Wo Gott für DICH ist?

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.
(5. Mose 30,14)

  • Das sind doch nur Behauptungen. Du sprichst von Gott. Du sagst, Gott ist dir ganz nah. Du erzählst von Erfahrung mit Gott. Selbst wenn ich dir das glaube: Wo ist Gott für mich?

Das ist eine Frage, die nur du beantworten kannst. Es ist wahr: Ich rede von Gott „als ob“ – als ob Gott ein Tisch wäre, als ob Gott ein Gefühl wäre, als ob Gott eine Person wäre. Das ist der einzige Weg, auf dem ich Erfahrungen erzählen kann. Ich kann erzählen, was ich erlebt habe. Ich kann erzählen, was ich empfunden habe. Ich kann erzählen, was ich denke. Es wird immer meine Erzählung bleiben, meine Geschichte.

  • Dann erwartest du, dass ich an Gott glaube, weil ich dir glaube? Das ist mir zu schwach.

Meine Geschichten sind nur einige der unendlich vielen Geschichten, die Menschen von ihren Erfahrungen mit Gott erzählt haben. Ich gebe dir Recht. Was Menschen dir erzählen können, ist zu schwach, um deinen Glauben zu begründen. Die Glaubensgeschichten anderer Menschen sind Wegweiser – bestenfalls.

  • Wegweiser wohin? Wenn ich mir anhöre, was Menschen von Gott erzählen, fällt mir nur auf, wie unterschiedlich diese Geschichten sind.

Menschen erzählen von Gott aus ihrem eigenen Leben. Das macht diese Geschichten so unterschiedlich. Selbst wenn Menschen dasselbe erlebt haben. Das 5. Buch Mose ist ein kurioser Abschluss für die fünf Bücher des Mose. Im Judentum wird das Buch manchmal „Wiederholung der Weisung“ genannt. Nachdem das Volk Israel gemeinsam 40 Jahre durch die Wüste gezogen ist, sind sie endlich kurz vor dem Ziel ihrer Reise. Im 5. Buch Mose sind die Abschiedsreden des Mose. Im Prinzip wiederholt Mose darin noch einmal alles, was in den 40 Jahren Wüstenwanderung passiert ist – also das, was im 2., 3. und 4. Buch Mose steht. Das sind „Geschichtsbücher“, sie berichten über Mose, über Aaron und Mirjam, über das Volk. Im 5. Buch Mose macht Mose daraus seine persönliche Geschichte. Er sagt: „Ich habe das erlebt.“ Er erzählt welche Erfahrungen er mit Gott auf dem Weg durch die Wüste gemacht hat. Am Ende seiner dritten Rede (5. Mose 30) fordert Mose seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf, ihr eigenes Bekenntnis zu bilden. „Ich habe von mir erzählt, jetzt seid ihr dran, eure Lebensgeschichte zu erzählen – ihr könnt sie ohne Gott erzählen, ihr könnt sie mit Gott erzählen. Ich sage euch: Gott ist in eurem Leben.“ 

  • Du meinst ich soll mein Leben verstehen, „als ob Gott da ist“?

Ja. Ich glaube, wenn du dein eigenes Leben liest, als ob Gott da ist, wirst du Gott zwischen den Zeilen finden. Die Lebensgeschichte von anderen, das Gespräch in der Familie und in der Gemeinde ist ein Impuls, so eine Art Landkarte. „Wo Gott für dich ist?“ wirst du in dir finden. „Das Wort ist ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.“ Das wünsche ich dir.

Paulus Hecker