Gedanken zum Monatsspruch – September 2014

Was wäre das für ein Tag, an dem Sie das gerne hören:

Sei getrost und unverzagt,
fürchte dich nicht
und lass dich nicht erschrecken.

1. Chronik 22, 13

Paul Fleming sagte eines Tages im Dreißigjährigen Krieg:

Sei dennoch unverzagt, gib dennoch unverloren,
weich keinem Glücke nicht, steh‘ höher als der Neid,
vergnüge dich an dir und acht‘ es für kein Leid,
hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

Gerhard Wolf hat zur Beerdigung seiner geliebten Frau, Christa Wolf, sagen lassen – sich und anderen sagen lassen:

Sei dennoch unverzagt…

Sei getrost und unverzagt – vielleicht sind diese Worte gut für Lena, die in die Schule kommt. Und für Alex, der in eine neue Schule kommt, wo er niemanden in der Klasse kennt.
Sei getrost und unverzagt – vielleicht sind diese Worte gut für Herrn Riebold, der 69 Jahre gesund war, und nächste Woche zum ersten Mal in seinem Leben ins Krankenhaus muss.

Als ich Mitte August aus dem Urlaub kam, sagte mir eine Frau: „Mir geht es ganz gut. Nur, was in der Welt passiert, das ist so schrecklich, das macht mich richtig fertig. Wie können Menschen so aufeinander losgehen?“
So geht es mir auch. Ich bin entsetzt von all den schrecklichen Nachrichten aus der Ukraine, dem Irak, Syrien, Palästina, Israel, Libyen und und und. Zum Glück können wir uns hier vergnügen. Aber es beunruhigt mich, wie Menschen aufeinander losgehen und schießen.

Das Wort aus der Bibel für den Monat September gehört zu der Zusage, mit der König David seinem Sohn Salomo die Regierungsverantwortung überträgt. Er sagt ihm: „Sei stark und mutig.“ Da höre ich: Ziehe unerschrocken in den Kampf.
Wer wird da nicht – eingedenk der Erfahrungen mit Kriegen – hellhörig?

Vor einhundert Jahren, am 2. August 1914, zog Heinrich Lersch unerschrocken in den Kampf:

Laß mich gehn, Mutter, laß mich gehn!
All das Weinen kann uns nichts mehr nützen,
denn wir gehn das Vaterland zu schützen!
Laß mich gehn, Mutter, laß mich gehn.
Deinen letzten Gruß will ich vom Mund dir küssen:
Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen!

Wieviele Schrecken haben Lerschs Kameraden so verbreitet? Wieviele Menschen machte das untröstlich?
Erschreckend auch, wie sie Gott missverstanden.
David ermahnt seinen Sohn: Halte dich an die Gebote und Rechte, die Gott gebot; und: richtet euer Herz und euren Sinn darauf, Gott von Neuem zu suchen. –
Gott will nicht, dass wir Rache üben. Um altes Unrecht wissen: ja; aber darüber zu rechten, sollen wir getrost Gott überlassen. Wem gelingt das? Nicht Rache für alte Schuld nehmen wollen: das braucht offenbar Mut.
Sich schützen, ohne wieder andere zu bedrohen. Das ist im Sinne von Gott.
Nicht, dass wir uns nicht fürchten sollten, wenn wir bedroht werden. Aber wenn wir nur hart abwehren wollen, dann werden wir allzu schnell gebrochene, gespaltene Menschen.

Mit Schrecken sah ich in den letzten Jahren, wie atemberaubend schnell sich im ehemaligen Jugoslawien Nachbarn und Familien verfeindeten, dann in Syrien, und in der Ukraine – Menschen, die jahrelang gut zusammen gelebt hatten. – Was uns da das Fürchten lehrt und erschrickt, das warnt uns.

Mit Gottes Hilfe sollen nicht die Furcht und die gewaltige Abwehr über uns herrschen: Sei unverzagt und mutig, einem anderen das gleiche Lebensrecht einzuräumen.
Wenn wir darin Gottes Hilfe aufnehmen können, dann werden wir gestärkt und getrost.

Das droht heute leider bei selbstbezogenen Religionen und Völkern eher unterzugehen. Umso mehr wünsche ich uns: diese Botschaft kommt an.

Ich wünsche Ihnen, Sie können sich an vielen Tagen im September getrost freuen.

Es grüßt Sie
Reinhard Kähler