, das müssen wir wohl tatsächlich lernen.

Wer das nicht geübt ist, empfindet nicht spontan Dank gegenüber Gott.

Wer geübt ist zu merken, dass wir auch Gott einiges verdanken, bei dem spricht das „Gott sei Dank!“ aus der Seele.

Deswegen wohl dieser Satz aus Sirach für den Monat Oktober:

Das Buch Jesus Sirach umfasst Sammlungen von Erfahrungssätzen (wie das Buch der Sprüche in der Bibel).

Es steht vermutlich nicht in Ihrer Bibel, weil es erst nachgeordnet in eine Sammlung biblischer Bücher aufgenommen wurde.

Ungewöhnlich ist, dass die Redakteure des Sirach-Buches in ihre Sammlung der Lebensweisheiten einstreuen, dass sie sich leidenschaftlich dafür einsetzen, dass die gemeinschaftliche Verehrung Gottes gepflegt wird. Ihre Überzeugung: Es ist gut, wenn wir mehr im Leben machen, als was erfahrungsgemäß nützlich ist. Darüber hinaus geht eben: Gott zu zeigen, dass wir ihm dankbar sind. Gott zu respektieren. Selbst dann, wenn wir meinen, in unserem Alltag brauchen wir ihn nicht.

Haltet fest: es ist mehr, was uns Leben lässt!

Nennen wir es „Opfergabe“ zum Fest des Dankes für Gott oder anders – Hauptsache, wir denken dankbar an Gott und verleihen dem Ausdruck. So spielt Dank an Gott auch in unserem alltäglichen Leben weiter eine Melodie.

Reinhard Kähler