Archiv der Kategorie: Andacht

Angedacht

„Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt – und hofft auf ihn.“

EG Nr. 508

Liebe Leserin, lieber Leser,

die obige Zeile ist der Refrain des Liedes „Wir pflügen und wir streuen“. Ich mag dieses Lied besonders gern, weil es das Miteinander von Gott und Mensch, von Schöpfer und Schöpfung, von Himmel und Erde, in wunderbaren Worten beschreibt. Da heißt
es:

„Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“

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Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!

Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;
mein Leib und Seele freut sich in dem lebendigen Gott.

Psalm 84,2-3

Über dem Portal der Sophienkirche in Mitte – übrigens auch ursprünglich als ein einfacher Betsaal gebaut, ohne Turm und baulichen Schmuck – lädt die erste Zeile dieses Psalms ein. Gelegentlich haben sich Touristen bei uns danach erkundigt, wer denn der Herr Zebaoth gewesen ist, der erste Sponsor vielleicht?

Das in Kapitälchen geschriebene Herr ist ein Platzhalter für den heiligen Namen Gottes „Jahwe“. Und „Zebaoth“ ist ein die alles verändernde Macht Gottes unterstreichender Zusatz, zu übersetzen etwa mit „der Heerscharen“. Der Anspruch ist hoch: Unsere Kirchen stehen in der Tradition des Jerusalemer Tempels. Dieser Psalm ist der Bibelvers für das Kirchweihfest. Alle unsere Nachforschungen lassen vermuten, dass es auch die Überschrift für die Einweihung der Johannisthaler Kirche am 3. Juli 1921 – vor 100 Jahren jetzt – gewesen ist. Im Original des Psalms geht es natürlich um den Jerusalemer Tempel, die Vorhöfe waren der Bereich für die Normalsterblichen, in dem sie Anteil bekamen am Heiligen: ein Sehnsuchtsort, an dem die Welt in Ordnung ist und unbestreitbare Zugehörigkeit erlebbar wird. Hier wird die Seele aufgebaut und Lebensfreude vermittelt.

Das ist vielleicht überraschend, dass es in der Kirche um Freude geht. Die Vermutung ist ja eher, dass bei uns das schlechte Gewissen kultiviert wird. In der Weimarer Republik, als die Kirchen auf Distanz zum Staat gingen, mussten dann auch eigene Fahnen erfunden werden. Katholisch wurde es gelb, die Evangelischen entschieden sich für Violett: die Farbe der Buße. Vielleicht als ein Akt der Bescheidenheit gemeint, aber die landläufigen Verdächtigungen werden so bestätigt. Schon damals ist der Vorschlag eines fröhlichen Blaus dagegengesetzt worden. Die optische Nähe zu Finnland, wo die glücklichsten Menschen leben sollen, wäre ja nicht schädlich gewesen, zu Schottland auch nicht.

Natürlich ist so ein Jubiläum, wie wir es im August in Johannisthal feiern werden, ein erfreulicher Anlass. Wenn es gut geht, dann wollen wir aus diesem Fest diese Freude mitnehmen in die nächsten 100 Jahre.

Wir sind „evangelische“ Kirche, die den Anlass zu großer Freude in ihrem Namen trägt: Es ist eine „gute Botschaft“, die uns einlädt und die uns ausmacht. Die Geste wäre nicht der erhobene Zeigefinger, sondern der Fingerzeig auf die erfreuende Mitte, die Leib und Seele, das heißt, den ganzen Menschen und den Menschen ganz betrifft und mitreißt. Wo es um Gott geht, geht es um Lebensfreude, um Aufbau für Leib und Seele, um Kraft und Ermutigung, ganz bestimmt nicht um Demütigung. Damit sich das herumspricht und vielleicht ein paar alte Verdächtigungen richtiggestellt werden, feiern wir unser Jubiläum. Und: Damit wir nicht vergessen, dass wir als Gemeinde der Freude für Johannisthal und für Baumschulenweg verpflichtet sind.

Ganz herzliche Einladung
und Grüße,
Ihr Pfarrer Hartmut Scheel

4. Sonntag nach Trinitatis, 27. Juni 2021

Der 4. Sonntag nach Trinitatis ist der Sonntag des Nächsten. Die ausgewählten biblischen Texte machen die Zuwendung zum Nächsten zur christlichen Aufgabe. Nicht als Bewährungsauftrag, sondern als nur logische Konsequenz dessen, wovon wir leben können: Wenn wir von Gottes Gnade leben können, von seiner Zuwendung – wie könnten wir sie für uns behalten? Des andern Last können wir tragen, weil uns unsere eigene Last schon abgenommen ist.

