„Alles Ding währt seine Zeit. Gottes Lieb in Ewigkeit.“

Gedanken zu EG 325

Am 30. August haben wir Martin Fehlandt verabschiedet. 43 Jahre Kirchenmusik, davon 37 hier bei uns. Kantorei, Gemeindechor, Bläser, Flöten. Eine volle Kirche.

Ein Lied hat diesen Tag getragen. Zwischen den Abschnitten der Predigt sang die Kantorei verschiedene Strophen daraus, jede in einem anderen Satz: Barock, Pop, Jazz. Vielfalt im Ohr. Bunt wie das Leben. Ein Auf und Ab der Gefühle und man wusste nie ganz, was als Nächstes kommt.

Nur eines kam jedes Mal wieder. Am Ende jeder Strophe, in jedem Satz, in jedem Stil, standen dieselben zwei Zeilen: Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Geschrieben hat das Lied Paul Gerhardt, im Jahr 1653. Dieselbe Feder, aus der auch „Geh aus, mein Herz“ stammt. Ein Mann, der viel begraben hat in seinem Leben – vier seiner fünf Kinder, seine Frau – und der trotzdem die Lieder geschrieben hat, die wir bis heute singen, wenn wir nicht mehr weiterwissen.

Sein Lied fängt mit einer Frage an: Sollt ich meinem Gott nicht singen? Man kann das für eine Redewendung halten, auf die ohnehin nur ein Ja folgen kann. Aber Gerhardt schreibt sein Lied nicht als Behauptung, sondern als Frage. Und wer fragt, lässt für einen Moment offen, dass die Antwort auch anders ausfallen könnte.

Was dann folgt, ist eine offene Antwort. Aber am Ende jeder Strophe kommt der Kehrvers zurück. Er gibt den Rhythmus vor. Er prägt sich mit jedem Mal tiefer ein. Und irgendwann singt man ihn mit, ohne nachzudenken.

Die zweite Zeile hören wir gern. Die erste überhören wir meistens. Dabei steht sie zuerst. Und sie meint genau das, was sie sagt. Die Dinge haben ihre Zeit, und dann sind sie vorbei. Der Sommer ist vorbei. Die Erdbeeren, das Freibad, die warmen Abende auf dem Balkon. Jetzt riecht es nach nassem Laub, und es wird früh dunkel.

Und manches andere ist auch vorbei. Eine Arbeit, die jahrzehntelang der eigene Alltag war. Eine Freundschaft, die eingeschlafen ist. Eine Wohnung, in der die Kinder groß geworden sind. Ein Mensch, den es nicht mehr gibt.

Alles Ding währt seine Zeit. Das ist kein Trost. Das ist erstmal einfach wahr. Gerhardt redet uns nichts schön. Er stellt zwei Sätze nebeneinander, die beide stimmen. Das eine geht zu Ende. Das andere nicht. Und er verbindet sie nicht einmal mit einem „aber“. Sie stehen einfach da und wiederholen sich, bis es verinnerlicht ist.

Aber wir haben an diesem Sonntag nicht nur zurückgeblickt. Denn Martin wird uns weiterhin begegnen. Wir werden ihn weiterhin als Musiker in unserer Gemeinde erleben dürfen. Nicht mehr in derselben Rolle,
nicht mehr mit denselben Aufgaben. Aber die Musik bleibt. Die Verbindung bleibt.

Und nun darf etwas Neues entstehen. Vielleicht ist das eine der tröstlichsten Seiten des Satzes: „Alles Ding währt seine Zeit.“ Es bedeutet nicht nur, dass etwas endet. Es bedeutet auch: Etwas Neues hat seine Zeit. Zeit für neue Menschen. Neue Ideen. Neue Stimmen. Neue Musik. Vielleicht auch für Dinge, die wir heute noch gar nicht kennen.

Und so dürfen wir beides tun: dankbar zurückblicken und neugierig nach vorn schauen. Wir dürfen traurig sein über das, was sich verändert. Und uns gleichzeitig freuen über das, was kommt. Wir dürfen festhalten, was uns wichtig ist. Und loslassen, was seine Zeit gehabt hat.

Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.

Ihre Juliane Bach

Vom Tanzsaal zur kuriosen Kirche – ein Beitrag vom rbb

Von außen wirkt das Gotteshaus am Sterndamm in Berlin-Johannisthal eher unscheinbar. Doch hinter den Mauern steckt eine ungewöhnliche Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts entstand hier das Ausflugs- und Vergnügungslokal „Kaiser-Wilhelm-Garten“ mit Tanzsaal und ausgelassenen Partys.

