Hervorgehobener Beitrag

Jauchzet!

Wohl kein Werk des musikalischen Abendlandes ist so tief in unserem Weihnachts-Gefühl verwurzelt, wie J. S. Bachs „Weihnachtsoratorium“, vielleicht noch das Lied“ Stille Nacht“.

Für mich und viele andere beginnt die Weihnachtszeit überhaupt erst mit eben dem „Weihnachtsoratorium“, mit dem berühmten Eingangschor „Jauchzet, frohlocket…“! Wer ist nicht begeistert von der Arie „Großer Herr und starker König“, oder „Frohe Hirten, eilet“ oder „Schlafe, mein Süßer, genieße die Ruh“ und noch viel mehr!

Es ist ein großartiges, eingängiges und einzigartiges Werk, welches uns die Weihnachtsgeschichte nahebringt. Wir hören, als Antwort der Gemeinde gedacht, immer wieder bekannte Choräle, z.B. „Wie soll ich dich empfangen“ oder „Vom Himmel hoch“.

Nachdem wir durch die Coronaauflagen keine Musik zum Weihnachtskreis machen konnten, ist es umso schöner, dieses Jahr wieder diese festlichen Klänge hören zu dürfen.

Die Kantorei Johannisthal, zusammen mit Solisten und Orchester, freut sich auf viele musikhungrige Zuhörer. Wir laden besonders herzlich dazu ein.

Mit vorweihnachtlichen Grüßen

Martin Fehlandt

Vorverkauf:

Die Karten kosten abhängig von Sitzplatz und Ermäßigung zwischen 20 € und 5 €, sie können in den Gemeindebüros und an der Abendkasse erworben werden:

Johannisthal
Sterndamm 90
12487 Berlin
Tel.: 030/636 13 48
Di.: 10:00 – 13:00 Uhr
Fr.: 15:00 – 18:00 Uhr

Oberschöneweide
Firlstraße 16
12459 Berlin
Tel.: 030/535 31 55
Di.: 15:00 – 18:00 Uhr
Do.: 9:00 – 12:00 Uhr

Kantorei Johannisthal
Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bach – Kantaten I-III
Sonntag, 4. Dezember 2022, 17 Uhr
Einlass: 16:15 Uhr
Eintritt: 20€–5€
Christuskirche Oberschöneweide
Firlstr. 16, 12459 Berlin | Tram 27, 60, 67
Kantorei Johannisthal
Orchester Camerata Instrumentale, Berlin
Soli: Luisa Schaefer, Sopran
Ines Muschka, Alt
Ralph Eschrig, Tenor
Martin Schubach, Bass
Leitung: Martin Fehlandt

Macht hoch die Tür!

Der Advent beginnt und mit ihm stellt sich die gedämpft-besinnliche Zeit des Jahres ein. Bald folgt Weihnachten und das Jahr neigt sich dem Ende. Die Jahreslosung diesen Jahres begann ebenfalls mit dem symbolischen Türenöffnen:

“Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen”

heißt es. Somit schlagen wir nun zum Ende des Jahres einen Bogen, wenn wir einstimmen und singen:

“Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
es kommt der Herr der Herrlichkeit…”

Es ist das erste Lied im Evangelischen Gesangbuch, das Tor zu den Liedern des Gesangbuchs, der Türöffner zum Advent. Dieses Lied – es besingt eine Sehnsucht im Advent.

Es möge sich etwas öffnen! Türen, bisher verschlossen, öffnen sich und geben den Blick frei auf etwas Wunderschönes, auf Heil und Leben – mitten im Unheil dieser Welt. Türen öffnen sich. Die Kinder spielen das im Advent nach. Tag für Tag öffnen sie ein Türchen am Adventskalender. So üben sie das Warten ein. Advent ist eine Wartezeit.

„Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
Sein Königskron ist Heiligkeit,
Sein Zepter ist Barmherzigkeit.“

Der König, dem hier Tor und Tür geöffnet werden, ist ein Anti-König. Mit den Herrschern dieser Welt hat er wenig gemeinsam. Er ist ein gerechter Anti-König. Gerechtigkeit ist ein Name Gottes. Und eine biblische Kampfansage bis in die Gegenwart. Die Mächtigen auf Erden brauchen keine Gerechtigkeit. Gerechtigkeit brauchen die, die für einen Dollar am Tag arbeiten. Gerechtigkeit brauchen die Hungernden. Und die Flüchtenden.

Der Anti-König ist ein Helfer, ein Heiland. Er will, dass die Menschen Hilfe erfahren, die sie brauchen. Und dass der Mensch dem Menschen ein Helfer, eine Helferin ist, sodass kein Mensch sich allein und hilflos im Dunkel der Welt herumschlagen muss.

Normalerweise fahren Könige in prächtigen Kutschen. Dieser hier fährt auf Sanftmütigkeit. Auf Gewaltlosigkeit. Auf das Schweigen der Waffen. Gedichtet von Pfarrer Georg Weissel mitten im 30-jährigen Krieg spricht das Lied hinein in die Not der Welt, damals wie heute, und bittet voll Sehnsucht:

„All unsere Not zum End´ er bringt.“

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
Eu’r Herz zum Tempel zubereit‘.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
So kommt der König auch zu euch,
Ja, Heil und Leben mit zugleich.“

Die Zweiglein der Gottseligkeit aufstecken und sich anrühren lassen, das Herz (immer wieder) öffnen. Die Entstehung des Liedes führt zurück zu einem reichen Kaufmann. Dieser hat, um das Leid von sich fern zu halten, den angrenzenden Weg zum Armenhaus aufgekauft und abgesperrt. Der tägliche Anblick der Armen und Bedürftigen blieb ihm somit erspart. Das Klagen der Ausgegrenzten drang vor bis zu Pfarrer Georg Weissel. Er dichtete dieses Lied und sang mit dem Chor zu Weihnachten vor dem Haus des Kaufmanns gemeinsam “Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!”. Der Legende nach rührte es ihn so an, dass der Kaufmann die Pforten wieder öffnete.

Vielleicht brauchen wir die Lieder, die Zweiglein der Gottseligkeit in Form von Kerzen und Adventskranz und Menschen, die Türen öffnen – auch für uns – damit wir unser Herz auch immer wieder öffnen. Die letzte Strophe mündet im dankbaren Gebet und öffnet die Tür auch für das kommende Jahr:

„Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
Meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
Dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
Den Weg zur ew´gen Seligkeit.“

Ihre Pfarrerin Juliane Bach

Deutsch-israelischer Jugendaustausch 2022

Im Oktober war es so weit, dass sich 13 Jugendliche und drei Lehrerinnen aus der Sulam Tsor Schule in Nordisrael auf den Weg hierher nach Berlin machten, um mit 13 Jugendlichen aus unserem Kirchenkreis eine intensive Zeit zu erleben. Der Austausch startete hier in Deutschland nach einem kurzen Kennenlernen mit dem Aufenthalt in den Gastfamilien. Jemanden fast Fremden bei sich aufzunehmen, der/die die eigene Sprache nicht kennt und den/die man selbst nur im Vorfeld kurz angeschrieben hat, ist immer wieder eine Herausforderung. Aber dieses Mal hat es bei unserer Vorauswahl der Gastpartner gut gepasst. Alle fühlten sich wohl und haben schnell eine gute Verbindung zueinander aufgebaut. Beim gemeinsamen Klettern im „Bergwerk“ war schnell klar, es passt! So gut, dass die Jugendlichen es kaum abwarten konnten, sich allein und in kleineren Gruppen mit ihren neuen israelischen Freunden in Berlin umzuschauen.

Aber nicht nur die Erfahrungen in der Gastfamilie standen hier auf dem Programm. Die Villa Wannsee, Sachsenhausen, das jüdische Viertel in Mitte und die Mauergedenkstätte mit der Kapelle der Versöhnung gehörten zu den „Must see“. So hatten wir acht Tage, in denen sich gemeinsame Erlebnisse und historisch bedeutende Orte gut abwechselten. Das Highlight zum Abschluss war der gemeinsame Besuch der Show „Arise“ im Friedrichstadtpalast.

