Vorankündigung: Herbst 1989 – Herbst 2014: Was davon mitgeht – Ein Nachmittag mit der Kirchengemeinde (1. November)

Wende 25 Jahre
Mit der Kirche Baumschulenweg und Johannisthal

Ein Viertel Jahrhundert ist es schon wieder her.

Viele aus unserer Gemeinde, die „im Osten“ lebten, können sich fragen: Was ist das in meinem Leben, dass ich zwei so unterschiedliche Gesellschaftssysteme kennengelernt habe?

Die Familie ist dieselbe. Oder nicht?
Die Verwandtschaft ist dieselbe. Oder nicht
Freunde und Nachbarn sind geblieben. Oder nicht?
Die Arbeit hat sich verändert. – Was macht das?
Die Stimmung hat sich verändert. – Und wie?
Denken Sie manchmal dran? –
Wie habe ich mich über die Wende gefreut?
Wie wurde ich überrascht – wer hat schon damit gerechnet?
Was haben die Veränderungen für Stress bereitet?
Was habe ich alles durch die Wende verändert?

Worauf lohnt es sich, auch noch mal in der Kirchengemeinde hinzusehen und hinzuhören?

Und was möchten wir ins Gebet nehmen, wenn wir auf die Wende-Geschichten schauen und von ihnen hören?

Mitten im Herbst, am 1. November, laden wir Sie dazu ein.

  • Noch einmal bewusst einen Ort zu besuchen, an dem sich die Nahtstelle der Gesellschaftssysteme in unserem Stadtbezirk befand.
  • Noch einmal hören, welche Weichen für Manche von uns mit der Wende gestellt wurden.
  • Das in Dank und Bitte zu Gott bringen.

Manche denken bei der Wende an den Fall der Mauer. Das liegt nahe. Welch umstürzende Folgen dieses Ereignis hatte, ist offensichtlich. Wir sollten aber auch erinnern, welche Prozesse dazu führten. Das Tempo der folgenden Veränderungen hat das Vorige vielfach unbedeutend erscheinen lassen.

Manchmal sah ich in Medien diese Linie der Ereignisse: das Vordringen in den Garten der Prager Botschaft, der Fall des ungarischen Grenzzauns, der Fall der Mauer.

Ich erinnere vor allem: Wie Menschen sich in der Gemeinde politisch äußerten, die vorher geschwiegen hatten, wie Menschen zu Feierabend auf die Straße gingen, wie sie zur Stasi-Bezirkszentrale zogen, wie Funktionäre auf einmal sagten: „Wir hatten auch still und heimlich auf Glasnost und Perestroika gehofft.“ Und wie sich viele trafen, die mitmachen wollten beim Umbau der Gesellschaft.

Geschichten, wie sich gespanntes Ausharren und Aushalten beim Übertritt über die gefallene Mauer entlud. Aber auch Geschichten: was half mir, neben der Mauer ordentlich zu leben? Was erfüllte mein Leben noch? Was brachte in den Spannungen weiter? Und wenn ich nicht nur die Alternative für möglich hielt – entweder DDR oder Bundesrepublik so wie sie bisher war –, dann: Was wagte ich noch Drittes zu träumen?

Hatte ich irgendwo das Gefühl, Teil eines „Volkes“ zu sein? Oder kam mir das doch nur unwirklich vor, und ich hätte mich mit einem Schild dazu stellen können „Ich bin Volker“?

Wo warst du eigentlich damals?“ – Da kann an diesem Nachmittag am 1. November in unserer Gemeinde vielleicht jemand erzählen, wie er spätabends am 9. November noch mal aufgesprungen und über den Grenzübergang Sonnenallee gekommen ist und nachweislich „Wahnsinn!“ gerufen hat. Es haben ebenso die etwas zu erzählen, die diesen Abend verschlafen haben, und längst schon politisch unterwegs und an dem Tag zum Pogromgedenken waren …


Nachmittag mit der Kirchengemeinde

Sonnabend, 1. November

Programm:

  1. Treff
    14:00 Uhr Sonnenallee / Ecke Heidekampgraben
    oder
    14:00 Uhr Stubenrauchstraße / Ecke EisenhutwegAn beiden Orten Gelegenheit, sich noch mal die Situation damals vor Augen zu halten.
  1. Treff im Gemeindezentrum Johannisthal, Sterndamm 94, um 15:30 Uhr: Erzählkaffee

Wichtig:

Sie können um 14:00 Uhr dabei sein oder Sie können ebenso ab 15:30 Uhr dabei sein.
Alle, die sich Sonnenallee / Ecke Heidekampgraben treffen, gehen einen Weg mit Informationen bis zur Forsthausallee und fahren dann mit dem Bus nach Johannisthal.
Alle, die sich Stubenrauchstraße / Ecke Eisenhutweg treffen, gehen zur Massantebrücke und vor dort ins Gemeindezentrum.
Am Schluss sammeln wir uns zu einer Andacht.

Ende: 17:00 Uhr.

Geschichten von der Wende der Zeiten in der DDR:
Manche winken ab: „Ich kann‘s nicht mehr hören.“
Manche wollen nicht mehr daran denken.
Manche sagen „Ich kann mich schon nicht mehr daran erinnern.“ –
Wer vor der Wende gelebt hat, war so oder so betroffen

  • von dem, was es gab und was es nicht gab zu DDR-Zeiten, und der Kunst, damit zu leben,
  • von allem, was sich änderte – abbrach oder aufbrach.

Wir nehmen in der Kirchengemeinde Anteil, wie verschieden es auch für uns ist.
Wir bitten Gott (zu Allerheiligen): er möge unser aller Leben heilen.

Pfarrer Dr. Reinhard Kähler

Pfarrer Dr. Reinhard Kähler