 Alte Postkarten zeugen von dieser Zeit. Später wurde das Gebäude als Offizierskasino und Kino genutzt, bevor die Kirche das Grundstück übernahm. Aus dem einstigen Tanzsaal wurde das Kirchenschiff, an die Stelle der Kinoleinwand kam die Orgel. Auch der in den 1920er Jahren errichtete Glockenturm steht noch heute. Eine der Gussstahlglocken zählt zu den ältesten ihrer Art in Deutschland. Der Freundeskreis Heimatgeschichte Treptow bewahrt die Geschichten rund um den ungewöhnlichen Ort und macht sichtbar, wie vielfältig die Vergangenheit eines Berliner Grundstücks sein kann.

Beitrag von Britta Wulf

Quelle: Vom Tanzsaal zur kuriosen Kirche | rbb

Festrede zur Verabschiedung des Kantors Martin Fehlandt

Herzliche Einladung zur Verabschiedung von Kantor Martin Fehlandt Musikalischer Festgottesdienst am Sonntag, 30. August 2026 14:00 Uhr in der Kirche Johannisthal mit anschließendem Empfang Ev. Kirche Johannisthal, Sterndamm 92, 12487 Berlin

von Dr. Matthias Krüger – Vorsitzender des GKR Berlin-Johannisthal, vorgebracht im Festgottesdienst am 13. Sonntag nach Trinitatis (2026)

Liebe Festgemeinde, liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste, und vor allem: lieber Martin!

In Relation zu deinen über 37 Wirkungsjahren hier in Johannisthal kennen wir beide uns noch gar nicht so lange – gerade mal seit 2018. Wenn man das mathematisch betrachtet, ist das nur ein Bruchteil dieser beeindruckenden Ära. Aus diesem Grund kann ich heute keine lang zurückliegenden Anekdoten beisteuern. Ich war schlichtweg nicht dabei, als du hier deine ersten Spuren hinterlassen hast. Eigentlich wäre es für so einen großen Anlass angemessen, eine Chronik von dreieinhalb Jahrzehnten zu präsentieren.

Aber uns beide verbindet etwas viel Tolleres, das diesen zeitlichen Rückstand locker wettmacht. Kannst du ahnen, was das ist? Richtig: Wir sind beide in Mecklenburg geboren! Echte Fischköppe, wie man im Rest der Republik sagt. Und uns Norddeutschen wird ja in aller Regel nicht unbedingt nachgesagt, dass wir lange, ausschweifende oder gar tiefgründige Reden halten. Ein kräftiges „Moin“ reicht uns oft für den ganzen Tag. Das ist heute sicherlich zur großen Erleichterung der Zuhörerinnen und Zuhörer hier im Saal, die nun keine stundenlangen Ausführungen befürchten müssen. Aber heute ist ein ganz besonderer Tag für unsere Gemeinde. Und deshalb breche ich mein norddeutsches Schweigen und hole etwas weiter aus.

Vor fast 18 Jahren, im September 2008, gab es ein großes Chorfest in Neubrandenburg. Die Kirchenchöre des Nordens kamen zusammen, um gemeinsam zu singen und zu feiern. Der damalige mecklenburgische Landesbischof Andreas von Maltzahn sagte in seiner Festpredigt beim Abschlussgottesdienst sinngemäß einen wunderbaren Satz, der mir seither nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist:

„Es gibt viele großartige und hochtheologische Gottesbeweise. Den ontologischen, den kosmologischen, den teleologischen Gottesbeweis – kluge Gedanken von klugen Köpfen. Aber der eindrücklichste und schönste unter ihnen allen – das ist und bleibt der musikalische Gottesbeweis.“

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Auf Wiedersehen aus Treptow!

Die erste Erinnerung an Kantor Fehlandt, die einer der Unterzeichnenden mitbringt, geht zu einem gemeinsam gestalteten Gottesdienst in Johannisthal vor rund 20 Jahren. Ich weiß den Namen des Liedes nicht mehr. Aber als die Gemeinde mit dem Text von den Vögeln sang, die fröhlich umherfliegen, zwitscherte und trillerte die Orgel. Inzwischen hat sich zwischen dem Kantorat in den Kirchengemeinden Johannisthal und Oberschöneweide und der Kirchengemeinde Treptow eine in den regionalen Dienstberatungen regelmäßige und in gemeinsamen Konzerten und Gottesdiensten situative Zusammenarbeit entwickelt. Genannt seien hier nur der regionale Gottesdienst am Sonntag Kantate, der durch die Gemeinden wandert, oder die musikalische Gestaltung des Konfirmationsgottesdienstes durch Kantorin und Kantor im Pfarrsprengel.