Nach einer Woche Pause und wenig Zeit, um den Rückbesuch zu organisieren, ging es dann schon mit unseren 13 Jugendlichen auf nach Israel. Wir waren zunächst in Bethlehem (Palästina) untergebracht. Von hier aus haben wir uns die christlich bedeutenden Orte, aber auch eine andere Seite von Israel angeschaut. Hautnah konnten wir die Siedlungspolitik und die Mauer sehen und auch die Armut, die in Palästina herrscht. Aber auch zukunftsweisende Projekte, wie die Sprachschule Bilingual und die Gastfreundlichkeit. Durch unsere deutschsprachige Reiseführung Khadra konnten wir uns alle sicher und aufgehoben fühlen. Herodium, Bethlehem Geburtskirche, Jericho, Taufstelle Jesu am Jordan, Baden im Toten Meer und Jerusalem in den ersten vier Tagen. So viele neue Eindrücke, Geschmäcker, Gerüche, so viel zu hören und zu verarbeiten, überforderte so manchen. Abends fielen wir erschöpft in unsere Betten und schliefen kurz, bis der Wecker uns früh aus den Träumen riss.

Unsere zweite Etappe in Israel führte uns an den See Genezareth und in die Golan Höhen. Unsere Busfahrt ließ noch einen Stopp in Nazareth zu. Hier an der Stelle, wo Jesus mit Maria und Josef seine Kindheit verbrachte, steht heute eine beeindruckende Basilika mit hunderten Marienikonen aus aller Welt. Auch Josef wird hier in Gedenken gehalten. In Magdala hatten wir Gelegenheit, Jesus und die Jünger ein bisschen genauer zu beleuchten. Die Nacht verbrachten wir alle gemeinsam in einem großen Zelt. Es gab leckeres Essen und „Werwolf“ spielen am Lagerfeuer. Die Golan Höhen sind ein militärisch strategisch wichtiger Punkt für die Israelis. Das wurde uns am nächsten Tag noch einmal so richtig bewusst, als wir auf dem höchsten Punkt der Bergkette standen und die alten Militäranlagen mit dem Blick auf die syrische Grenze sahen.

Nach einem Mittagessen bei den Drusen, einer arabischsprachigen Religionsminderheit, und deren Geschichte, ging es dann in den Kibbuz Rosh Hanikra. Dort trafen wir alle unsere israelischen AustauschpartnerInnen wieder und feierten das Wiedersehen. Nach einem Besuch in einem deutschen Gästehaus und Seniorenheim für Holocaustüberlebende, welches nur durch Volontäre betrieben wird und einem tollen Workshop im Ghetto Fighter Museum, ging es dann in die israelischen Gastfamilien. Auch hier durften die Jugendlichen ihr eigenes Programm gestalten. Natürlich lockte das Mittelmeer, welches direkt vor der Haustür liegt, zum Baden. Aber auch die Grotten von Rosh Hanikra und andere Highlights, wie der Besuch einer Schokoladenfabrik oder eines Fußballspiels, konnten die deutschen Jugendlichen in ihren Gastfamilien miterleben. Die Jugendlichen verstanden sich mittlerweile so gut untereinander, dass sie sich sogar ohne uns Erwachsene am Freitagabend zu einer BBQ-Party bei einer Gastschülerin trafen!

Noch zwei Nächte verbrachten wir dann gemeinsam im Kibbuz in Rosh Hanikra. Gemeinsam schauten wir uns Akko an, die berühmte Kreuzfahrerstadt, und Haifa mit den Templersiedlungen. Ein Besuch der Schule in Sulam Tsor und eine kleine Wanderung im Naturreservat durften auch nicht fehlen. Das Abschiednehmen von
unseren neu gewonnenen israelischen Freunden fiel allen nach einer so langen, intensiven Zeit sehr schwer. Also versuchten wir den Abschied mit einem gemeinsamen letzten Essen und Spiel und Tanz so angenehm wie möglich werden zu lassen. Trotzdem flossen Tränen. Mit der Hoffnung, dass man sich irgendwann mal wiedersieht.

