Zehn Tage gemeinsam für den Frieden beten

Lass mich in Frieden.
Heißt: Lass mich in Ruhe.

Doch, da kommt ein Fragezeichen.
Gott setzt sich für Menschen ein, die unter schlechteren Bedingungen leben.

Es gibt allerdings auch andere Erwartungen an Gott: Viele glauben, mit Gottes Hilfe können sie ruhig behalten, was sie haben; wer Gott fürchte, lasse die Verhältnisse, wie sie sind …

Wer aber auf den Gott hört, der sagt: „Befreit die Ausgebeuteten aus der Kralle der Abzocker!“ der beruhigt sich nicht, wenn einige reicher werden auf Kosten anderer. –

Hören Sie das auch so? –
Da merke ich: Das Gebet mit Gott bringt mich in Unruhe, ruft heilsam auf.
Im Gebet zu diesem Gott angestoßen finde ich mich nicht ab mit der trügerischen Ruhe. Denn die Kriege in Syrien und anderswo, die Piraterie vor Somalia und anderswo sind nur die Spitze eines Eisberges: Unter der Oberfläche werden gewaltige Kämpfe um Öl und wertvolle Rohstoffe geführt.
Manchmal wird von Solidarität mit Rebellen und mit strategischen Partnern gesprochen, während einseitige Interessen durchgesetzt werden sollen. Das ist ein fauler Friede.
Auf welche Gedanken komme ich, wenn ich – im Austausch mit anderen – auf Gott höre? Wer will wirklich solidarisch sein mit Menschen, die Schutz und Hilfe brauchen?

Wer weiß da schon etwas zu tun?
Jedenfalls können wir Gott darauf ansprechen –
persönlich, und gemeinsam in der Kirche.
Gehen wir in unseren Gedanken ins Gebet zu Gott!

Da werden wir verbunden mit der Klage von Menschen, denen die Würde als Mensch zu leben genommen wird, und mit dem Flehen zu Gott, dass gerechter Friede werde …

… in den Gottesdiensten

  • am Sonntag, 10. November, um 11.00 Uhr in der Kirche in Baumschulenweg (Gottesdienst für Kinder und Erwachsene): reich(t) für alle
  • am Sonntag, 17. November, um 11.00 Uhr in der Kirche in Johannisthal
  • am Buß- und Bettag, 20. November, um 19:30 im Gemeindehaus Baumschulenstraße 82-83

… und in der Andacht

  • am Donnerstag, 14. November, um 19.00 in der Kirche in Baumschulenweg

 

solidarisch?

das ist das Stichwort für die 10 Tage, in denen Christen ihre Gebete besonders dem Anliegen widmen, dass Friede werde auf Erden.

Das Fragezeichen im Motto „solidarisch?“

  • kann Unverständnis signalisieren, wo angesichts einer seit Jahren stattfindenden Entsolidarisierung und zunehmenden Spaltung in Arm und Reich, eines Rückzugs ins Private von Solidarität nur noch geredet bzw. auch schon nicht mehr gesprochen wird;
  • es kann die Abwehr gegen den moralischen Druck anzeigen, der von denen gespürt wird, die mit diesem Wort aufgefordert werden, sich zu solidarisieren (z.B. „Solidarität im Bündnis NATO“ als Begründung für die Beteiligung an militärischen Einsätzen der Bundeswehr);
  • es kann die Verspottung einer vermeintlich überholten Parole ausdrücken;
  • die Frage „solidarisch?“ kann die selbstkritische Frage bedeuten, wie viel wir als Christengemeinde zuerst einfach etwas für uns wollen und wenig für andere Menschen.

Auf jeden Fall steht die Frage: Solidarisch mit wem? Und was erweist Solidarität?

Ein Beispiel aus der deutschen Geschichte:
Als vor 75 Jahren Läden von Juden zerschlagen und ihre Gotteshäuser angezündet wurden, da haben viele – auch in Baumschulenweg und Johannisthal – lieber nichts wissen wollen, manchen war’s vielleicht gerade recht so; und nur wenige haben gesehen: da werden Menschen angegriffen, die brauchen meine und unsere Solidarität.

Einer dieser Wenigen war Pfarrer Sylten: Er half Juden. Die Nazis haben ihn dafür im KZ umgebracht. Er wohnte mit seiner Familie hier in der Nähe. Einer seiner beiden Söhne kommt zu uns zum

Gemeindeabend

Mittwoch, 13. November 19:00 Uhr

im Kirchengemeindesaal in Johannisthal, Sterndamm 94
(links vom Haupteingang zum Gemeindezentrum)

131113_Gemeindeabend

 

 

Geschichte noch einmal ganz nah
Vor 75 Jahren
Pogrom in Deutschland

Zu Gast: Walter Sylten, Zeitzeuge,

 

 

Er wird über das Wirken seines Vaters, Pfarrer Sylten, berichten: besonders über dessen Arbeit in der Zeit des Nationalsozialismus, als er mit dem „Büro Grüber“ Christen jüdischer Herkunft half, sich vor den Nazis zu retten; und der dafür 1942 im KZ ermordet wurde.