Wochenspruch:

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Galater 6,2

Wochenpsalm: 42 (2-6)

2 Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. 3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? 4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott? 5 Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einher zog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern. 6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

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Sonntag Trinitatis (30. Mai)

„Trinitatis“ ist ein eigenes Fest, es gilt der Dreieinigkeit Gottes: In der alten Kirche – und auch heute immer noch begegnet uns Christen die Frage: Was hat es denn, wenn ihr euch doch auf den Menschen Jesus beruft, mit eurem Gott auf sich? Wie geht das zusammen? Die komplizierte Antwort darauf war damals das trinitarische Reden von Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der Frage, was es mit Gott auf sich hat, müssen wir uns immer wieder stellen.

Wochenspruch

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

2. Korinther 13,13

Wochenpsalm: 113

Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN! 2 Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit! 3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN! 4 Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist. 5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der oben thront in der Höhe, 6 der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde; 7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz, 8 dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes; 9 der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

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Pfingstmontag (24. Mai 2021)

Der Pfingstmontag feiert immer noch den Heiligen Geist: Das große Wunder von der überwältigenden Kraft der Wortmeldung Gottes, der wir uns als Kirche verdanken.

Wochenspruch:

„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sacharja 4,6b)

Wochenpsalm: 118

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. 25 O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen! 26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN. 27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars! 28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen. 29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

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Sonntag Exaudi

Liebe Gemeinde!

Am heutigen Sonntag namens Exaudi, stehen wir wieder einmal, geistlich gesehen, zwischen einem „Nicht Mehr“ und einem „Noch Nicht“ – in der kurzen Phase zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.

Der Evangelist Lukas erzählt von den Ereignissen rund um die Himmelfahrt Jesu direkt am Anfang seiner Apostelgeschichte. Dort lesen wir:

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Jubilate (25. April 2021)

Der Sonntag Jubilate – Freut euch! – setzt die Osterzeit fort, führt sie zu ihrem Höhepunkt: Die Freude bricht sich endgültig Bahn. Die österliche Freude lädt ein mitzufeiern: Es bricht eine neue Zeit an.

Wochenspruch:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“

2. Korinther 5,17
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Miserikordias Domini (18. April 2021)

Der Sonntag Miserikordias Domini – Erbarmen des Herrn – steht im Zeichen des guten Hirten. Es geht um Zugehörigkeit, um Behütetsein.

Wochenspruch:

Christus spricht: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme
und ich kenne sie und die folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“

Johannes 10,11a.27-28a
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… und ab geht’s!“ – Jesus eröffnet die Grillsaison – Impulse zum Sonntag Quasimodogeniti 2021

Liebe Gemeinde,

wieder ein Sonntag mit einem solch eigenartigen Namen: Quasimodogeniti. Nein, mit dem Glöckner von Notre Dame hat das nichts zu tun. „Wie die neugeborenen Kinder“ bedeutet das lateinische Wort, das der alten Liturgie dieses Tages entstammt. Manche kennen den ersten Sonntag nach Ostern auch als den „Weißen Sonntag“.

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Angedacht

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

Psalm 118,22

Ostern geht das Leben wieder los – unser Fest fällt in diesem Jahr mit dem Monatsbeginn April zusammen: dann ist Frühling, hoffentlich, dann haben wir uns von den Corona-Einschränkungen ein wenig freigestrampelt, hoffentlich. An die Auferstehung Jesu wird in jedem Fall gedacht und sie wird gefeiert.

Der Festtagspsalm ist der 118 – übrigens auch Pfingsten in anderem Zuschnitt – und in seinen Bildern wahrscheinlich vertraut: Mit dem Eckstein wird das Maß des Gebäudes gesetzt, an ihm richtet sich alles aus, alles muss zu ihm passen. Heutzutage wird Beton gegossen und alles passend gemacht, mit Natursteinen dagegen ist die Auswahl entscheidend. Das gilt erst recht, wenn es um ein Gewölbe geht, dann muss alles, vor allem der Schlussstein passen, sonst bricht alles zusammen.

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