Manche der israelischen Jugendlichen konnten sich trotz langer Abschiedsszenen am Abend immer noch nicht von uns losreißen und begleiteten uns bis nach Tel Aviv, unserer letzten Station vorm Heimflug nach Deutschland. Am Wahltag waren alle Schulen geschlossen und die öffentlichen Transportmittel kostenlos. Dementsprechend freuten wir uns über die ortskundige Reisebegleitung, die uns durch die vollen Züge sicher ins Hostel und über die Flohmärkte brachte. Unsere letzte Nacht verbrachten wir in der modernen und globalen City Tel Aviv. Eine Metropole mit Hochhäusern, Bars, Cafés und Malls. Wieder eine völlig neue Welt. Und uns Berlinern nicht ganz so fremd!

Wir hatten am Abreisetag noch Zeit, uns am Vormittag bei einem Spaziergang durch Jaffa und entlang des Independence Trails von Israel zu verabschieden, bevor es mit den vollen Koffern und durch schier niemals endende Sicherheitskontrollen und Befragungen wieder zurück nach Deutschland ging.

Zurück bleiben viele schöne Erinnerungen, neue Freundschaften und Eindrücke, die uns auf unserem Lebensweg begleiten und uns vielleicht zu Friedensbotschaftern im Kleinen und im Großen für die Zukunft machen werden! Denn Frieden fängt immer bei uns selbst an!

Mandy Endter, Gemeindepädagogin
Oberspree-West

Rückblick: Ordination Pfarrerin Bach

Am 9. Oktober 2022, einem Herbstsonntag mit strahlendem Sonnenschein, fand in der St. Matthäus-Kirche in Tiergarten der Ordinationsgottesdienst für Juliane Bach und drei weitere Pfarrerinnen statt. In diesem sehr stimmungsvollen Gottesdienst sind die letzten vier Theologinnen von insgesamt 30 in diesem Jahr durch Bischof Christian Stäblein zu Pfarrerinnen ordiniert worden.

Mein Gott ist meine Stärke

Jesaja 49,5

Im Ordinationsgottesdienst bekommen die Pfarrerinnen und Pfarrer das Recht zur öffentlichen Wortverkündigung und zur Verwaltung der Sakramente übertragen. Letzteres bedeutet, dass sie eigenständig Gottesdienste leiten, Abendmahl feiern und Menschen taufen dürfen. Zum Dienst einer Pfarrerin oder eines Pfarrers gehören außerdem die Seelsorge und der Unterricht.

Die Ordinandin Juliane Bach hatte sich als Assistent Stefan Felmy erwählt. Herr Felmy ist Pfarrer i. R. in Brandenburg, sehr sympathisch und wir könnten uns gut vorstellen, dass Herr Felmy auch mal mit uns in Johannisthal Gottesdienst feiert. Ein Höhepunkt war für uns die Darbietung des christlichen Loblieds irischen Ursprungs „Be Thou My Vision“ durch die wunderbare junge Sängerin Esperánce Mirindi.

Nach der Ordination fand ein kleiner Empfang statt. Mitglieder unserer Gemeinde gratulierten Juliane Bach und überreichten kleine Geschenke, von uns Braumanns gab es einen Blumengruß aus dem Herbstgarten.

Dörte und Smilla Braumann

Ergebnisse der GKR-Wahl in Johannisthal

Am 13. November 2022 wurde im Johannisthaler Gemeindesaal zwischen 8:00 und 18:00 Uhr die Wahl zum neuen Gemeindekirchenrat durchgeführt. Vor und nach dem Gottesdienst nahmen knapp die Hälfte der Wähler*innen an der Wahl teil, dennoch wurde es bis 18:00 Uhr für den Wahlvorstand nie langweilig. Einige aus der Gemeinde hatten schon vorher von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch gemacht.

Insgesamt haben 156 der 1.778 Wahlberechtigten an der Wahl teilgenommen. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 8,8 %. Es gab eine ungültige Stimmabgabe per Briefwahl. Das Ergebnis hat der Wahlvorstand um 19:30 Uhr festgestellt.

