Mai 2013 – Gedanken zum Monatsspruch

Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner. Das wäre die Bankrotterklärung für eine Gesellschaft, wie Gott sie sich vorstellt.

Ja, Gott erwartet, dass wir Menschen so gut wir können füreinander einstehen.

Wenn jemand sagen müsste, er habe es nie erlebt, dass ein Mensch in Not half, wäre das doch eine niederschmetternde Bilanz.

Verantwortungsträger sollen diese Worte beherzigen, die in der Bibel stehen:

Dies sind die Worte Lemuels, des Königs von Massa, die ihn seine Mutter (!) lehrte: …

„Öffne deinen Mund
für die Stummen,
                  für die Rechtssache aller, die verlassen sind.“

Mach deinen Mund auf – setz dich ein, engagiere dich … für die Stummen und im Stich Gelassenen – für die, die nicht genug für sich selbst tun können, … für die Mittellosen, die keine Lobby haben: die brauchen es, dass andere ihre Sache einbringen.

Da müssen wir genau prüfen: Die „Stummen“ sind nicht diejenigen, die zu bequem sind, selbst verantwortlich mitzureden. Und nicht alle, die klagen, sind wirklich bedürftig. Leider habe ich es auch schon erlebt: Jemand sprach für einen anderen, war dabei aber lediglich einer nur scheinbaren Benachteiligung aufgesessen; oder er sprach für einen anderen nur, weil er sich selbst wichtig nahm mit seiner Empörung für einen vermeintlich Benachteiligten. – Ach, hätten sie doch die Betroffenen selbst für sich reden lassen!

Denen, die nicht so viel für sich tun können, soll nicht mehr als nötig abgenommen werden: Alle sollen tun, was sie können.

Aber nicht alle haben gleiche Voraussetzungen. Und darum müssen die, die mehr Einfluss, mehr Geld, mehr Kraft usw. haben, sich für die Rechte der Benachteiligten einsetzen, auch wenn sie selbst keine Vorteile davon haben.

Das ist nicht selbstverständlich: Wenn ich daran denke, wie viel von Korruption zu hören ist – wie die starken wirtschaftlichen Spieler sich mit Lobbyisten in der Politik aufstellen, um ihre Interessen durchzusetzen …

Das war schon seit alters nicht selbstverständlich, wie die Warnung der Mutter Lemuels zeigt: Nicht ziemt es den Königen, Wein zu trinken; sie könnten beim Trinken des Rechts vergessen und verdrehen die Sache aller elenden Leute (darum: gebt starkes Getränk denen, die am Umkommen sind, und Wein den betrübten Seelen).

Alle Schutz- und Unterstützungsgesetze für Minderheiten kommen daher, dass sich verantwortliche Menschen für sie eingesetzt haben.

Ich frage mich: Wer sind für uns diese wirklich Stummen und Verlassenen?

Reinhard Kähler