Die Erinnerung der anderen Unterzeichnenden reicht inzwischen ebenfalls schon zwölf Jahre zurück. Die zwitschernden Vögel waren auch damals präsent – und das ganz ohne Orgel. Dafür erklangen sie auf einem anderen Instrument, das Martin Fehlandt mit einer solchen Meisterschaft spielte, dass sein Einsatz stets zu einem musikalischen Höhepunkt wurde. Es war die Blockflöte, der er eine beeindruckende Brillanz, Leichtigkeit und Lebendigkeit entlockte. Mit Virtuosität, Charme und feinem Humor machte er jedes Flötensolo zu einem besonderen Erlebnis. Martins Vielseitigkeit hat es ermöglicht, in den unterschiedlichsten Besetzungen gemeinsam Musik zu machen: vierhändig am Klavier oder an der Orgel, Gesang und Orgel, an zwei Klavieren, mit Blockflöte und Orgel oder im Kammerorchester. Die musikalischen Begegnungen waren stets farbenreich, lebendig und von großer Ausstrahlung; der Funke sprang immer auf das Publikum über.

Durch viele gemeinsame Chor-Projekte mit Martin Fehlandt ist die Region enger zusammengewachsen. Menschen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären, haben sich kennengelernt, sind miteinander ins Gespräch gekommen, und nicht selten sind daraus Freundschaften entstanden. So hat Martin nicht nur Musik erklingen lassen, sondern auch Menschen miteinander verbunden.

Gemeinsam wollen wir – natürlich und ausdrücklich auch im Namen der Kirchengemeinde Treptow – herzlich danken für die Jahre des Dienstes, für alles Gemeinsame und Gelungene! Dir, lieber Martin, Ihnen, werter Kantor Fehlandt, einen gelingenden Übergang in den (unruhigen?) Ruhestand und weiterhin viel Freude an der Musik, mit den Menschen und zur Ehre Gottes.

Barbora Yhee und Andreas Döhle

Glaubensbekenntnis der zu Pfingsten 2026 frisch Konfirmierten

Ich glaube, dass Gott der Anfang allen Ursprungs ist,
uns alle gleich lieb hat,
um uns ist und uns Kraft in schwierigen Zeiten gibt.

Ich glaube, dass Jesus der Sohn Gottes ist, er bringt die Botschaft Gottes.
Er ist für uns geboren, gestorben und wieder auferstanden,
um Gutes in die Welt zu bringen.

Ich glaube, dass der Heilige Geist ein verbindendes Element zwischen den
gläubigen Menschen ist. Er begleitet uns in unserem Leben.

Ich glaube, dass die Kirche ein Ort und eine Gemeinschaft ist, wo alle im
Frieden miteinander sein können und den Glauben teilen.

Ich glaube, dass ich selbst beschützt bin,
Gott mich führt und ich gesegnet bin.
Gott hilft mir und gibt mir Hoffnung.

AMEN

Handysammelaktion

In der diesjährigen Passionszeit hat sich auch unsere Gemeinde an der Handysammelaktion im Bezirk Treptow-Köpenick beteiligt. Die Aktion war Teil des Projekts „Lokal handeln – global verbunden“ der Kommunalen Ökumene Treptow-Köpenick und schloss sich der berlin- und brandenburgweiten Initiative von INKOTA sowie der Handysammelaktion der Fairen Gemeinden an. Gemeinsam mit anderen Kirchengemeinden und Partner:innen im Bezirk konnten an 12 Standorten insgesamt 337 Handys und 17 Tablets gesammelt werden. Die Geräte enthalten wertvolle Rohstoffe wie Gold, Kobalt und Kupfer, deren Recycling dazu beiträgt, Umweltbelastungen zu reduzieren und globale Lieferketten gerechter zu gestalten.

Als Kirchengemeinde verstehen wir diese Aktion auch als Teil unseres Engagements für die weltweiten Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Besonders Ziel 12 „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster“ wird hier konkret erfahrbar. Kirchen können Räume schaffen, in denen globale Zusammenhänge sichtbar werden und verantwortliches Handeln im Alltag eingeübt wird. Die Handysammelaktion ist dafür ein Beispiel: Sie verbindet unseren lokalen Einsatz mit Fragen globaler Gerechtigkeit. Auch im weiteren Verlauf des Jahres sollen die Nachhaltigkeitsziele in den Kirchengemeinden in Treptow-Köpenick immer wieder aufgegriffen werden, um unsere gemeinsame Verantwortung sichtbar zu machen.

Juliane Peschel-Paetzold
Projektleiterin
Kirchliche Nachhaltigkeitsarbeit
Kommunale Ökumene Treptow-Köpenick
https://www.kommunale-oekumene.de