Als Älteste wurden gewählt:

  • Johanna Werner mit 130 Stimmen (83,3 %)
  • Ines Mönch mit 125 Stimmen (80,1 %)
  • Maik Heinold mit 112 Stimmen (71,8 %)
  • Andreas Iskraut mit 105 Stimmen (67,3 %)
  • Christiane Albrecht-Podschus mit 97 Stimmen (62,2 %)

Als Ersatzälteste wurden gewählt:

  • Alexander Mattern mit 82 Stimmen (52,6 %)
  • Michael Land mit 66 Stimmen (42,3 %).

Herzlichen Glückwunsch allen Gewählten!

Neben den Gewählten werden Smilla Braumann, Dr. Matthias Krüger und Mario Storch weiterhin dem Gemeindekirchenrat angehören.

Die Einführung der neugewählten Mitglieder des Gemeindekirchenrates erfolgt im Gottesdienst am 3. Advent am 11. Dezember 2022 um 10 Uhr, die Verabschiedung der ausscheidenden Ältesten wird im Gottesdienst zu „Advent in der Kirche“ am 3. Dezember 2022 um 15 Uhr sein. Die Ersatzältesten werden dann im Gottesdienst am 15. Januar 2023 um 10 Uhr eingeführt.

Zum Schluss noch ein herzlicher Dank an die weiteren Mitglieder des Wahlvorstandes: Dietlind Hinz, Rieta Thierbach und Bernd Wulff.

Für den Wahlvorstand Anja Herwig

Bericht aus dem GKR Johannisthal

– Abschied – Rückblick – Dank –

Liebe Leserinnen und Leser,

nach sechs Jahren als gewählter Ältester und vielen Jahren als Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Johannisthal ist dies mein letzter Bericht aus der Gemeindeleitung. Es ist deshalb Zeit, ein wenig innezuhalten und zurückzublicken.

Xavier im Jahr 2017 hat uns die erste stürmische Überraschung beschert. Bäume im Kirchgarten waren angeschlagen und es musste schnell Hilfe geholt werden, damit keiner zu Schaden kam. Niemand konnte sich zu diesem Zeitpunkt vorstellen, dass gewaltigere Stürme über die Gemeinde und viele andere Menschen hinwegziehen würden.

Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg hielten und halten uns bis heute als Gemeinde beschäftigt. Dabei zeigt es sich, dass wir alle zusammenstehen, Möglichkeiten suchen und finden, die Schwierigkeiten zu meistern. Schnell war bei der Notunterkunft für die Flüchtlinge aus der Ukraine Hilfe von allen Seiten da, mit persönlichem Einsatz, Tag und Nacht, und mit Dingen für den täglichen Bedarf. Nachhaltig wird nun auf Dauer ein gemeinsames Café für die Geflüchteten in den Gemeinderäumen angeboten.

Die gravierenden Einschränkungen des persönlichen Treffens während der Corona-Pandemie haben neue Möglichkeiten gezeigt, wie Gemeindeleben virtuell stattfinden kann. Dies ist sicher kein Ersatz für das persönliche Treffen, hat aber die Gemeinschaft gestärkt. Freude und Dankbarkeit für das Zusammensein sind beständig geblieben, und so scheint es mir, noch gewachsen.

Viel Positives, auch in Gestaltung und Umfeld, ist in den vergangenen sechs Jahren entstanden. So wurden die Räume für Pfarrperson, Gemeindesekretär und Kantor umgebaut bzw. erschlossen und entsprechen nun einem modernen Standard. Auch Beleuchtung und Tonanlage im Kirchsaal und für Außenveranstaltungen sind erneuert bzw. neu installiert.

Unsere Kirche ist endlich von außen sichtbarer, weil der „Hochzeitsweg“, wie er viele Jahre bestanden hatte, wieder aufgebaut wurde und die Kirche jetzt direkt vom Sterndamm zum Besuch einlädt. Die Beleuchtung des Weges ist, denke ich, für jeden eine Freude.

