Als dieser Gemeindegruß entstand, waren die Arbeiten im Kirchsaal bereits weit fortgeschritten. Die notwendige Einbringung einer Feuchtigkeitssperre war abgeschlossen, die Verputzarbeiten an den betroffenen Wänden nahezu beendet. Die Maßnahme war erforderlich geworden, weil diese Abdichtung bei der zurückliegenden Sanierung vor rund 15 Jahren nicht ausgeführt worden war. Nach Abschluss der Arbeiten werden nun noch die malertechnische Aufarbeitung und die Anbringung der Fußleisten folgen.

Für unsere Gemeinde bedeuteten die Bauarbeiten vor allem eines: zusammenzurücken. Da der Kirchsaal zeitweise nicht genutzt werden konnte, fanden Gruppen und Veranstaltungen im Gemeindesaal statt. Nicht immer war das einfach. Termine mussten abgestimmt werden, manche Gewohnheiten geändert, und gelegentlich wurde es auch räumlich eng. Dennoch haben wir diese Zeit gemeinsam gut bewältigt.
Im Rückblick zeigt sich, dass dieses Zusammenrücken mehr war als eine organisatorische Notwendigkeit. Es hat uns daran erinnert, dass Gemeinde vor allem durch die Menschen lebt, die sich in ihr versammeln.

Gerade dort, wo der Platz begrenzt ist, werden Gemeinschaft, Rücksichtnahme sowie Hilfe und gegenseitige Unterstützung besonders sichtbar. Passend dazu fand am 7. Juni auch der Gottesdienst im Gemeindesaal statt. Die ungewohnte Atmosphäre, die Nähe zueinander und so manches Provisorium erinnerten an die Anfänge der christlichen Kirche. Lange Zeit verfügten die ersten Christen über keine eigenen Kirchengebäude. Sie trafen sich in Häusern, feierten Gottesdienst in kleinen Räumen und lebten ihren Glauben in enger Gemeinschaft miteinander.
Diesen Gedanken griff auch die Predigt des Sonntags auf. Die ersten Christen werden in der Apostelgeschichte als Menschen beschrieben, die „ein Herz und eine Seele“ waren. Dabei bedeutete das keineswegs, dass es keine Unterschiede oder Konflikte gegeben hätte. Vielmehr zeichneten sie sich dadurch aus, dass sie trotz aller Herausforderungen zusammenblieben und füreinander Verantwortung übernahmen.

Vielleicht liegt gerade darin eine wichtige Erfahrung unserer vergangenen Wochen. Die Bauarbeiten haben Einschränkungen mit sich gebracht und manches lief nicht immer so reibungslos wie erhofft. Gleichzeitig haben sie uns Gelegenheit gegeben, neu zu entdecken, was Gemeinschaft bedeutet.

Kirche lebt nicht allein von ihren Mauern, so wichtig und wertvoll diese auch sind. Sie lebt von den Menschen, die sich im Glauben miteinander verbinden, einander unterstützen und gemeinsam unterwegs sind.
So hoffen wir, dass die Sanierung nicht nur zum Erhalt unseres Kirchengebäudes beiträgt, sondern uns auch etwas von dem in Erinnerung ruft, was die ersten christlichen Gemeinden getragen hat: die Erfahrung, dass Gottes Gegenwart nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist, sondern dort erfahrbar
wird, wo Menschen zusammenkommen, einander tragen und Gemeinschaft leben.
In diesem Sinne war die Zeit des Zusammenrückens vielleicht nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine wertvolle Erinnerung an die Anfänge unserer Kirche.
Patrick Otto

