September 2013 – Gedanken zum Monatsspruch

Seid nicht (wegen der Aufgaben, die Gott uns stellt) bekümmert;
denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.
(Nehemia 8, 10)

Gibt es etwas, wo Sie sagen: „Wenn ich daran denke, vergeht mir die Freude“? …

Mir fallen da Situationen ein, wo ich mich über andere ärgere. Und: bei manchen politischen Nachrichten mache ich mir Sorgen, dass ich mich gar nicht mehr richtig freuen kann. –

Und ich weiß: Manche Menschen haben solche Schmerzen, dass ihnen das auch die Freude am Leben raubt.

Ich merke gerade: Es ist nicht nur Trauer, die Freude verdrängt.

Weshalb nun fühlten sich die Leute in jener Situation betrübt und gekränkt, aus der der Spruch der Bibel für den Monat September kommt?

Das ist nicht klar: Wie ich es oft erlebe, wenn Menschen sich gekränkt fühlen, ist es nicht einfach zu erkennen, was denn so schlimm für sie ist.

Nur so viel: In jener biblischen Situation wurden die Menschen gerade von Gott als selbstverantwortliche Menschen angesprochen. Gott spricht sie hier nicht als Opfer der Verhältnisse an, sondern als Täter. Gott sagt: Ihr seid verantwortlich.

Und da wurden sie bekümmert? – Ja, ich kenne auch Menschen, die davor lieber weglaufen oder sich wegducken; die lieber denken: Die anderen sind schlecht zu mir. Oder die sich mit anderen zusammentun, die ähnlich empfinden: „Wir müssen uns verteidigen, gemeinsam sind wir stark gegen …“

Der Gotteskundige der Bibel sagt demgegenüber:

„Eure Stärke liegt in der Freude an Gott.“ Man kann diesen Ruf auch so hören: „Eure Stärke liegt in dem, woran Gott sich freut.“

Das klingt nach: Saugt nicht Honig daraus, dass ihr euch zusammen kuschelt! Freut euch daran, was Gott uns schon Gutes getan hat!

Dann müssen wir uns nicht so leicht bedroht fühlen und uns deshalb abschotten.

Dann können wir besser mit Gottes Anspruch umgehen.

Gottes Anspruch heißt z.B.: Wenn Flüchtlinge aus anderen Ländern in Baumschulenweg oder Johannisthal ankommen sollten, sie wohlwollend aufzunehmen. – Aus der inneren Stärke heraus, die wir gewinnen, wenn wir an Gottes Freude denken.

Gottes Anspruch heißt z.B.: Wenn wir an die vielen Kriege und die zunehmenden Rüstungsexporte aus Deutschland denken, gegen diese zerstörerische Gewalt dafür sein, dass Steuergelder vielmehr für zivile Arbeit für den Frieden ausgegeben werden. – Aus der inneren Stärke heraus, die wir gewinnen, wenn wir an Gottes Freude denken.

Verdirbt uns nicht die Besinnung auf solche Herausforderungen die Freude? –

Nehemia spricht offensichtlich von einer anderen Freude am Leben: Die Freude, die von Gott kommt, die macht stark – stark dafür, dass wir uns der Aufgaben annehmen, die sich uns in der weiteren Lebenswelt stellen. –

Diese Freude feiert! Feiert auch mit einem festlichen Essen. Feiert mit einem Erntedankfest, wie wir es in unseren Gemeinden im September tun.

Reinhard Kähler