Das Gelände vor dem Pavillon wurde hergerichtet und mit viel persönlichem Einsatz wurde der Kirchgarten neu gestaltet und wird beständig durch viele helfende Hände gepflegt. Noch vieles mehr hat sich drinnen und draußen getan, und die (Bau-)Pläne für die Zukunft und deren Umsetzung werden den neuen GKR bald beschäftigen.

Zum 100jähigen Jubiläum der Kircheinweihung kam 2021 Landesbischof Christian Stäblein zu uns und freute sich mit uns über die Tradition der Gemeinde, deren 125jähriges Bestehen wir in diesem Jahr gefeiert haben.

Zur Tradition gehört es auch zu erwähnen, dass wir in den vergangenen sechs Jahren acht Pfarrpersonen bei uns hatten und haben, die die Gemeindeleitung unterstützen und prägten: Reinhard Kähler, Martina Steffen-Elis, Annette Schwer, Carsten Unbehaun, Julika Wilcke, Hartmut Scheel und jetzt Stefanie Hoffmann sowie Juliane Bach, die nun hoffentlich länger bei uns bleiben kann.

In der Mitte der Gemeinde steht und singt unsere Kantorei. Musikalisch auf hohem Niveau, engagiert und mit Begeisterung, geleitet von Martin Fehlandt, ist sie fester Bestandteil unserer Gottesdienste, besonders an Karfreitag, dem 1. Advent und Heiligabend. Darüber hinaus hat die Kantorei Johannisthal mit ihren professionellen Auftritten viel Freude in die Region gebracht. Erwähnen möchte ich hier als Beispiele die Johannespassion im Jahr 2017, das Weihnachtsoratorium in mehreren Jahren und die Messe in c-Moll von Mozart im Oktober 2019.

In den ersten Online-Gottesdiensten, während des Verbots von Gottesdiensten in den Kirchen wegen der Pandemie, hat die Kantorei gezeigt, wie gut sie die digitalen Medien beherrscht, als die Stimmen einzeln aufgenommen und anschließend zusammengemischt wurden. Nicht zu vergessen ist, dass die Kantorei das organisatorische Rückgrat für die Notunterkunft der Ukraine-Hilfe war. Klassische Kunst und praktisches schnelles Handeln schließen sich in Johannisthal nicht aus.

Mein Dank gilt allen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, die in der und für die Gemeinde in den vielen Bereichen des Gemeindelebens immer für uns alle da waren und sind. Ohne das ehrenamtliche Engagement zusätzlich zum Gemeindekirchenrat kann eine Gemeinde nicht leben. Danke allen Helfenden! Und ich denke dabei an zwei Menschen, die über viele Jahre dieses Leben mitgeprägt haben und in den vergangenen Jahren leider von uns gegangen sind, Christa Baukhage und Uli Scheidereiter. Wir vermissen sie bis heute.

Ein GKR-Vorsitzender kann nur so gut sein, wie die gewählten Ältesten und Ersatzältesten im gleichen Gremium. In mehr als 60 Sitzungen in den vergangenen sechs Jahren haben wir aufsummiert eine Reihe von Tagen zusammen verbracht, um das Beste für die Gemeinde aus unserer Sicht zu planen und zu gestalten. Herzlichen Dank deshalb an Nadine Schröder, Anne Lehmann, Daniel Schmidt, Markus Hildebrandt, Ines Mönch, Andreas Griese, Mario Storch, Matthias Krüger, Maik Heinold, Smilla Braumann und besonders an Anja Herwig, die für zwei Jahre den GKR geleitet hat und so im Vordergrund und ebenso immer im Hintergrund wichtige Impulse gesetzt hat.

Ich wünsche allen, besonders Ihnen als Leserinnen des Gemeindegrußes, Gottes Segen und die Kraft, und dabei die Freude, in unserer Gemeinde Johannisthal zu leben und dabei zu sein.

Geschrieben am Reformationstag 2022:
Ein feste Burg ist unser Gott.
Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten,
die uns getroffen haben.

Psalm 46

Dr. Thomas Menn